Adipositas-Leitlinie aktualisiert

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Donnerstag, 10. Juli 2014

Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) hat in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften ihre  Leitlinie zur „PrĂ€vention und Therapie der Adipositas“ aktualisiert. Akteure aus dem Gesundheitswesen und der Gesundheitspolitik finden darin spezifische Informationen und evidenzbasierte Empfehlungen fĂŒr die PrĂ€vention und Therapie der Erkrankung.

Treppensteigen

© laverrue

Obwohl Adipositas schon seit lĂ€ngerem als Zivilisations- oder Volkskrankheit bezeichnet wird, war die Krankheit bis dato ĂŒberhaupt nicht als Krankheit definiert. Mit der Veröffentlichung der neuen Leitlinie ist die Erkrankung nun offiziell als Krankheit anerkannt – ein Schritt, der fĂŒr den PrĂ€sidenten der DAG, Prof. Dr. med. Martin Wabitsch, â€žĂŒberfĂ€llig und wegweisend“ ist. ZukĂŒnftig können nicht nur die Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit, sondern auch die Adipositas an sich als Kassenleistung therapiert werden. „Dies wird hoffentlich auch dazu beitragen, der weitverbreiteten Stigmatisierung Übergewichtiger im Alltag entgegen zu wirken“, hofft Wabitsch.



Therapie ja, aber richtig

Die Leitlinie „rĂ€umt mit einigen falschen Vorstellungen und Empfehlungen auf, die fast tĂ€glich in den Medien kursieren und Menschen mit Übergewicht verwirren“, fasst Wabitsch die Bedeutung der zweiten Auflage der Leitlinie fĂŒr Menschen mit Adipositas zusammen.

Wichtige Eckpunkte der Leitlinie zur Adipositastherapie sind

  • die Aufhebung der Fixierung auf bestimmte HauptnĂ€hrstoffe in der Reduktionskost: FĂŒr eine nachhaltige Gewichtsreduktion ist es von untergeordneter Bedeutung, ob auf Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß geachtet wird – entscheidend ist, dass Energie eingespart wird (empfohlen wird ein Energiedefizit von 500 Kalorien pro Tag) und dass die Vorlieben, Erfahrungen, Kenntnisse und StĂ€rken des Abnehmwilligen fĂŒr die Adipositastherapie genutzt werden.
  • das Angebot einer hĂ€ufigen und strukturierten ErnĂ€hrungsberatung durch geschultes Fachpersonal,
  • die BerĂŒcksichtigung neuer Erkenntnisse in der Verhaltenstherapie,
  • neue Zielvorstellungen in der Adipositastherapie: Die Formulierung der Therapieziele sollen zukĂŒnftig individuell fĂŒr jeden Patienten erfolgen. Außerdem wird die Bedeutung der Gewichtsstabilisierung hervorgehoben,
  • körperliche AktivitĂ€t als elementarer Bestandteil fĂŒr Maßnahmen zur Gewichtsreduktion und -stabilisierung,
  • die Beschreibung von Zielgruppen fĂŒr kommerzielle Gewichtsreduktionsprogramme, wobei auch die zu erwartende Gewichtsabnahme durch diese Programme aufgefĂŒhrt wird,
  • Die Beschreibung der Voraussetzungen fĂŒr eine chirurgische Therapie und die Betonung der Bedeutung einer lebenslangen interdisziplinĂ€ren Nachsorge im Anschluss an den Eingriff.

 

Vorbeugen ist besser als Heilen

Getreu dem Motto „vorbeugen ist besser als heilen“ sind in der Leitlinie auch Empfehlungen zur Vorbeugung von Übergewicht zu finden. Bisher beziehen sich die Empfehlungen ausschließlich auf das eigene Verhalten: Es wird empfohlen, sich regelmĂ€ĂŸig körperlich zu betĂ€tigen, bedarfsgerecht zu ernĂ€hren und das Körpergewicht regelmĂ€ĂŸig zu kontrollieren.

Zukunftsperspektiven

Doch ein wichtiges Thema im Bereich der PrĂ€vention fehlt noch: ZukĂŒnftig sollen auch gĂŒnstige Rahmenbedingungen fĂŒr ein erfolgreiches Gewichtsmanagement mit in die Leitlinie aufgenommen werden, kĂŒndigt der Koordinator und Leitlinienbeauftrage der DAG, Prof. Dr. med. Alfred Wirth, an: „Die Leitlinie geht nicht auf verhĂ€ltnisprĂ€ventive Aspekte der AdipositasprĂ€vention und explizit nicht auf die gesundheitspolitische Verantwortung des Staates zur Schaffung eines gesundheitsfördernden Lebensumfeldes ein. Diese Aspekte mussten bei einer nĂ€chsten Überarbeitung berĂŒcksichtigt werden.“

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verfasst von am 10. Juli 2014 um 06:20

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Ein Kommentar zu “Adipositas-Leitlinie aktualisiert”

  1. Doris sagt:

    Was den meisten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Adipositas fehlt ist die Motivation von anderen. Deswegen finde ich acuh das Plakat im Artikel eine gute Motivation, die man auch echt umsetzen sollte.

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