Achtung: Höhere Schwermetallaufnahme bei glutenfreier Ernährung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 6. April 2018

Laut einer Auswertung der renommierten US-amerikanischen NHANES-Studie haben Menschen, die sich glutenfrei ernähren, höhere Blut-/Urinwerte von Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen als die Vergleichsgruppe ohne Gluteneinschränkung. Die langfristigen Folgen dieser erhöhten Exposition sind derzeit nicht absehbar.

Vor kurzem warnte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor den Folgen einer ärztlich nicht indizierten glutenfreien Ernährung. Abgesehen von den erhöhten Kosten glutenfreier Lebensmittel kann das Vermeiden von Gluten zu einer Veränderung der Energieaufnahme und Nährstoffzusammensetzung der Ernährung führen, da viele glutenfreie Lebensmittel mehr Fett, aber weniger Ballaststoffe, B-Vitamine, Magnesium, Zink und Eisen enthalten, so die DGE.

Wissenschaftler um Stephanie L. Raehsler von der Mayo Clinic in Rochester (USA) verglichen nun die Schwermetallaufnahme von Menschen, die sich glutenfrei ernährten, mit einer Kontrollgruppe. Hierfür verwendeten die Wissenschaftler Ernährungsdaten von 11.354 Probanden, die zwischen 2009 und 2012 an der bevölkerungsbasierten, national repräsentativen NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Study) teilgenommen hatten. Von den 115 Probanden (1 Prozent), die sich glutenfrei ernährten, hatte lediglich jeder Zehnte (11 Probanden) eine ärztlich diagnostizierte Zöliakie. Bei allen Probanden wurden die Konzentrationen von Quecksilber, Blei und Cadmium im Blutserum bestimmt. Für eine Subgruppe der Probanden lagen zusätzlich Daten zum Arsengehalt im Urin vor (32 Probanden mit vs. 3.901 Probanden ohne glutenfreie Diät). Mit Hilfe statistischer Methoden verglichen die Wissenschaftler die Blut- und Urinkonzentrationen der Probanden mit und ohne glutenfreie Diät, wobei sie teilweise auch Störfaktoren wie Unterschiede im Alter und Geschlecht, der ethnischen Herkunft und dem Rauchverhalten berücksichtigten.

Laut den Ergebnissen der aktuellen Studie hatten Menschen, die sich glutenfrei ernähren, höhere Quecksilber- (1,37 vs. 0,93 µg/l), Blei- (1,42 vs. 1,13 µg/l) und Cadmiumwerte (0,42 vs. 0,34 µg/l) im Blut und mehr Arsen im Urin (15,2 vs. 8,4 µg/l) als Menschen der Vergleichsgruppe, die glutenhaltige Lebensmittel verzehrten. Unter den Probanden mit glutenfreier Ernährung gab es kaum Unterschiede zwischen jenen, die sich aufgrund ihrer Zöliakie glutenfrei ernährten und jenen, die sich aus anderen Gründen dafür entschieden hatten. Dies lässt darauf schließen, dass die erhöhten Schwermetallkonzentrationen auf andere Faktoren (beispielsweise die Ernährung/Lebensmittelauswahl) zurückzuführen sind und nicht mit der Zöliakie zusammenhängen.

Erklärungsansätze

Die erhöhten Quecksilberwerte ließen sich hauptsächlich auf Unterschiede im Fischkonsum zurückführen. So war die Blut-Quecksilberkonzentration der Probanden, die sich glutenfrei ernährten und Fisch verzehrten, deutlich erhöht. Dagegen war der Quecksilberwert der Probanden, die sich zwar glutenfrei ernährten, aber keinen Fisch verzehrten, auf einem ähnlichen Niveau wie bei der Vergleichsgruppe ohne Gluteneinschränkung. Die unterschiedliche Cadmiumkonzentration führen die Wissenschaftler auf den Tabakkonsum der Probanden zurück. Unabhängig von ihrer Ernährung hatten Raucher dreimal höhere Cadmiumwerte als Nichtraucher. Die Unterschiede im Arsenspiegel sind womöglich das Resultat eines höheren Reiskonsums der Probanden mit glutenfreier Ernährung. Diese Vermutung ließ sich anhand der NHANES-Daten allerdings nicht überprüfen. Für den Fall, dass durch die glutenfreie Ernährung weniger Protein aufgenommen wird, ließen sich die höheren Schwermetallwerte im Blutserum zumindest zum Teil auch dadurch erklären. Denn insbesondere die schwefelhaltigen Proteinbausteine (Aminosäuren) können Schwermetalle binden, sodass ein Mangel dieser Verbindungen zu erhöhten Werten an freien Schwermetallen führt.

Verglichen mit den aktuellen US-amerikanischen Grenzwerten für den Gehalt an Schwermetallen im Blut/Urin lagen die Serumwerte von Quecksilber, Blei und Cadmium aller Probanden unterhalb der entsprechenden Grenzwerte und nur zwei Probanden mit glutenfreier Ernährung überschritten den Arsen-Grenzwert. Ob die mit der glutenfreien Ernährung einhergehende erhöhte Schwermetallbelastung dennoch langfristige gesundheitliche Risiken birgt, ist derzeit wissenschaftlich nicht geklärt.

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verfasst von am 6. April 2018 um 06:27

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3 Kommentare zu “Achtung: Höhere Schwermetallaufnahme bei glutenfreier Ernährung”

  1. Stefan Laub sagt:

    Liebe Redaktion,

    der reißerische Aufmacher soll sicher abhalten von einer Exklusion von Gluten haltigen NM. Wer dazu mal gezwungen war, dies aus verschieden gesundheitlichen Defiziten wie z.B. Reisdarm, Allergie, Umweltvergiftung etc., kennt den alternativen Speiseplan. Dazu gehören Reis und Fisch, als auch Eier vornehmlich. Wer dann mal die Blutwerte bestimmen ließ , konnte mitunter lesen:
    Quecksilber erhöht
    Arsen erhöht
    Ich würde mir zu diesem Thema im Artikel mehr Sachlichkeit und Aufklärung wünschen, da es weit mehr als ein „Trend“ ist, bestimmte sogenannte Lebensmittel auszulassen, wenn auch nur temporär.
    Eine Unterstützung in der Ernährungskultur, als antientzündliche Ernährung, sollte durchaus in den Fokus der breiten Masse rücken. Die Zahl der Betroffenen wird ansteigen.

    Mitfreundlichen Grüßen
    Stefan Laub

    • Dr. oec. troph. Christina Bächle sagt:

      Sehr geehrter Herr Laubereau,

      vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Bei der Auswahl unserer Themen und der Verfassung der Blogbeiträge legen wir großen Wert auf eine sachliche Darstellung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse. Dies gilt auch für den von Ihnen angesprochenen Glutenartikel.

      Gluten wird immer wieder als Auslöser für Entzündungsprozesse im Körper aufgeführt, belegt wurde dies allerdings bislang nur für Menschen, die an einer Zöliakie oder Glutenallergie leiden.

      In Bezug auf die Ernährung möchten wir zwischen einer Dauerkost und einer vorübergehend eingeschränkten Nahrungsmittelauswahl (z.B. aufgrund einer akuten Erkrankung, im Rahmen einer Allergiesuchkost etc.) unterscheiden. Wird nur vorübergehend auf Gluten verzichtet und dafür mehr Reis, Fisch etc. verzehrt, ist wahrscheinlich nicht mit negativen Wirkungen zu rechnen. Die Folgen eines dauerhaften Verzichts auf glutenhaltige Lebensmittel (ohne entsprechende Diagnose), kann dagegen mehr schaden als nützen – nicht nur wegen der erhöhten Aufnahme von Schwermetallen, sondern auch wegen des erhöhten Fettgehalts und des geringeren Ballaststoffgehalts (und damit einhergehenden erhöhten Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) glutenfreier Lebensmittel – mal abgesehen von den höheren Kosten… Über eine entsprechende Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung haben wir ebenfalls vor kurzem berichtet (http://www.ernaehrung.de/blog/deutsche-gesellschaft-fuer-ernaehrung-warnt-frei-von-lebensmittel-sind-nur-bei-bestimmten-lebensmittelunvertraeglichkeiten-sinnvoll/)

      Mit freundlichen Grüßen,

      Ihre Debinet-Redaktion

  2. Andy sagt:

    Ich bin der Meinung, dass diese Aussage der Überschrift einen nicht zulässigen Schluss zieht. Denn wenn man sich glutenfrei ernährt, bedeutet das ja nicht, dass man zwangsläufig mehr Nahrungsmittel zu sich nimmt, die Schwermetalle enthalten, wie Fisch. Das ist ja die eigene Wahl.
    Auch Reis muss ja nicht gegessen werden. Es gibt genug glutenfreie Getreidealternativen wie Hirse, Buchweizen usw. Und wo ist dabei der geringere Ballaststoffgehalt? Diese Sorten enthalten überhaupt Ballasstoffe im Gegensatz zu dem Auszugsmehl aus Weizen oder Roggen, was in der Regel bei glutenhaltiger Nahrung verzehrt wird.
    Es geht wie in allen Ernährungsrichtungen darum, dass man sich eine gesunde und ausgewogene Ernährung sucht und das hat oft mit Wissen / informiert sein zu tun, was bei vielen Verbrauchern eher fehlt. Darauf folgt dann eine einseitige und oft nicht ausgewogene und gesunder Ernährung.
    Das treffen wir häufig auch bei Veganer und Vegetarieren an. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Ernährungsformen Nachteile mit sich bringen (im Gegenteil) wenn man sich gut umsetzt.

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