Neue Ernährungsempfehlungen bei Typ-2-Diabetes: Abnehmstrategie wird individueller und unkomplizierter

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 25. Januar 2022

Strenge Vorgaben zur Aufnahme von Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß waren gestern. Heute können Menschen mit Diabetes selbst entscheiden, welches gesunde Ernährungsmuster ihren Vorlieben am besten entspricht. Liegt die Diabetesdiagnose noch nicht so lange zurück, bestehen oftmals gute Chancen, den Zuckerstoffwechsel zu normalisieren.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat ihre Praxisempfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes aktualisiert. Sie richten sich an alle Berufsgruppen, die Menschen mit Typ-2-Diabetes begleiten. In die neuen Empfehlungen gingen die Ergebnisse relevanter, seit 2004 veröffentlichter Studien ein. „Die Empfehlungen zur Gewichtsreduktion und Ernährungsweise bei Diabetes Typ 2 sind insgesamt unkomplizierter und individueller“, freut sich DDG-Präsident Prof. Andreas Neu. Nicht nur die Vorgaben für die Aufnahme einzelner Nährstoffe entfielen. Auch die Maßgabe, bei eingeschränkter Nierenfunktion weniger eiweißhaltige Lebensmittel zu verzehren, gilt als überholt.

Dagegen unterstreicht die DDG die Bedeutung eines frühen Starts von Abnehmprogrammen bei übergewichtigen Menschen mit neuer Typ-2-Diabetes-Diagnose. „Die DiRECT-Studie aus England zeigt, dass 86 Prozent der Personen, die tatsächlich eine Gewichtsreduktion von mindestens 15 Kilogramm erreicht hatten, eine Diabetesremission erfuhren“, berichtet Prof. Diana Rubin, Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der DDG. „Voraussetzung war eine Diabetesdauer von nicht länger als sechs Jahren.“

Egal, ob Low-Carb, Low-Fat oder Formula-Diät: Menschen mit Typ-2-Diabetes können selbst entscheiden, welche Strategie der Gewichtsabnahme am besten zu ihnen und ihren Vorlieben passt. „Wir haben in der Literatur sehr gute Effekte beispielsweise für Low-Carb gefunden, eine kohlenhydratarme Ernährungsform“, berichtet Rubin. Diäten mit geringer Fettaufnahme (Low-Fat-Diäten) seien zumindest mittelfristig in ihrer Wirkung vergleichbar.

Bei den sogenannten Formula-Diäten werden Mahlzeiten durch Fertigdrinks oder Nährstoffpulver, welches mit Flüssigkeit angerührt wird, ersetzt. Mit Hilfe von Formula-Diäten können Abnehmwillige hohe Gewichtsverluste in kurzer Zeit erreichen und ihre Typ-2-Diabeteserkrankung zurückdrängen (Remission). Dies geht aus verschiedenen Studien hervor. Allerdings gelingt es vielen nach anfänglicher Gewichtsabnahme nicht, ihr neues Gewicht langfristig zu halten.

Auch andere gesunde Ernährungsweisen können zur Gewichtsabnahme führen. „Soll keine bestimmte Diät eingesetzt werden, so sind für das Diabetesmanagement mediterrane, vegetarische oder vegane Ernährungsmuster gleichermaßen geeignet“, erläutert die Ernährungsmedizinerin. Auch Intervallfasten könne unter ärztlicher Überwachung zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. „Entscheidend ist, dass die Abnehmstrategie zu den Präferenzen der übergewichtigen Person passt und nachhaltig im Alltag umgesetzt werden kann“, so Rubin. Den Effekt des nordischen Ernährungsmusters, der makrobiotischen Ernährung sowie der blutdrucksenkenden DASH-Diät und der Paleo-Diät nach dem Vorbild der Steinzeiternährung konnten die Experten nicht bewerten. „Zu diesen relativ neuen Ernährungstrends liegen noch zu wenige Studien vor“, erklärt Rubin.

Worauf sollen Menschen mit Typ-2-Diabetes bei der Lebensmittelauswahl achten? „Wer unverarbeitete, naturbelassene Lebensmittel zu sich nimmt, liegt richtig“, resümiert Rubin. Als Kohlenhydratquellen eignen sich insbesondere Vollkornprodukte, stärkearme Gemüsesorten, Hülsenfrüchte und Nüsse. Rubins Spezialtipp: „Hafer enthält besonders gesunde Kohlenhydrate, die günstig auf den Blutzuckerspiegel wirken.“ Abgesehen von Hypoglykämie-Situationen (Unterzuckerungen) sollten Menschen mit Diabetes besser zuckerarmes Obst auswählen. Es ist zugleich ein guter Ballaststofflieferant. Süßstoffe gelten in üblichen Mengen als unbedenklich und auch auf Alkoholisches muss nicht verzichtet werden. Ein mäßiger Alkoholkonsum ist mit einer guten Stoffwechseleinstellung vereinbar.

Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Appetitregulation, die Gewichtsabnahme und verbessert den Blutzuckerspiegel. Dabei beeinflussen sowohl der Zeitpunkt als auch die Art und Intensität des Trainings die Blutzuckerregulation. Die besten Effekte wurden hier durch ein intensives Kraft-Ausdauer-Training vor Mahlzeiten (nüchtern) erzielt. Allerdings warnt die DDG, dass die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Methode bei Menschen mit Typ-2-Diabetes noch weiter untersucht werden muss. Ein sicherer und wirksamer Weg zur Unterstützung der Gewichtsabnahme sei dagegen regelmäßige körperliche Aktivität mit geringer Intensität, zum Beispiel schnelles Spazierengehen nach dem Essen.

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verfasst von am 25. Januar 2022 um 08:09

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