Zusammenspiel zwischen ungesunder Ernährung und psychischer Gesundheit: Sind Frauen eher betroffen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 13. Juli 2021

Laut den Ergebnissen einer aktuellen Studie hängen eine gesunde Ernährung, das Befolgen gesunder Ernährungspraktiken und das psychische Wohlbefinden zusammen. Dieser Zusammenhang ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern und kann durch die Bewegung beeinflusst werden.

Die Ergebnisse von früheren Studien zur Assoziation zwischen psychischen Problemen und Lebensstil sprechen dafür, dass Ernährung, Ernährungsgewohnheiten und Bewegung mit dem psychischen Wohlbefinden in Verbindung stehen. Allerdings sind diese Zusammenhänge komplex und multidimensional. Ferner wird vermutet, dass sie sich zwischen Männern und Frauen und in Abhängigkeit von der Gehirnreife unterscheiden.

Um besser zu verstehen, wie die Ernährungsgewohnheiten mit dem Wohlbefinden von Männern und Frauen assoziiert sind, und welche Bedeutung die Bewegung dabei innehat, hat Assistenzprofessorin Lina Begdache an der Universität Binghamton eine Studie mit 880 Frauen und 329 Männern im Alter von mindestens 30 Jahren durchgeführt. Alle Probanden beantworteten einen validierten Fragebogen zum Verzehr bestimmter Lebensmittelgruppen und ihrer Stimmung. Außerdem machten sie Angaben zu ihrem Geschlecht, ihrer Altersgruppe, Wohnregion, höchstem Bildungsabschluss, Häufigkeit des Frühstückens sowie der Anzahl an Tagen, an denen sie mindestens 20 Minuten körperlich aktiv waren.

Die Ergebnisse der darauffolgenden Auswertung deuten darauf hin, dass bei beiden Geschlechtern ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Wohlbefinden besteht. Dieser scheint allerdings bei Frauen stärker ausgeprägt zu sein. „Wir fanden einen allgemeinen Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung, dem Befolgen gesunder Ernährungspraktiken, Bewegung und psychischem Wohlbefinden“, erläutert Begdache. „Interessanterweise stellten wir fest, dass bei ungesunden Ernährungsmustern das Ausmaß der psychischen Belastung bei Frauen höher war als bei Männern. Dies bestätigt, dass Frauen anfälliger für ungesunde Ernährung sind als Männer.“ Eine mögliche Ursache hierfür sind Unterschiede in der Struktur des Gehirns von Männern und Frauen. Dies könnte dazu führen, dass diese eine unterschiedliche Nährstoffzusammensetzung für eine optimale Funktion benötigen.

„Fast Food, das Auslassen des Frühstücks, Koffein und hochglykämische Lebensmittel sind alle mit psychischer Belastung bei reifen Frauen verbunden“, fährt Begdache fort. „Früchte und dunkelgrünes Blattgemüse werden mit psychischem Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Die zusätzliche Information, die wir aus dieser Studie gelernt haben, ist, dass Bewegung die negative Assoziation von hochglykämischen Lebensmitteln und Fast Food mit psychischer Belastung signifikant reduziert“, betont Begdache. Denn körperliche Aktivität fördert Prozesse im Gehirn, welche kognitive Funktionen und das Wohlbefinden verbessern. Auch bei Männern war der Verzehr von Fast Food und fehlende körperliche Betätigung mit psychischen Belastungen verbunden.

Demnach könnten Ernährung und Bewegung wichtige Ansatzpunkte zur Prävention psychischer Probleme sein, insbesondere bei reifen Frauen. In einer weiteren, prospektiven Studie untersuchen Begdache und ihre Kollegen aktuell die Assoziation zwischen Ernährungsqualität, Schlaf und saisonalen Veränderungen bei jungen Frauen und Männern.

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verfasst von am 13. Juli 2021 um 11:48

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