Alkoholmissbrauch und Bulimie

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Ein Problem kommt selten allein

Menschen, die zu einer Alkoholsucht neigen, haben häufiger auch einen Hang zu einem gestörten Essverhalten und umgekehrt. Beide Erkrankungen gehen zum Teil auf eine genetische Veranlagung zurück. Sind die gleichen Gene dafür verantwortlich, dass eine Alkoholsucht und bestimmte Essstörungen gehäuft zusammen auftreten?

Alkoholische Getränke kurmanstaff
© kurmanstaff

Wissenschaftler um Melissa Munn-Chernoff von der Washington University School of Medicine in St. Louis prüften anhand der Daten von 5.993 australischen Zwillingen, ob sich eine Alkoholsucht und bestimmte Essstörungs-Symptome auf die gleichen Gene zurückführen lassen. Sie verglichen dazu Daten von eineiigen Zwillingen mit jenen von zweieiigen Zwillingen. In beiden Fällen liegen die gleichen Umweltbedingungen vor. Nur bei den eineiigen Zwillingen jedoch stimmen auch die Gene zu 100 Prozent überein.

„Indem wir die Resultate von eineiigen und zweieiigen Zwillingen miteinander vergleichen, können wir Einschätzungen dazu vornehmen, inwieweit Unterschiede bei den betrachteten Merkmalen auf die Gene oder die Umwelt zurückzuführen sind“, erklärt Munn-Chernoff. „Wir haben herausgefunden, dass einige Gene, die eine Alkoholabhängigkeit beeinflussen, ebenfalls ein Binge Eating bei Männern oder Frauen mitbedingen.“

Von den Erwachsenen waren fast ein Viertel der Männer und sechs Prozent der Frauen zu irgendeinem Zeitpunkt alkoholabhängig. Fast elf Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen hatten Binge-Eating-Symptome. 14 Prozent der Frauen hatten zwei oder mehr Purging-Taktiken angewendet – Männer wurden nicht zu Purging befragt.

Munn-Chernoff und Team berechneten für den genetischen Zusammenhang zwischen Binge Eating und Alkoholsucht eine Größe von 26 Prozent. Zwischen Purging, für das nur für Frauen Werte vorlagen und einer Alkoholabhängigkeit berechneten sie einen genetischen Zusammenhang von 32 Prozent. Auch wenn die Forscher gemeinsame genetische Risikofaktoren für Alkoholismus und Binging oder Purging feststellten, liegen die genauen genetischen Ursprünge dafür bisher noch im Unklaren.

Eine Alkoholsucht und einige Beschwerden einer Essstörung könnten demnach häufiger gemeinsam auftreten, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, sagt Munn-Chernoff. Eine Untersuchung auf die jeweils andere Erkrankung beim Vorliegen einer dieser beiden Beeinträchtigungen hält sie für ratsam. „Wenn medizinische Zentren um diese Zusammenhänge wüssten und vielleicht beide Probleme gleichzeitig behandeln würden, wäre das eine große Hilfe“, meint sie.

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verfasst von am 31. Oktober 2013 um 07:33

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Ein Kommentar zu “Alkoholmissbrauch und Bulimie”

  1. Ich denke, dass süchtige Menschen generell zu Suchtverlagerungen bzw. mehreren Süchten neigen. Sei dies nun Gen-, Umwelt, Charakter- oder sonst wie bestimmt. Eine gute Therapie hilft bei der Erkennung der Ursachen. Und wer sich damit auseinandersetzt, sich versteht und verzeiht und step by step eine andere „Überlebensstrategie“ lernt, ist in der Lage, ohne Süchte zu leben.

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