Warum neigen Menschen zum Hamstern? Ergebnisse aus dem ersten Lockdown

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 11. März 2021

Die Bilder von leeren Regalpl√§tzen im Supermarkt nach der Verk√ľndung der globalen COVID-19-Pandemie gingen durch alle Medien. Diese waren das Resultat eines ge√§nderten Einkaufsverhaltens einiger Konsumenten. Doch was genau waren die Antriebskr√§fte f√ľr das sogenannte “Hamstern”?

Im Fr√ľhsommer 2020, noch w√§hrend des ersten Lockdowns, befragten Wissenschaftler der Universit√§t Geisenheim 488 Personen zu ihrem Einkaufsverhalten, speziell dem Horten von lagerf√§higen Lebensmitteln. Um ein m√∂glichst umfassendes Bild zu erhalten, wurden Personen verschiedenen Alters und Geschlechts, unterschiedlichen Einkommens und aus allen Regionen Deutschland mittels quantitativer und qualitativer Methoden befragt.

Bei den meisten Befragten kam das Hamstern von Lebensmitteln nicht gut an. Ihrer Ansicht nach war es etwas Negatives und Unnötiges und zeugte von Egoismus und unsozialem Verhalten. Allerdings räumte ein Viertel der Befragten ein, am Anfang des Lockdowns lagerfähige Lebensmittel gehamstert zu haben. Bei dieser Personengruppe schnitt das Hamstern besser ab.

Die Gr√ľnde f√ľr das Lebensmittelhorten waren vielf√§ltig. Zu den Hauptgr√ľnden z√§hlte die Unsicherheit √ľber die Lage in Deutschland allgemein und speziell die Versorgung mit Lebensmitteln. Auch wenn die Befragten davon ausgingen, dass insgesamt immer genug Lebensmittel zu kaufen seien, hatte jeder zweite Befragte leere Regale und Mengenbeschr√§nkungen beim Lebensmitteleinkauf mitbekommen. Neben der allgemeinen Verunsicherung f√ľhrt auch die Angst davor, dass Lebensmittel zuk√ľnftig nicht mehr verf√ľgbar sein k√∂nnten, zum Horten. Auch das “Rudelverhalten” befeuerte das Hamstern: Der Drang, selbst Lebensmittel zu hamstern, wurde umso gr√∂√üer, je h√§ufiger die Befragten den Eindruck hatten, dass andere hamsterten. “Die Vermutung liegt nahe, dass Medienberichte √ľber leere Regale eine Art Herdentrieb hingehend zum Hamstern angefeuert haben”, √§u√üern die Forschenden. Um m√∂glich selten einkaufen gehen zu m√ľssen und dadurch die Ansteckungsgefahr zu verringern, kauften viele gr√∂√üere Mengen an Lebensmitteln auf einmal ein. Auch dies z√§hlte zu den Motiven f√ľr das Horten von Lebensmitteln.

“In den letzten Monaten wurden einige Studien und Umfragen zum Thema Hamstern durchgef√ľhrt. Zu Beginn des jetzigen Lockdowns zeigte sich, dass weniger gehamstert wird als noch in der Anfangsphase der Pandemie”, berichtet Dr. Mira Lehberger vom Institut f√ľr Frischproduktlogistik der Hochschule Geisenheim √ľber Ver√§nderungen im Einkaufsverhalten im Vergleich zum ersten Lockdown in Deutschland. F√ľr die Forschenden w√§re es nun aufschlussreich, die verschiedenen Lockdownphasen zu vergleichen, um √Ąnderungen im Konsumverhalten zu ergr√ľnden.

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verfasst von am 11. März 2021 um 08:39

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Ein Kommentar zu “Warum neigen Menschen zum Hamstern? Ergebnisse aus dem ersten Lockdown”

  1. Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen

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