Intervallfasten bei Typ-2-Diabetes: Zu Risiken und Nebenwirkungen…

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 8. Dezember 2020

Intervallfasten kann sich nicht nur durch eine angestrebte Gewichtsabnahme günstig auf den Diabetesverlauf auswirken, sondern auch den Langzeitblutzuckerwert reduzieren. Allerdings birgt Intervallfasten ein erhöhtes Risiko für Menschen mit Diabetes. Daher ist es ratsam, den Einstieg ins Intervallfasten vorab mit seinem Arzt zu besprechen.

Grundsätzlich bestehen zwei sich ergänzende Möglichkeiten, Gewicht abzunehmen: Die Einsparung von Energie (Kalorien) bei der Ernährung sowie die Steigerung der körperlichen Aktivität, um den Energieverbrauch anzukurbeln. Auf welchem Weg beide Stellschrauben im gewünschten Sinn beeinflusst werden, erscheint dagegen nebensächlich, solange die veränderten Gewohnheiten längerfristig beibehalten werden. Setzte man bei Reduktionsdiäten früher auf die kontinuierliche, tägliche Einsparung von Kalorien, erfreut sich mittlerweile das Intervallfasten großer Beliebtheit. Beim Intervallfasten wird die Nahrungsaufnahme nur für einen begrenzten Zeitraum limitiert, beispielsweise 16 bis 18 Stunden pro Tag ohne Nahrungsaufnahme oder zwei Tage pro Woche mit starker Reduktionsdiät. Wissenschaftlich betrachtet erscheint der Erfolg beider Abnehmkonzepte vergleichbar zu sein.

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes könnte intermittierendes Fasten neben der angestrebten Gewichtsabnahme weitere Vorteile mit sich bringen. Laut einem in der Fachzeitschrift JAMA publizierten Beitrag wurden bislang sieben Studien zur therapeutischen Wirkung des Intervallfastens bei Typ-2-Diabetes publiziert. In allen Studien wurde eine Gewichtsabnahme erzielt, in den meisten ebenfalls ein günstiger Effekt auf den Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c-Wert) sowie den Blutzuckerspiegel. Allerdings waren die Studien ziemlich klein (sechs der sieben Studien hatten maximal 63 Teilnehmer), es wurden verschiedene Varianten des Intervallfastens eingesetzt und der Beobachtungszeitraum betrug bei den meisten Studien lediglich maximal vier Monate. All dies schmälert die Aussagekraft der Studien. Eine Verringerung der Insulinresistenz wurde darüber hinaus in keiner Studie berichtet.

Unterm Strich scheinen die Ergebnisse des Intervallfastens auch bei Typ-2-Diabetes einer konventionellen Reduktionsdiät mit täglicher verringerter Energieaufnahme nicht überlegen zu sein. Dennoch kann diese Diätform nur bedingt für Menschen mit Diabetes empfohlen werden. Dies liegt zum einen daran, dass in Studien beim Intervallfasten häufiger Hypoglykämien (Unterzuckerungen) auftreten. Dies galt sogar, wenn vorab die Diabetesmedikation angepasst wurde. Besonders groß ist das Hypoglykämierisiko bei Menschen mit Diabetes, die Insulin injizieren oder Präparate mit Sulfonylharnstoffen einnehmen. Momentan werden Vorschläge für die Anpassung der Diabetesmedikation während des Intervallfastens erarbeitet, für hieb- und stichfeste Ratschläge ist die Evidenz aber noch zu gering. Anlass zur Sorge geben außerdem die Blutzuckerschwankungen während des Intervallfastens, die durch den Wechsel zwischen Fasten und Nahrungsaufnahme ausgelöst werden. Hier bestehen Hinweise aus früheren Studien, dass Blutzuckerschwankungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Risiko für mikrovaskuläre (zum Beispiel Retinopathie) und makrovaskuläre (zum Beispiel koronare Herzerkrankung) Folgeerkrankungen erhöhen könnten.

Fazit: Angesichts der aktuellen Studienlage erscheint es fraglich, ob Intervallfasten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes einer herkömmlichen Reduktionsdiät überlegen ist. Eine speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgerichtete Form den Intervallfastens wurde noch nicht entwickelt, außerdem fehlen Studien zur sicheren Anpassung der Diabetesmedikation während des Fastens. Angesichts möglicher kurz- und längerfristiger gesundheitlicher Risiken erscheint es ratsam, den Einstieg ins Intervallfasten vorab mit dem den Diabetes behandelnden Arzt zu besprechen.

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verfasst von am 8. Dezember 2020 um 07:08

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Ein Kommentar zu “Intervallfasten bei Typ-2-Diabetes: Zu Risiken und Nebenwirkungen…”

  1. Ankerli sagt:

    Danke für den Beitrag. Fasten und eine gesunde Ernährung ist bestimmt hilfreich. Wie beschrieben sollte man jedoch mit seinem Mediziner über den Schritt sprechen, um eventuelle Nebenwirkungen auszuschließen. Jedoch sollte man seine Grenzen kennen und zum Ausgleich ausgewogen Essen.

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