Am Wochenende: Essen mit Jetlag

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 21. Februar 2020

Immer mal wieder gesellt sich ein neuer Risikofaktor zu den bereits bekannten Verursachern von Übergewicht und Adipositas. Hierzu zählen beispielsweise der Zeitpunkt der Mahlzeiten, die Mahlzeitengröße oder deren Zusammensetzung. Neu hinzugekommen ist der Essens-Jetlag. Was verbirgt sich hinter der Wortneuschöpfung?

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche gehen viele das Wochenende gerne gem√ľtlich an, mit Ausschlafen und einem versp√§teten Fr√ľhst√ľck. M√∂glicherweise verschieben sich auch die anderen Mahlzeiten. Unter dem Begriff „Essens-Jetlag“ verstehen Prof. Maria Izquierdo-Pulido und Dr. Trinitat Cambras von der Universit√§t Barcelona den Unterschied zwischen dem Zeitpunkt von Mahlzeiten an Wochenenden versus Arbeitstagen.

In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler belegen, dass aufgenommene Kalorien vom K√∂rper je nach Tageszeit unterschiedlich verstoffwechselt werden. „Dieser Unterschied h√§ngt mit unserer biologischen Uhr zusammen, die unseren K√∂rper so organisiert, dass er die w√§hrend des Tages verbrauchten Kalorien versteht und umsetzt“, erl√§utert Doktorandin Maria Izquierdo Pulido. Nachts jedoch bereite sich der K√∂rper auf die Fastenperiode w√§hrend des Schlafs vor. „Die Tageszeituhr stellt sicher, dass bei regelm√§√üiger Nahrungsaufnahme die Stoffwechselwege des K√∂rpers die N√§hrstoffe verarbeiten. Wenn das Essen jedoch zu einer ungew√∂hnlichen Stunde eingenommen wird, k√∂nnen N√§hrstoffe auf die molekulare Maschinerie peripherer Uhren (au√üerhalb des Gehirns) einwirken, den Zeitplan √§ndern und so die Stoffwechselfunktionen des K√∂rpers ver√§ndern“, f√§hrt Izquierdo Pulido fort.

Der Mensch (oder zumindest der menschliche K√∂rper) ist demnach in Bezug auf das Timing von Mahlzeiten ein Gewohnheitstier. Doch was sind die Folgen eines Essens-Jetlags? Mit dieser Frage besch√§ftigte sich das Forscherteam um Prof. Maria Izquierdo-Pulido, Dr. Trinitat Cambras und Maria Izquierdo Pulido. Sie verglichen die Essenszeiten von 1.106 jungen Erwachsenen unter der Woche und am Wochenende und analysierten den Zusammenhang zum BMI (Body-Mass-Index, K√∂rpermasseindex), wobei sie Unterschiede in der Ern√§hrungsqualit√§t der Probanden, der k√∂rperlichen Aktivit√§t, den Schlafenzeiten und der Veranlagung zum Langschl√§fer oder Fr√ľhaufsteher herausrechneten.

Bei ihrer Auswertung stellten sie fest, dass der Fr√ľhst√ľcks-Jetlag der Probanden mit durchschnittlich zwei Stunden am st√§rksten ausgepr√§gt war. Das Mittagessen wurde im Mittel knapp eine Stunde sp√§ter verzehrt, beim Abendessen betrug die Verschiebung lediglich eine halbe Stunde. Probanden, die am Wochenende ihre drei Hauptmahlzeiten zu anderen Zeiten zu sich nahmen als unter der Woche, hatten einen h√∂heren BMI und damit ein h√∂heres Risiko f√ľr √úbergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Allerdings stieg der BMI erst ab einer Verschiebung von 3,5 Stunden und mehr deutlich an.

„Unsere biologische Uhr funktioniert wie eine Maschine, die bereit ist, die gleiche physiologische und metabolische Reaktion an jedem Wochentag zur gleichen Tageszeit abzurufen“, erl√§utert Dr. Cambras. „Feste Ess- und Schlafpl√§ne helfen dem K√∂rper, sich zu organisieren und die Energiehom√∂ostase zu f√∂rdern. Menschen mit einer st√§rkeren Ver√§nderung ihres Zeitplans haben daher ein h√∂heres Risiko f√ľr Fettleibigkeit.“

Bislang sind die zugrunde liegenden Mechanismen und Stoffwechselver√§nderungen infolge eines Essens-Jetlags sowie langfristige Auswirkungen nicht bekannt. Dennoch weisen die Autoren auf die Bedeutung regelm√§√üiger Essens- und Schlafzeiten f√ľr die Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden hin. Die Ergebnisse dieser Studie sollten allerdings nicht dazu f√ľhren, sich das wohlverdiente Ausschlafen am Wochenende zu verbieten. Vielmehr kann das Einhalten fester Essenszeiten Menschen, die zu √úbergewicht neigen oder bereits √ľbergewichtig sind, helfen, ihr Gewicht besser zu kontrollieren.

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verfasst von am 21. Februar 2020 um 07:30

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