Anzahl j√ľngerer Menschen mit Darmkrebs steigt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 12. November 2019

In den meisten F√§llen erkranken Menschen erst im fortgeschrittenen Alter an Krebs. Dies trifft auch auf Darmkrebs, die zweith√§ufigste Krebsart in Deutschland, zu. Jeder zweite Patient ist bei der Diagnose von Darmkrebs √ľber 70 Jahre alt. – Noch. Denn das Altersmuster verschiebt sich in Deutschland und in vielen anderen L√§ndern, wie eine aktuelle globale Analyse zeigt.

Bislang fehlte ein weltweiter Vergleich. Wissenschaftler der amerikanischen Krebsgesellschaft und einige Kollegen haben nun in einer Studie die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate (Inzidenz) von 20- bis 49-J√§hrigen und √ľber 50-J√§hrigen aus 42 L√§ndern auf f√ľnf Kontinenten miteinander verglichen sowie einen Zehnjahrestrend gesch√§tzt. F√ľr den Inzidenzvergleich griffen die Wissenschaftler auf die Datenbank der Internationalen Krebsforschungsgesellschaft (IARC) zur√ľck, die die Informationen verschiedener nationaler und regionaler Krebsregister b√ľndelt.

Die Spanne der Darmkrebsneuerkrankungen bei den 20- bis 49-J√§hrigen lag im Untersuchungszeitraum 2008 bis 2012 zwischen 3,5 Erkrankten pro 100.000 Personen in Chennai (Indien) und 12,9 Erkrankten pro 100.000 Personen in S√ľdkorea. Deutschland befand sich mit einer Inzidenz von 7,7 F√§llen pro 100.000 Personen im oberen Mittelfeld. Bei den √ľber 50-J√§hrigen wurden in Indien mit 27,5 Erkrankten pro 100.000 Personen ebenfalls die geringste Darmkrebsinzidenz dokumentiert, in der Slowakei war die Inzidenz in dieser Altersklasse dagegen mit 192,5 Neuerkrankten pro 100.000 Personen am h√∂chsten.

F√ľr 36 L√§nder lagen kontinuierliche Daten √ľber den Zeitraum von 2003 bis 2012 vor, sodass die Wissenschaftler einen 10-Jahres-Trend berechnen konnten. W√§hrend die Neuerkrankungsrate an Darmkrebs bei √ľber 50-J√§hrigen in allen L√§ndern r√ľckl√§ufig war oder stabil blieb, zeichnete sich bei den J√ľngeren ein anderes Bild ab: Zwar blieb die Inzidenz in 14 der 36 L√§nder in etwa gleich, aber nur in √Ėsterreich, Italien und Litauen nahm sie ab. In den verbleibenden 19 L√§ndern, unter denen auch Deutschland war, stieg sie an. Dies ist besonders merkw√ľrdig, da in der H√§lfte dieser L√§nder die Inzidenz der √ľber 50-J√§hrigen im selben Zeitraum zur√ľckging. Unter den L√§ndern mit zunehmender Erkrankungsrate bei den J√ľngeren waren neben Deutschland noch weitere stark industrialisierte Staaten mit hohem Einkommen wie beispielsweise Australien, D√§nemark und Kanada. Eigentlich paradox, da angesichts der guten medizinischen Versorgung und Vorsorge doch eigentlich eher ein R√ľckgang zu erwarten w√§re, analog zu den sinkenden Zahlen in der √§lteren Generation.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der westliche Lebensstil mit seiner ungesunden Ern√§hrung, Bewegungsmangel und √úbergewicht gemeinsam mit einem fr√ľheren Kontakt mit Karzinogenen1 an dieser Entwicklung schuld sind. In fr√ľheren Studien waren ein hoher Fleischkonsum und der Verzehr von Fast Food, Fertiggerichten und anderen stark verarbeiteten Lebensmitteln mit einer schlechteren Darmgesundheit assoziiert – insbesondere dann, wenn diese anstelle von frischen Lebensmitteln mit ihren nat√ľrlichen Vitaminen, Antioxidantien und Ballaststoffen gegessen wurden. Ursache f√ľr den r√ľckl√§ufigen Trend in der √§lteren Generation k√∂nnten routinem√§√üige Vorsorgeuntersuchungen sein.

Quellen einblenden

1 krebsauslösende Substanz, Strahlung oder Organismus

verfasst von am 12. November 2019 um 07:27

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