Unterstützen Apps die Gewichtsabnahme bei Typ-2-Diabetes?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 21. April 2020

Das im November durch den Bundestag verabschiedete „Digitale Versorgungs-Gesetz“ sieht unter anderem vor, dass Ärzte ihren Patienten Gesundheits-Apps verschreiben können und deren Kosten von der Krankenkasse erstattet werden. Inwiefern Apps bei der Gewichtsabnahme helfen, prüften chinesische Wissenschaftler in einer aktuellen Übersichtsarbeit.

In der Diabetestherapie erweisen sich mobile Anwendungen (Apps) als vielversprechende Instrumente, die den Alltag mit Diabetes erleichtern. Sie dienen unter anderem zur Dokumentation von Blutzuckerwerten, Mahlzeiten, körperlichen Aktivitäten, Insulingaben und der Einnahme von Medikamenten und können damit die Blutzuckerkontrolle unterstützen. Häufig erkranken Menschen mit Übergewicht an Typ-2-Diabetes. Durch eine Umstellung der Ernährung, Steigerung der Bewegung und die daraus resultierende Gewichtsabnahme kann die medikamentöse Diabetestherapie reduziert, herausgezögert oder sogar vollständig vermieden werden. Doch alleine für sich ist es schwer, abzunehmen. Was tun, wenn die ärztlichen Ressourcen begrenzt sind und die Teilnahme an Gewichtsabnahmegruppen für Patienten nicht infrage kommt? Hier könnten Apps Abhilfe verschaffen. Neben der Dokumentationsfunktion bieten sie auch die Möglichkeit, Patienten zu jeder Zeit und an jedem Ort ein professionelles Feedback zu geben.

Wissenschaftler der Universität Peking haben in einer Metaanalyse die Ergebnisse von 14 Studien zusammengefasst, in denen die Gewichtsabnahme von Menschen mit Typ-2-Diabetes mit und ohne App-Nutzung verglichen wurde. Alle 2.129 Probanden, die durchschnittlich 58,4 Jahre alt waren und einen BMI von 30,0 kg/m2 aufwiesen, wurden nach dem Zufallsprinzip auf eine Interventions- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Interventionsgruppe nutzte zur Gewichtskontrolle für drei bis zwölf Monate eine App, während die Kontrollgruppe den üblichen Empfehlungen zur Gewichtsabnahme folgte.

Verglichen mit der Kontrollgruppe nahmen die Probanden, die eine App benutzten, im Mittel 0,84 Kilogramm mehr ab, wobei insbesondere diejenigen profitierten, deren BMI zu Beginn der Studie mit mindestens 30 kg/m2 im adipösen Bereich lag. Sie nahmen sogar 1,3 Kilogramm mehr ab. Zwischen dem BMI und der App-assistierten Gewichtsabnahme bestand ein linearer Zusammenhang: Jede zusätzliche BMI-Einheit bei Studienbeginn ging mit einer Gewichtsabnahme von jeweils 0,15 Kilogramm einher. Allerdings war die Veränderung des BMIs zwischen beiden Gruppen nicht bedeutsam. Erfreulich war dagegen die Abnahme des Taillenumfangs um zusätzliche 1,35 Zentimeter, wobei ebenfalls die Personen mit anfänglicher Adipositas besonders profitierten (-2,06 Zentimeter).

Der Erfolg der Apps lässt sich durch Kombination mit anderen Maßnahmen steigern. “In Studien, in denen Interventionen zusätzlich zu mobilen Apps verhaltensbezogene Komponenten umfassten und die Kontrollgruppe lediglich verhaltensbezogen behandelt wurde, wurden größere Reduzierungen des Körpergewichts, des BMIs und des Taillenumfangs beobachtet als in Studien, in denen Interventionen für mobile Apps nur mit der üblichen Versorgung verglichen wurden”, schreiben die Forscher. “Dies impliziert, dass die Wirksamkeit mobiler App-Interventionen zur Gewichtsreduktion durch die Einbeziehung zusätzlicher Verhaltenskomponenten einschließlich multidisziplinärer Diabetes-Versorgung oder Gesundheitscoaching gesteigert werden könnte.”

Auch wenn die zusätzliche Gewichtsabnahme nicht besonders groß war, könnten Smartphone-Apps die Gewichtskontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes unterstützen, insbesondere wenn diese stark übergewichtig sind. Interessant wäre in diesem Zusammenhang eine Untersuchung verschiedener Altersgruppen, welche ihr Smartphone in unterschiedlichem Umfang nutzen. Gut möglich, dass der positive Effekt in jüngeren Gruppen stärker ausgeprägt ist.

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verfasst von am 21. April 2020 um 06:52

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