Typ-2-Diabetes: Gewichtsabnahme lohnt sich auch bei Normalgewicht

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 25. November 2021

Durch eine starke Gewichtsabnahme können auch normalgewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Normalisierung ihres Stoffwechsels erreichen. So lautet das Ergebnis einer Studie, deren Ergebnisse vor kurzem auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetes-Gesellschaft vorgestellt wurden.

Eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes muss keine Einbahnstraße sein. Diese Erkenntnis stammt ursprünglich aus der bariatrischen Chirurgie. Durch eine starke Gewichtsreduktion infolge von chirurgischen Eingriffen konnten Betroffene eine langanhaltende Verbesserung ihres Stoffwechsels (Remission) erreichen. Dabei bestand bei einer Gewichtsreduktion um 10 Kilogramm eine 50-prozentige Chance auf eine Diabetes-Remission. Später zeigten Studien, dass auch eine konventionelle Diät mit drastischer Kalorienbeschränkung ein vergleichbares Ergebnis bewirken kann.

Bislang ging man allerdings davon aus, dass nur Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht von einer Gewichtsabnahme profitieren. Ob dem wirklich so ist, prüfte die Arbeitsgruppe um Prof. Roy Taylor von der Universität Newcastle.

In der ReTUNE-Studie („Reversal of Type 2 Diabetes upon Normalisation of Energy Intake in Non-obese“) wurden 23 an Typ-2-Diabetes erkrankte Personen mit Normalgewicht und leichtem Übergewicht (Body Mass Index unter 27) in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Die Probanden der Interventionsgruppe sollten in zwei bis drei Zyklen ihr Gewicht um 5, 10 oder 15 Prozent reduzieren. Hierfür erhielten sie für jeweils zwei Wochen eine Diät mit sehr niedrigem Energiegehalt (800 Kalorien). Die darauffolgenden vier bis sechs Wochen dienten der Gewichtsstabilisierung.

Durch die Intervention nahmen die Probanden im Mittel 8,2 Kilogramm ab. Dies entspracht einer Abnahme von 11,8 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts. Im Studienzeitraum sanken die Triglyzeridspiegel der Probanden sowie der Fettgehalt von Leber und Bauchspeicheldrüse. Acht von zwölf Probanden der Interventionsgruppe erreichten einen HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent, welcher für die Wissenschaftler als Indikator für eine Remission galt. Außerdem normalisierte sich durch die Intervention der Nüchterninsulinspiegel, und die Insulinsensitivität sowie die Betazell-Funktion der Bauchspeicheldrüse verbesserten sich.

„Diese Ergebnisse sind zwar noch vorläufig. Sie zeigen aber sehr klar, dass Diabetes nicht durch Adipositas verursacht wird, sondern dadurch, dass Patienten zu schwer für ihren individuellen Körper sind“, zitiert die EASD in einer Mitteilung den Projektleiter Prof. Taylor.

Nach Taylors Auffassung stimmen die Ergebnisse dieser Studie mit dem Konzept der „persönlichen Fettschwelle“ überein. Demzufolge erkranken Menschen an Typ-2-Diabetes, wenn sie mehr Fett in ihrem Körper speichern, als ihr eigener Körper verarbeiten kann. Dies gilt unabhängig von willkürlichen BMI-Schwellenwerten wie der Grenze zwischen Normal- und Übergewicht. Treiber dieses Prozesses ist offenbar der Transport von überschüssigem gespeichertem Fett aus der Leber über das Blut in die Bauchspeicheldrüse. Dieses Fett schädigt dort die insulinproduzierenden Betazellen.

„Als Faustregel sollte sich der Bauchumfang eines Menschen seit dem Alter von 21 Jahren nicht verändert haben. Wenn jemand nicht in dieselbe Hosengröße passt wie als junger Erwachsener, dann schleppt er zuviel Fett mit sich herum und hat ein Diabetes-Risiko, und zwar auch als Normalgewichtiger“, erläutert Taylor.

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verfasst von am 25. November 2021 um 08:01

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