Adipositas und Essverhalten: (auch) eine Frage der Gene?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 5. November 2020

Genetisch vorbelasteten Menschen f√§llt es schwerer, ihr Gewicht zu halten. In einer Zwillingsstudie konnten Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte genetisch determinierte Verhaltensmuster tats√§chlich das Essverhalten beeinflussen. Dies gilt insbesondere f√ľr das unkontrollierte Snacken zwischen den Mahlzeiten.

Gene, die mit einer Pr√§disposition f√ľr Adipositas in Verbindung gebracht werden, werden besonders h√§ufig im Gehirn abgelesen (exprimiert). Diese f√ľhrt zu der Vermutung, dass diese Gene √ľber die Steuerung des Essverhaltens das K√∂rpergewicht beeinflussen, Gemeinsam mit ihren Kollegen hat die Ern√§hrungsepidemiologin Dr. Leonie Helen Bogl von der Medizinischen Universit√§t Wien untersucht, inwieweit genetische Pr√§dispositionen eine Rolle bei der Ausbildung von Essgewohnheiten spielen. F√ľr ihre Studie standen ihnen Daten einer fortlaufenden Kohortenstudie mit 3.977 Zwillingen im Alter von 31 bis 37 Jahren aus Finnland zur Verf√ľgung. Ein Drittel der Zwillinge war eineiig. Alle Probanden, die etwa zur H√§lfte Frauen waren (56 Prozent), beantworteten Fragen zu ihrem Essverhalten, Ern√§hrungsqualit√§t, Gr√∂√üe und Gewicht. Au√üerdem konnten die Wissenschaftler auf Informationen zur genetischen Veranlagung von 1.055 Zwillingen f√ľr die Auswertungen zur√ľckgreifen.

Bei ihren Auswertungen erweiterten die Wissenschaftler Methoden der klassischen Zwillingsforschung um Erkenntnisse aus genomweiten Assoziationsstudien. Auf diese Weise lie√üen sich nicht nur genetische und umweltbedingte Einflussfaktoren auf das Essverhalten unterscheiden, sondern auch die Bedeutung aller bekannten, mit √úbergewicht assoziierten Genvarianten f√ľr das Ern√§hrungsverhalten ermitteln.

Bogl und ihre Kollegen identifizierten vier Verhaltensmuster, bei denen die eineiigen Zwillingsp√§rchen sich deutlich √§hnlicher waren als ihre zweieiigen Counterparts. Zu diesen teilweise erblich bedingten Verhaltensmustern z√§hlen „Snacking“, „unregelm√§√üiges und ungesundes Essen“, „restriktives Essen“ sowie das „emotionale Essverhalten“. Au√üerdem best√§tigte sich ihr Verdacht, dass genetische Risikofaktoren das Gewicht beeinflussen, indem sie das Essverhalten steuern. Dies galt insbesondere f√ľr das Verhaltensmuster „Snacking“, das durch „√úberessen“ beziehungsweise „nicht aufh√∂ren k√∂nnen“ sowie das Naschen zwischen den Mahlzeiten und abends charakterisiert wird.

Die Forscher folgern aus ihren Ergebnissen, dass Menschen mit einer entsprechenden genetischen Pr√§disposition es deutlich schwerer haben ihr Gewicht zu halten als andere ohne diese Veranlagung. Ans√§tze zur Pr√§vention von √úbergewicht sollten daher ‚Äď insbesondere bei Menschen mit einem entsprechenden genetischen Risikoprofil ‚Äď auch auf eine √Ąnderung der Essgewohnheiten abzielen. „Diese Ergebnisse sollen nicht entmutigen, sondern aufzeigen, warum es manche Menschen schwerer haben ihr Gewicht zu halten als andere“, erl√§utert Bogl. „Keinesfalls sind Gene aber deterministisch. Unsere Gene haben sich √ľber Generationen hinweg kaum bis gar nicht ver√§ndert, und dennoch gibt es in Europa immer mehr Menschen mit √úbergewicht und Adipositas. Mit einer ausgewogenen Ern√§hrung, k√∂rperlicher Bewegung sowie mit ausreichend Schlaf kann man gegen die Genetik ank√§mpfen.“

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verfasst von am 5. November 2020 um 11:30

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