Sieben Vorsichtsmaßnahmen helfen, Fehlinformationen in den sozialen Medien zu entlarven

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 17. Februar 2022

Zum Thema Krebs, aber auch zu anderen Erkrankungen kursieren zahlreiche Fehlinformationen in den sozialen Medien. Karen Collins vom Amerikanischen Institut für Krebsforschung und ihre Kollegen haben Merkmale zusammengetragen, die auf Fehlinformationen in Tweets, Posts und Pins hinweisen.

  1. Sehen Sie sich den Verfasser des Beitrags an.
    Handelt es sich hierbei um eine vertrauenswürdige, wissenschaftlich fundierte Quelle – oder wird zumindest eine solche zitiert? Sehr aufschlussreich kann auch der Abschnitt „Über uns“ sein. Hier können Leser auf Informationen zur Motivation des Verfassers oder zur Finanzierung von Websites, Blogs und dergleichen stoßen.
  2. Werfen Sie einen Blick über den Tellerrand: Lesen Sie nicht nur die Überschrift, sondern auch den darauffolgenden Text!
    Schlagzeilen werden oftmals besonders gehypt, schließlich sind sie die Klick-Köder. Bevor Sie Schlussfolgerungen ziehen oder einen Beitrag teilen, sollten Sie ihn vollständig und kritisch gelesen haben. Achten Sie dabei darauf, ob der Beitrag sich mit einer Zellstudie oder einer Tierstudie befasst. Beides weist darauf hin, dass die Forschung sich noch in einem frühen Stadium befindet. Mengen eines Lebensmittels oder Nährstoffs aus einer Laborstudie lassen sich nicht unbedingt und ohne Einschränkungen auf den Menschen übertragen.
  3. Nutzen Sie einen Ordner oder ein Verzeichnis um Informationen zu sammeln und zu vergleichen!
    Oft neigen wir dazu, Beiträge in den sozialen Medien nur zu überfliegen. Dabei entgehen uns möglicherweise Hinweise auf falsche Informationen. Daher empfehlen die Experten, alles, was einem wichtig für die eigene Gesundheit erscheint, in einem Ordner oder virtuellen Verzeichnis zu sammeln. Diese Informationen können Sie dann lesen, prüfen und mit ähnlichen Artikeln vergleichen, wenn Sie mehr Zeit haben.
  4. Bei Worten wie „Wunder“ oder „Heilung“ sollten Sie besonders kritisch sein!
    In manchen Artikeln werden Fehlinformationen gezielt dazu eingesetzt, um extreme Maßnahmen oder bestimmte Produkte zu vermarkten. Wenn der Beitrag beispielsweise mit einem Nahrungsergänzungsmittel verlinkt ist, ist dies ein starkes Indiz dafür, dass er Fehlinformationen enthalten könnte.
  5. Achten Sie auf das Datum!
    Mitunter werden alte Artikel und Bilder jahrelang wiederverwendet oder weitergegeben. Die Wissenschaft entwickelt sich allerdings stetig weiter und diese Informationen könnten mittlerweile veraltet sein. Wenn Sie auf einen relativ alten Artikel über Ernährung und beispielsweise Krebs stoßen, sollten Sie dessen Inhalt anhand von aktuellen Informationen aus einer vertrauenswürdigen Quelle (zum Beispiel den Websites der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, des Krebsinformationsdienstes oder von Gesundheitsinformation.de) überprüfen.
  6. Glauben Sie nicht an Anekdoten!
    Anekdotische Behauptungen über den Erfolg von Wunderbehandlungen, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein, sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht so geschehen. Bei anekdotischen Erzählungen sollten Sie sich lieber auf die zugrunde liegende Forschung konzentrieren.
  7. Zu Risiken und Nebenwirkungen… sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt!
    Insbesondere für Krebspatienten und genesene ist es wichtig, über Informationen aus den Medien zu sprechen, bevor sie etwas auf eigene Faust konsumieren oder ausprobieren. Dies gilt auch, wenn der Tipp von Verwandten oder Freunden stammt. Möglicherweise ist er nicht korrekt oder nicht auf ihren speziellen Fall anwendbar.

„Wenn das, was Sie essen, wichtig genug ist, um Ihr Krebsrisiko zu beeinflussen – und dafür gibt es eindeutige Beweise -, dann sollten Sie das nicht auf die leichte Schulter nehmen und Quellen akzeptieren, die keine solide Darstellung der guten Wissenschaft liefern“, fügt Collins hinzu. Und sie hat noch einen Tipp parat: „Organisationen wie das Amerikanische Institut für Krebsforschung sind nicht nur wichtig für die Finanzierung von Qualitätsforschung, sondern auch für die Zusammenfassung von Erkenntnissen zu einem unvoreingenommenen Gesamtbild, dem die Öffentlichkeit und die Angehörigen der Gesundheitsberufe vertrauen können. Und wenn diese vertrauenswürdigen Quellen Erkenntnisse in den sozialen Medien teilen, lohnt es sich, darauf zu achten.“

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verfasst von am 17. Februar 2022 um 10:12

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