WWF-Studie: Deutsche Ernährungsgewohnheiten und ihr ökologischer Fußabdruck

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 20. Juli 2021

Würden die Deutschen sich nach den Prinzipien der Planetary Health Diet ernähren, könnten jährlich 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden und auch der Flächenbedarf zur Erzeugung von Lebensmitteln würde deutlich sinken.

Der WWF (World Wide Fund For Nature) hat in Kooperation mit der corsus – corporate sustainability GmbH untersucht, wie sich unsere derzeitige Ernährung auf die Umwelt und das Klima auswirkt. Und was wäre, wenn wir uns zukünftig flexitarisch mit maximal 470 Gramm Fleisch pro Woche, vegetarisch oder vegan ernähren würden?

Als Grundlage verwendeten die Wissenschaftler den durchschnittlichen Warenkorb der deutschen Bevölkerung zwischen 2015 und 2018. Sie bestimmten die für die derzeitigen bundesdeutschen Ernährungsgewohnheiten benötigte Landfläche weltweit und bei der Produktion entstehende Treibhausgasemissionen. Außerdem verglichen sie den Status quo mit verschiedenen, von der EAT-Lancet Kommission empfohlenen, umweltverträglichen Ernährungsweisen.

Laut den Berechnungen der Forscher ist eine Fläche von 16,6 Millionen Hektar notwendig, um den derzeitigen Bedarf an Nahrungsmitteln in Deutschland zu decken. Der Großteil davon (12,4 Millionen Hektar) wird für die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln gebraucht. Der Anbau pflanzlicher Lebensmittel benötigt dagegen lediglich ein Viertel der Gesamtfläche (4,2 Millionen Hektar).

Würde sich der durchschnittliche Bundesbürger flexitarisch ernähren und auf die Hälfte seines Fleischkonsums verzichten, hätte dies günstige Folgen auf den Flächenbedarf und für das Klima. Der Flächenverbrauch für die Lebensmittelproduktion wäre um fast drei Millionen Hektar beziehungsweise 18 Prozent geringer. Zugleich würden die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen um 27 Prozent sinken (von 210 Millionen Tonnen auf 154 Millionen Tonnen). Mit einer vegetarischen oder veganen Ernährungsweise ließen sich weitere Einsparungen erzielen. Allerdings unterscheiden sich die Effekte beider Ernährungsweisen kaum in Bezug auf den Flächenbedarf. Bei vegetarischer Ernährung würde 46 Prozent weniger Fläche, bei veganer Ernährung 50 Prozent weniger Fläche benötigt als bei der bislang üblichen Ernährung. Die Treibhausgasemissionen würden bei vegetarischer Ernährung um 47 Prozent, bei veganer Ernährung um 48 Prozent sinken.

„Die jetzige Bundesregierung hat die Verantwortung für die ökologische Ernährungswende auf den Schultern der Verbraucherinnen und Verbraucher abgeladen und lässt sie damit allein. Dabei müssen wir unser Ernährungssystem dringend anpassen, um die Pariser Klimaziele erreichen und den Verlust der Biodiversität noch aufhalten zu können“ mahnt Tanja Dräger de Teran, Referentin für Ernährung und Landwirtschaft beim WWF Deutschland. „Deutschland ist Mitverursacher der globalen Ernährungskrise. Wer Regierungsverantwortung übernehmen will, braucht ein ernährungspolitisches Gesamtkonzept, um Teil der Lösung zu werden.“ In den Augen des WWF sollte die kommende Regierung eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie verabschieden, deren Maßstab die ökologischen Grenzen der Erde sind. Konkret fordert der WWF definierte Klimaziele für das Ernährungssystem, die Einführung einer Lenkungssteuer für tierische Lebensmittel und verbindliche Mindestkriterien für die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen, beispielsweise Schulen. „Künftig muss die einfache Wahl auch immer die gesunde und nachhaltige sein“, fordert Dräger de Teran.

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verfasst von am 20. Juli 2021 um 08:53

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