Osteoporoseprävention als Lebensaufgabe sehen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 19. Januar 2021

Zwar wird die maximale Knochenmasse üblicherweise zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr erreicht, der Aufbau von Knochenmasse ist allerdings in jedem Alter möglich und nötig. Darauf wies die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) anlässlich des letztjährigen Weltosteoporosetages (20. Oktober) hin.

„Der Körper erneuert die Knochen lebenslang, um den Knochenapparat stabil zu halten. Die Basis für feste Knochen wird jedoch schon in jungen Jahren gelegt“, erläutert Prof. Dr. Dieter C. Wirtz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Bonn und DGOU-Präsident. Bei Osteoporose ist der Wiederaufbau der Knochensubstanz gestört. Es kommt zu einer pathologischen Mikroarchitektur des Knochens mit verminderter Knochendichte und damit erhöhter Frakturgefährdung. In Deutschland sind etwa 6,3 Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. Die Internationale Osteoporosegesellschaft spricht davon, dass jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ab 50 Jahren eine osteoporotische Fraktur erleidet. Bei einer fortgeschrittenen Osteoporose können bereits kleinste Belastungen eine Fraktur verursachen. „Im Falle eines Sturzes passiert das bei älteren Menschen leider sehr oft hüftnah, also am Oberschenkelhalsknochen. Das kann dann mitunter auch lebensgefährlich sein“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Liener, Leiter der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). „Für viele alte Menschen bedeutet ein Oberschenkelhalsbruch das Aus ihres selbstständigen Lebens“, gibt Liener zu bedenken.

„Prävention steht an vorderster Stelle, um das Volksleiden in den Griff zu bekommen“, erläutert Prof. Dr. Uwe Maus, Leitender Arzt Endoprothetik und Osteologie an der Universitätsklinik Düsseldorf und Leiter der DGOU-Sektion Osteologie und. „Was vielen nicht bewusst ist: Wer in jungen Jahren für seine Knochenfitness sorgt, profitiert auch noch im hohen Alter davon.“ Aber auch in späteren Jahren kann man durch einen gesunden und aktiven Lebensstil zur Knochengesundheit und -stabilität beitragen. Die DGOU hat eine Liste mit Knochenstarkmacher für verschiedene Lebensabschnitte zusammengestellt.

Kinder toben auf einer Wiese

Für Kinder und Jugendliche…

…gilt es, den Aufbau der Knochenmasse, die Stabilität und Festigkeit der Knochen zu maximieren durch:

  • Kalziumreiche Ernährung: Die DGOU rät Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder ausreichend Milch und Milchprodukte zu sich nehmen. Außerdem helfen kalziumreiches Mineralwasser, grünes Gemüse wie Brokkoli, Fenchel und Grünkohl sowie Nüsse oder Kräuter wie Schnittlauch und Petersilie, den Kalziumhaushalt zu optimieren.
  • Vitamin-D-Gabe bzw. körpereigene Bildung: Der Körper benötigt Vitamin D, um das Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen und im Knochen einzulagern. Solange Kinder Vitamin D noch nicht selbst bilden können, sollten sie zusätzlich Vitamin-D-Gaben erhalten (12. bis 18. Monat). Ab dem 2. Lebensjahr beginnt die körpereigene Vitamin D-Synthese. Dann ist es wichtig, dass die Kinder genügend Zeit im Freien verbringen und die Sonne die Haut der Kinder bescheinen kann.
  • Sport: Der Knochenstoffwechsel wird durch sportliche Betätigung gefördert. Dabei „ziehen“ Muskeln am Knochen und regen den Knochenstoffwechsel an, mehr Kalzium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern. Zugleich wird die Muskulatur gestärkt, was die gefährdeten Knochen entlastet. Durch Krafttraining, Gymnastik und Schwimmen kann vor allem in jungen Jahren viel Knochenmasse aufgebaut werden.
  • Fazit: „Kinder sollten sich viel bewegen, weil dadurch Knochenmasse aufgebaut wird, und das möglichst an der frischen Luft. Denn mindestens eine halbe Stunde Sonnenlicht täglich ist erforderlich für gesunde Knochen“, fasst Prof. Dr. Robert Rödl, 1. Vorsitzender der DGOU-Sektion Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO) und Chefarzt der Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Universitätsklinikum Münster zusammen.

Knochenstarkmacher im Erwachsenenalter:

  • Muskeln stärken: Bewegung regt den Knochenaufbau lebenslang an. Krafttraining nach Maß und Dehnungsübungen gelten als gut geeignet, um Muskelkraft, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern. So kann eine Verbesserung der Knochenstabilität erreicht werden, was wiederum die Gefahr einer Fraktur im Alter reduziert.
  • Gesunder Lebensstil, Vermeidung von „Kalziumräubern“: Eine ausgewogene Ernährung ist förderlich, radikale Diäten sollten dagegen vermieden werden. Es wird empfohlen, sogenannte knochenraubende Lebensmittel wie Cola, Schokolade und geröstete Erdnüsse nur in Maßen zu verzehren, da das darin reichlich enthaltene Phosphat Kalzium aus dem Knochen „raubt“. Auch der Konsum von Nikotin und Alkohol stellt einen Risikofaktor dar.
  • Vitamin D: Zur körpereigenen Bildung von Vitamin D Gesicht, Hände und Arme zwischen März und Oktober mindestens zwei- bis drei Mal pro Woche für mindestens 30 Minuten der Sonne aussetzen. Das regt die körpereigene Vitamin-D-Synthese an. Im Winter wäre es ideal, wenn eine aktive Mittagspause im Freien stattfindet, um genügend Sonne abzubekommen. Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt genommen werden.
  • Risikofaktoren ermitteln: Personen, die bereits einen Bruch erlitten haben oder auf die andere Risikofaktoren zutreffen, sollten die Knochengesundheit bzw. das Frakturrisiko durch einen Arzt ermitteln lassen und ggf. frühzeitig geeignete Präventionsmaßnahmen einleiten.
  • Expertenrat: „Knochenbrüche können ein erstes Zeichen einer Osteoporose sein. Hier sollte unbedingt nicht nur der Knochenbruch behandelt, sondern auch nach Osteoporose geschaut werden. Wird eine spezielle Osteoporose-Therapie frühzeitig umgesetzt, kann das Risiko von Osteoporose-assoziierten Folgefrakturen minimiert werden“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Böcker, Direktor der Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
ein Paar im besten Alter

Für „Best-Ager“ und Senioren gilt:

  • Sturzprophylaxe: Abgesehen von der abnehmenden Knochenqualität sind häufig wiederholte Stürze (meist Stolperstürze) Ursache von Frakturen. Bereits ab dem 50. Lebensjahr nehmen Gleichgewichtssinn, Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit ab, so dass mit zunehmendem Alter das Risiko, zu stürzen und sich eine Fraktur zuzuziehen, steigt. Senioren können dem mit gezieltem Training von Kraft und Balance entgegenwirken. „Mit regelmäßiger Bewegung können das Sturzrisiko relevant gesenkt und zudem die Knochenqualität verbessert werden. Das muss kein Hochleistungssport sein, sondern auch eine milde Form der Bewegung wie Tanzen, Spazieren in der Natur oder Krafttraining sind geeignet“, sagt Prof. Dr. Benjamin Bücking, stellvertretender DGU-Sektionsleiter Alterstraumatologie und Chefarzt der Klinik für Orthopädie an den DRK-Kliniken Nordhessen.
  • Vitamin-D-Substitution: Mit zunehmendem Alter kann der Körper Vitamin D schlechter selbst bilden. Kann der Vitamin-D-Bedarf über ein Sonnenbad oder über die Nahrung nicht abgedeckt werden, sollten in Rücksprache mit dem Arzt Supplemente eingenommen werden.
  • Osteoporose-Therapie: Osteoporose-Medikamente hemmen den Knochenabbau. Ältere Menschen sollten spätestens nach dem ersten Bruch eine medikamentöse Osteoporose-Therapie erhalten. „Die hohe Anzahl von Altersbrüchen muss durch eine konsequentere medikamentöse Osteoporose-Therapie gesenkt werden. Denn der überwiegende Teil der Patienten mit einem Hüftbruch hat bereits in den Jahren zuvor eine Fraktur erlitten, die durch Osteoporose bedingt ist. Die Osteoporose-Therapie findet in Deutschland aber nicht ausreichend statt“, mahnt Prof. Liener. Daher müssten Strukturen geschaffen werden, die die flächendeckende Sekundärprävention unmittelbar nach dem ersten Bruch sicherstellen.

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verfasst von am 19. Januar 2021 um 12:34

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