Ostermöhren statt Ostereier? Cholesterinwerte im Griff behalten

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Mittwoch, 20. April 2011

Ostereier
© RichardBH

Sie zĂ€hlen schon fast zu den Volksleiden Nr. 1, ca. jeder Dritte der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren ist davon betroffen, viele haben die Veranlagung dazu bereits von ihren Eltern und Großeltern geerbt. Die Rede ist von erhöhten Cholesterinwerten. Ein richtiges “Leiden” sind erhöhte Cholesterinwerte zunĂ€chst einmal nicht, denn Ă€hnlich wie Bluthochdruck ist das Vorliegen eines erhöhten Cholesterinspiegels nicht unmittelbar mit Beschwerden oder direkten gesundheitlichen Auswirkungen verbunden. Erhöhte Werte können die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begĂŒnstigen, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, wenig Bewegung, Bluthochdruck oder Diabetes hinzukommen.

Waist-to-Hip-Ratio-Rechner

Wie kann man erhöhte Cholesterinwerte in den Griff bekommen? Wer sich nicht (nur) auf Medikamente verlassen möchte, befolgt hĂ€ufig den Rat, cholesterinhaltige tierische Nahrungsmittel zu meiden, also z. B. auf Eier möglichst zu verzichten und Butter durch Margarine zu ersetzen. Das Angebot an industriell hergestellten Ersatzprodukten in diesem Segment ist groß. Weniger bekannt ist: Nur etwa die HĂ€lfte der Menschen sind Cholesterinresponder. Bei ihnen fĂŒhrt eine cholesterinarme DiĂ€t auch tatsĂ€chlich zu einer Senkung des Cholesterinspiegels im Blut. Die anderen (Nonresponder) können davon nicht profitieren. Deshalb empfiehlt es sich, zu Beginn einer cholesterinarmen DiĂ€t, regelmĂ€ĂŸig die Blutwerte ĂŒberprĂŒfen zu lassen und zu kontrollieren, ob ĂŒberhaupt eine VerĂ€nderung eintritt.

Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass nicht unbedingt Nahrungscholesterin, sondern vielmehr die Art und Menge des verzehrten Fetts zu einer Erhöhung des Cholesterinspiegels beitragen kann. Von folgenden Tipps können Nonresponder und Responder gleichermaßen profitieren:

  • fettarme/fettreduzierte Lebensmittel bevorzugen: Viele tierischen Lebensmittel sind reich an gesĂ€ttigten FettsĂ€uren. Diese können den Cholesterinspiegel erhöhen. Deshalb sollte bei tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und KĂ€se fettarmen Varianten der Vorrang gegeben werden. Butter, Sahne, CrĂšme FraĂźche etc. sollten lediglich in kleinen Mengen zum Verfeinern von Speisen eingesetzt werden. Vorsichtig vor versteckten Fetten in verarbeiteten Lebensmitteln! Ein Blick auf das Zutatenverzeichnis und die NĂ€hrwertangaben auf der Verpackung verrĂ€t, wo besonders viel Fett enthalten ist.
  • Ersatz von tierischen Fetten durch pflanzliche Fette und Öle: Die meisten pflanzlichen Fette und Öle sind reich an einfach und mehrfach ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren (1). Sie besitzen eine cholesterinsenkende Wirkung. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung empfiehlt insbesondere Fette und Öle mit einem hohen Gehalt an Omega-3-FettsĂ€uren, beispielsweise Raps-, Walnuss- oder Leinöl sowie Pflanzenmargarine mit hohem Rapsölanteil. Übrigens: Pflanzliche Lebensmittel sind generell cholesterinfrei. Ein entsprechender Hinweis auf der Packung sollte deshalb kein Motiv fĂŒr den Einkauf darstellen.
  • RegelmĂ€ĂŸig Seefisch verzehren: Im Gegensatz zu anderen tierischen Lebensmittel enthĂ€lt gerade fettreicher Seefisch viele mehrfach ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren, die sich gĂŒnstig auf den Cholesterinspiegel auswirken und die BlutgefĂ€ĂŸe vor Ablagerungen schĂŒtzen können. Deshalb sollten ein bis zweimal wöchentlich Seefische wie Lachs, Makrele oder Hering verzehrt werden. Der Einsatz von Fischölkapseln sollte dagegen nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.
  • eine Handvoll NĂŒsse tĂ€glich: FĂŒr Menschen, die keinen Fisch mögen, sind NĂŒsse eine gute Alternative. Sie sind reich an einfach und mehrfach ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren. Aufgrund des hohen Energiegehalts sollte es aber bei einer Handvoll möglichst unverarbeiteter NĂŒsse bleiben.
  • cholesterinhaltige Lebensmittel sparsam einsetzen: Auch wenn nicht alle Menschen Cholesterinresponder sind, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung, den Verzehr von besonders cholesterinhaltigen Lebensmitteln einzuschrĂ€nken. Hierzu zĂ€hlen Innereien, MeeresfrĂŒchte, Aal/RĂ€ucherfisch sowie die Haut von Fisch und GeflĂŒgel. Aber keine Sorge: Auf ein FrĂŒhstĂŒcksei am Sonntag muss man nicht verzichten. Insgesamt sollten aber nicht mehr als zwei bis drei Eier wöchentlich auf dem Speiseplan stehen. Achten Sie auch auf versteckte Eier in Frischeinudeln, Fertiggerichten, Kuchen und GebĂ€ck.
  • pflanzliche Lebensmittel zum Sattessen: Brot, Nudeln, Kartoffeln und Reis, Haferflocken, HĂŒlsenfrĂŒchte, GemĂŒse, Salate und Obst sind fettarm und cholesterinfrei. Außerdem enthalten GemĂŒse und Obst sekundĂ€re Pflanzeninhaltsstoffe, die cholesterinsenkende, antioxidative und antientzĂŒndliche Wirkungen haben und damit die BlutgefĂ€ĂŸe schĂŒtzen.

Es ist jedoch nicht nur die ErnĂ€hrung, die den Cholesterinspiegel und damit das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann. RegelmĂ€ĂŸige Bewegung, die Aufgabe des Rauchens und eine EinschrĂ€nkung des Alkoholkonsums tragen das Ihrige dazu bei. Deshalb sollten gerade an Feiertagen, an denen der Speiseplan traditionell etwas reichhaltiger ist, immer wieder Pausen fĂŒr SpaziergĂ€nge und Bewegung an der frischen Luft genutzt werden.

Osterhase
© Gabriel.Lascu

(1) Im Gegensatz zu den meisten anderen pflanzlichen Ölen und Fetten sind Kokos- und Palmfett reich an gesĂ€ttigten FettsĂ€uren. Sie sollten deshalb ebenso sparsam eingesetzt werden wie tierische Produkte mit hohem Fettgehalt.

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verfasst von am 20. April 2011 um 11:21

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