Wege zur schnellen Gewichtsreduktion? Verbraucherzentrale warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 3. Februar 2022

Zwischen wenig wirksam bis hin zu gefährlich: So schätzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln zum Abnehmen ein. Sie warnt: Der vermeintlich leichte Weg zum Wunschgewicht kann schnell unerwartete Nebenwirkungen haben.

Gewicht abzunehmen und sich mehr zu bewegen zählen bestimmt zu den Top Ten der Neujahrsvorsätze. Doch um eine langfristig erfolgreiche Gewichtsreduktion zu erreichen, ist ein hohes Maß an Disziplin erforderlich. Es gilt, zahlreiche Stellschrauben zu berücksichtigen und zu optimieren. Hierzu zählen neben einer Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens auch ausreichend Schlaf und Entspannung. Vor diesem Hintergrund klingen Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel wie „der leichte Weg zum Wunschgewicht“ besonders verlockend.

Doch leider haben Schlankheitspräparate mehrere Haken. Im besten Fall, so die Verbraucherzentrale, bewirken sie gar nichts. Oftmals enthalten sie dagegen illegale Substanzen oder/und bergen hochgradige Gesundheitsrisiken. Die Verbraucherschützer versuchen, mit gängigen Irrtümern über Nahrungsergänzungsmittel aufzuräumen.

Irrtum Nr. 1: Die angebotenen Präparate zur Gewichtsabnahme sind gut geprüft.
Fakt ist: Frei erhältliche Abnehmpräparate aus Drogerien, Apotheken oder dem Internet zählen zur Gruppe der Nahrungsergänzungsmittel. Hierbei handelt es sich um Lebensmittel, nicht um Heilmittel oder Medikamente. Sie haben keine Arzneimittelzulassung durchlaufen und ihre Wirkung und Sicherheit wurde nicht im Vorfeld unabhängig geprüft. Zwar werden viele Produkte dieser Sparte als „natürlich“ oder „rein pflanzlich“ beschrieben. Dennoch wurden in solchen Präparaten in der Vergangenheit häufiger illegale Arzneisubstanzen gefunden, darunter auch krebserregende Stoffe.

Irrtum Nr. 2: Entwässerungsmittel und Appetithemmer sind ein leichter Weg zum Abnahmeerfolg.
Fakt ist: Entwässerungsmittel bewirken zwar tatsächlich eine schnelle Gewichtsabnahme, allerdings geschieht dies durch die Ausscheidung von Wasser und nicht durch Fettabbau. Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken des Wasserverlusts, dürfte die Freude über die erzielte Gewichtsabnahme nur von kurzer Dauer sein. Denn beim Absetzen des Präparats werden die leeren Wasserspeicher des Körpers wieder aufgefüllt.

Gesundheitlich problematisch sind auch Appetithemmer. Die darin enthaltenen Quell- und Ballaststoffe quellen bei ausreichender Flüssigkeitsaufnahme auf und machen dadurch satt. Die Kehrseite der Medaille: Wenn zur Einnahme nicht ausreichend getrunken wird, besteht die Gefahr eines Darmverschlusses. Darüber hinaus droht insbesondere bei längerer Einnahme ein Gewöhnungseffekt an (zu) große Portionen. Wird das Präparat wieder abgesetzt, droht so eine rasche Gewichtszunahme (Jo-Jo-Effekt). Hilfreicher wäre es, auf natürliche Appetitbremsen wie ballaststoffreiches Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide zurückzugreifen.

Irrtum Nr. 3: Bequeme Formula-Diäten können alle Mahlzeiten ersetzen.
Fakt ist: Schenkt man Werbeversprechen Glauben, so können die Mahlzeiten in Pulverform zum Mixen von Diätshakes uneingeschränkt Mahlzeiten ersetzen. Das klingt praktisch: Das aufwändige Zubereiten von kalorienarmen Gerichten, die oftmals doch nicht so gut schmecken wie gewohnt, entfällt, ebenso der Lebensmitteleinkauf und die Speiseplanung. Mittel- bis langfristig benötigt der Körper allerdings mehr als in den Pülverchen enthalten ist. Daher müssen die Produkte mit einem Warnhinweis versehen sein, wenn alle drei Hauptmahlzeiten durch die Formula-Diät ersetzt werden sollen: „Darf ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden.“ Hier empfiehlt die Verbraucherzentrale, nur eine Hauptmahlzeit für kurze Zeit zu ersetzen. Dies erleichtert den Einstieg in die Gewichtsabnahme – vorausgesetzt, die übrige Ernährung ist ebenfalls energieärmer als bisher.

Irrtum Nr. 4: Fatburner sind unbedenkliche Mittel zur Reduzierung des Körperfettanteils.
Fakt ist: Viele Fatburner enthalten eine Vielzahl verschiedener Pflanzenextrakte. Selbst wenn keine gesundheitsgefährdenden Mengen der einzelnen Substanzen enthalten sind, lässt sich die Wirkung des gesamten Präparats nicht einschätzen und es können unerwartete und unerwünschte Wirkungen auftreten. Dies gilt insbesondere, wenn Wirkungsverstärker wie Koffein enthalten sind (z.B. als Grüntee, Mate, Guarana). Es drohen Bluthochdruck und Herzrasen, im schlimmsten Fall sogar Herzinfarkte. Hinzu kommen eventuelle Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten.

Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind die Versprechen der Hersteller von Fatburnern übrigens nicht wissenschaftlich gesichert. Der Nutzen der Produkte ist demnach äußerst fragwürdig, die gesundheitlichen Risiken dagegen leider nicht.

Irrtum Nr. 5: Nahrungsergänzungsmittel sind kalorienarm.
Fakt ist: Insbesondere Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform können viel Energie liefern. Denn sie enthalten häufig viel Zucker und Fett. Solange aber bestimmte Nährstoffe nicht besonders hervorgehoben werden, müssen Hersteller keine Angabe zu den enthaltenen Mengen machen. Verbraucher erkennen die Täuschung allenfalls durch einen Blick auf die Zutatenliste. Stehen Begriffe wie Zucker oder Maltodextrin am Anfang der Zutatenliste, ist besonders viel Zucker enthalten.

Fazit der Verbraucherschützer:

  • Nahrungsergänzungsmittel mögen phänomenale Abnehmerfolge versprechen – sie helfen aber nicht, dauerhaft das Gewicht zu reduzieren!
  • Um gesundheitliche Risiken auszuschließen, sollten Sie vor der Einnahme solcher Präparate mit Ihrem Hausarzt sprechen. Denn die Produkte können auf Dauer oder bei Überdosierung schaden und gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.
  • Für eine langfristige und erfolgreiche Gewichtsabnahme helfen nur eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung sowie genügend Entspannung und Schlaf.

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verfasst von am 3. Februar 2022 um 08:04

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