Neuer Darmkrebsrisikoscore schätzt individuelles Risiko basierend auf dem Lebensstil

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 18. März 2021

Wie hoch ist mein Risiko, in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken? Und wie würde sich das Risiko ändern, wenn ich verschiedene Lebensgewohnheiten ändere? Antworten auf diese Frage gibt zukünftig der LiFeCRC-Score, der anhand von Alter, Größe, Gewicht und bestimmten Lebensstilfaktoren das eigene Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Darmkrebs zu erkranken, schätzt.

Im Jahr 2018 erkrankten weltweit über 1,8 Millionen Menschen an Darmkrebs. Bereits damals war jeder zehnte neue Krebsfall Darmkrebs, und es wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der Betroffenen weiter zunehmen wird. Besonders im europäischen Raum ist Darmkrebs weit verbreitet und längst nicht nur ein Problem der älteren Generation. Schuld daran sind wohl auch ungünstige Lebensgewohnheiten, denn Rauchen, eine ungesunde Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum, zu wenig Bewegung, eine rasche Gewichtszunahme und Adipositas (Fettleibigkeit) fördern die Entstehung von Darmkrebs.

Wissenschaftler um Prof. Krasimira Aleksandrova haben einen lebensstilbasierten Risikoscore entwickelt, der zukünftig dabei helfen könnte, Personen mit hohem Darmkrebsrisiko frühzeitig zu identifizieren. Prof. Aleksandrova ist stellvertretende Leiterin der Abteilung Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen.

Das Risikomodell basiert auf den Daten von über 255.000 Teilnehmern der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition), einer prospektiven Studie zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Ernährung, Lebensweise, Stoffwechsel, Erbfaktoren und der Erkrankung an Krebs und anderen chronischen Erkrankungen. Die Teilnehmer wurden zwischen 1992 und 2000 erstmals befragt und im Mittel 15 Jahre begleitet. Der von Prof. Aleksandrova und ihrem Team entwickelte lebensstilbasierte Algorithmus zur Vorhersage des individuellen Darmkrebsrisikos wurde anhand von Daten einer zweiten Studie mit über 74.000 Teilnehmern validiert. Die Ergebnisse wurden aktuell in der Fachzeitschrift BMC Medicine publiziert.

Ein Ziel dieser Forschung war es, Menschen dabei zu helfen, ihr eigenes Risiko für Darmkrebs abzuschätzen und Lebensstilentscheidungen auf dieses Wissen zu stützen“, erläutert Prof. Aleksandrova. “Es ist das erste Mal, dass Daten aus einer groß angelegten europäischen Kohortenstudie verwendet wurden, um ein einfach zu bedienendes Werkzeug zur Darmkrebsvorsorge zu entwickeln. Das Modell berücksichtigt das individuelle Alter, den Taillenumfang und die Körpergröße sowie kritische Ernährungs- und Lebensstilfaktoren, die das Risiko einer Person, in den nächsten 10 Jahren an Darmkrebs zu erkranken, beeinflussen können. Hierzu gehören etwa der tägliche Alkoholkonsum, der Raucherstatus, körperliche (In-)Aktivität und die Aufnahme von Gemüse, Milchprodukten, verarbeitetem Fleisch sowie von Zucker und Süßwaren.

Derzeit wird die Zielpopulation für das Darmkrebs-Screening hauptsächlich allein aufgrund des Alters bestimmt“, legt Prof. Aleksandrova dar. “Obwohl das Alter, wie unsere Daten zeigen, zweifellos ein wichtiger Prädiktor für Darmkrebs ist, ermöglichen Informationen über modifizierbare Lebensstilfaktoren die Bereitstellung von präventiven Gesundheitsempfehlungen für Risikopersonen. Obwohl Darmkrebs eine der führenden Ursachen für Krebsmorbidität und -mortalität darstellt, lässt er sich weitestgehend vermeiden. Wir hoffen, dass unser Modell dazu beitragen kann, indem es die Menschen zu einem gesünderen Lebensstil motiviert.

Unter welcher Webadresse der LiFeCRC-Score zukünftig zu erreichen sein wird, wurde bislang noch nicht bekannt gegeben.

Quellen einblenden

 

verfasst von am 18. März 2021 um 07:57

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Für die Schriftenreihe der Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewählt. Das dabei entstandene Ernährungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verfügung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2021 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben