Prädiabetes: Wenn die Ampel auf „gelb“ steht

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 15. März 2022

Prädiabetes ist nicht nur eine Vorstufe oder letzte Warnung vor der eigentlichen Typ-2-Diabetes-Erkrankung. Vielmehr besteht bereits bei Prädiabetes ein erhöhtes Risiko für gravierende Diabetes-Folgeerkrankungen. Eine Übersichtsarbeit des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) gibt Aufschluss über die Studienlage und beurteilt deren Aussagekraft.

Prädiabetes: Viele Menschen haben diesen Begriff noch nie gehört oder keine genaue Vorstellung davon, was sich dahinter verbirgt. Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Dabei ist der Zuckerstoffwechsel bereits gestört, die Diagnosekriterien des Typ-2-Diabetes sind aber noch nicht erfüllt.

Wie viele Menschen weltweit von Prädiabetes betroffen sind, ist nicht genau bekannt. Die Internationale Diabetes-Gesellschaft (International Diabetes Federation, kurz IDF) hat vor kurzem Schätzungen für das Jahr 2021 veröffentlicht. Sie geht davon aus, dass 2021 mindestens jeder zehnte Erwachsene weltweit (10,6 Prozent) Prädiabetes hatte. Dies entspricht 541 Millionen Menschen. Prädiabetes ist weiter auf dem Vormarsch. Experten schätzen, dass der Anteil der Betroffenen bis 2045 auf 11,4 Prozent (730 Millionen Menschen) ansteigen wird.

Das Vorliegen eines Prädiabetes sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. In den letzten Jahren mehren sich Studien, denen zufolge bereits bei einem Prädiabetes ein erhöhtes Risiko für chronische Komplikationen und Folgeerkrankungen besteht. Wissenschaftler des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) haben die Ergebnisse früherer Übersichtsarbeiten zusammengefasst und deren Aussagekraft bewertet.

„Wir sprechen hier von einem sogenannten Umbrella-Review“, erklärt Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher Direktor und Vorstand des DDZ. „Solche Übersichtsarbeiten fassen Daten aus Meta-Analysen zusammen, die wiederum alle Einzelstudien zu einem bestimmten Thema bündeln. Hier wurde der Zusammenhang zwischen Prädiabetes und dem Risiko diabetesbedingter Begleiterkrankungen untersucht.“ „Übersichtsarbeiten wie der vorliegende Umbrella Review helfen uns dabei, einen breiten Überblick zu einem Themenbereich zu gewinnen und die Belastbarkeit der jeweiligen Ergebnisse nach reproduzierbaren und transparenten Maßstäben zu bewerten“, ergänzt Dr. Sabrina Schlesinger, Leiterin der Arbeitsgruppe Systematische Reviews am DDZ und Studienleiterin der aktuellen Arbeit.
Per Literaturrecherche fanden die Wissenschaftler 96 geeignete Metaanalysen aus 16 Publikationen, die in ihre Auswertungen eingingen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Prädiabetes mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen, chronischer Nierenerkrankung, Demenz sowie Krebs und generell mit einer höheren Sterblichkeitsrate zusammenhängt“, berichtet Prof. Roden. Die Sicherheit der Evidenz in diesem Bereich bewerteten die DDZ-Wissenschaftler mit „moderat-belastbar“. Dies bedeutet, dass die gefundenen Ergebnisse wahrscheinlich den wirklichen Zusammenhang widerspiegeln. Dagegen fanden die Forscher keine überzeugenden Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Prädiabetes und Depression oder kognitiver Beeinträchtigung.

„Prädiabetes ist somit gefährlicher als angenommen und verlangt erhöhte Aufmerksamkeit nicht nur durch die Wissenschaft, sondern auch in der klinischen Praxis“, bilanziert Prof. Roden. Prof. Christian Herder, stellvertretender Direktor des Instituts für Klinische Diabetologie des DDZ und Leiter der Arbeitsgruppe Inflammation, weist auf weiteren Forschungsbedarf hin: „In Anbetracht der festgestellten Forschungslücken in diesem Bereich sind weitere Untersuchungen zu den Zusammenhängen zwischen Prädiabetes und verschiedenen Gesundheitsfolgen erforderlich, um den potenziellen klinischen und kostenbezogenen Nutzen von Interventionsmaßnahmen fundierter abschätzen zu können.“
Durch eine Veränderung von Risikofaktoren wie Fettleibigkeit (Adipositas), ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel kann Prädiabetes gezielt angegangen werden. Im Idealfall lässt sich die Entwicklung des Typ-2-Diabetes und seiner Folgeerkrankungen so verhindern oder zumindest verzögern.

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verfasst von am 15. März 2022 um 09:02

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