Alltagstauglich: Abnehmen im Betrieb

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 10. April 2013

„Tatort“ Betrieb – Betriebe bieten eine hohe Erreichbarkeit, soziale Unterstützung durch Kollegen und die Möglichkeit zur Gruppenintervention. Wie wirksam sind Programme zur Gewichtsreduktion, die hier ansetzen? In einer Pilot-Studie des Jean Mayer USDA Human Nutrition Research Center on Aging (HNRCA) erwies sich ein solcher Ausgangspunkt als sehr vielversprechend.

Kantine
© JuditK

An der Studie des HNRCA machten 133 Arbeitnehmer mit, die übergewichtig oder adipös waren. Je zwei Bostoner Firmen stellten das Umfeld für die Kontroll- oder die Interventionsgruppe. Die Intervention dauerte sechs Monate und verband Empfehlungen zu einer energiereduzierten, niedrig-glykämischen und ballaststoffreichen Ernährung mit einer Verhaltensberatung.

Vermittelt wurden die Inhalte von einem ausgebildeten Berater. Mit diesem trafen sich die Teilnehmer zunächst wöchentlich, dann alle zwei Wochen während der Mittagsmahlzeiten. Der Berater sprach an, wie eine Mahlzeit zu planen sei und wie Portionsgrößen kontrolliert werden können. Den Einkauf und die Zubereitung der Mahlzeiten übernahmen die Probanden selbst. Neben der Gestaltung der Mahlzeiten thematisierte der Berater auch den Umgang mit Hunger sowie stressbedingtes und emotionales Essen. Darüber hinaus unterstützte er die Teilnehmer individuell durch einen wöchentlichen E-Mail-Austausch.

89 Prozent der Probanden schlossen die Gewichtsreduktionsphase ab. Während die Interventionsgruppe acht Kilogramm verlor, nahm die Kontrollgruppe ein Kilogramm zu. Die Interventionsgruppe reduzierte nicht nur ihr Gewicht, sie konnte auch ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Blutdruck, Cholesterin) und Diabetes (Blutzuckerspiegel) senken. Studienleiter Sai Krupa führte den Erfolg der Intervention vor allem auf das zusätzliche Verhaltenstraining zurück. „Obwohl frühere Studien Gewichtsreduktionen im Betriebsumfeld fokussierten, (…) ist unser Ansatz nach unserem besten Wissen bisher einzigartig, weil er eine starke Verhaltenskomponente mit einschließt.“

Optional konnten die Teilnehmer bei einer zweiten Phase, der Gewichtserhaltungsphase, mitmachen, die weitere sechs Monate andauerte. Auch diese zweite Intervention zeigte Erfolge: Die 40 Probanden, die dabei mitmachen, blieben bei ihrem neuen, niedrigeren Gewicht.

Selbst nicht direkt Beteiligte konnten von dem Programm profitieren. „Wir haben uns darum bemüht, Arbeitnehmer zu erreichen, die nicht mitmachten, indem wir eine Serie von Newslettern erstellten und monatliche Seminare zu allgemeinen gesundheitsbasierten Themen wie Herzgesundheit, Kinderernährung und Sport abhielten„, sagt Susan Roberts, Co-Autorin der Studie.

„Um die Wirkung dieser parallelen Maßnahmen abzuschätzen, baten wir die Arbeiter aller vier Betriebe, die nicht an dem Programm teilnahmen, uns ihr Körpergewicht mitzuteilen, und wir stellten einen ermutigenden Welleneffekt fest“,
so Roberts weiter. Übergewichtige Angestellte in den Interventionsbetrieben nahmen bis zu 1,5 Kilogramm ab, berichtet sie, während die Angestellten in den Kontrollbetrieben hingegen um bis zu zwei Kilogramm zunahmen.

Studienleiter Das schließt: „Betriebe sind wirklich ein hervorragendes Umfeld für Abnehmgruppen. Mitarbeiter knüpfen Beziehungen und schaffen so automatisch ein System der Unterstützung und der Ermutigung.“ Außerdem falle kaum zusätzliche Zeit für das Gewichtsmanagement an, argumentiert er. Denn die Intervention könne quasi direkt in den Arbeitsalltag integriert werden. Die Studie wurde in der Zeitschrift American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.

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verfasst von am 10. April 2013 um 05:44

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Ein Kommentar zu “Alltagstauglich: Abnehmen im Betrieb”

  1. Anton sagt:

    Yep, als „Sesselfurzer“ bzw. Büroarbeiter ist man doch zum fett werden verdammt so oder so. Stress lässt dich essen ohne ende und für sport belibt wegen Überstunden keine Zeit. Und Diäten heflen ja auch nicht, wenn man solchen Beiträgen glauben schenkt: http://www.rtl.de/cms/ratgeber/diaeten-im-test-welche-methode-funktioniert-wirklich-2c682-3902-84-1435273.html Deshalb spiele ich schon länger mit den Gedanken meinen Burnout-Bürojob an den Nagel zu hängen und Gärtner zu werden. Das wollte ich schon lange, hab mich aber nie getraut, weil weniger Geld etc. Aber was man da an Nerven spart, ist in Geld nicht aufzuwiegen! Und man bewegt sich mehr und bekommt vermutlich nicht mit 40 einen Herzschlag wegen Fettleibigkeit …

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