Augen zu! Wie der Seheindruck das Essverhalten beeinflusst

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 26. April 2016

Der Volksmund weiß es seit langem: Das Auge isst mit! Wissenschaftler der Universität Konstanz werden dem sicher zustimmen. Denn in ihrer Studie stellten sie deutliche Unterschiede im Essverhalten von Probanden, die ihr Essen sehen konnten, und Probanden, die mit geschlossenen Augen probierten, fest.

An der Studie nahmen insgesamt 90 normalgewichtige junge Erwachsene teil. Um Verfälschungen der Studienergebnisse zu vermeiden, gaben die Wissenschaftler vor, das Ziel der Studie bestünde primär in einem Geschmackstest von drei Eisbechern verschiedener Geschmacksrichtungen. 50 Probanden sollten diese Eisbecher bewerten, nachdem sie eine undurchsichtige Skibrille aufgesetzt hatten. Die verbleibenden 40 Probanden testeten mit geöffneten Augen. Alle Teilnehmer durften selbst entscheiden, wie viel Eis sie jeweils aßen. Während der Verkostung beantworteten die Probanden nicht nur Fragen zum Geschmack des Eises, sondern auch zu ihrer Kaufabsicht und zu der ihrer Meinung nach verzehrten Menge.

Wie aus der Auswertung hervorging aßen die „blinden“ Testpersonen insgesamt neun Prozent weniger Eis – vielleicht auch deshalb, weil ihnen das Eis weniger gut schmeckte als den Personen, die sahen, was sie aßen. Interessanterweise überschätzten aber gerade die „blinden“ Personen ihren Eiskonsum deutlich. Die von ihnen geschätzte Eismenge war mit 188 Prozent fast doppelt so hoch wie die tatsächlich verzehrte Portion, während die Kontrollgruppe ihren Eiskonsum lediglich um gut ein Drittel (35 Prozent) überschätzte. Übereinstimmend mit der geschmacklichen Bewertung war das Interesse der „blinden“ Personen, das verkostete Eis später einmal zu kaufen, deutlich geringer.

Unsere Studie zeigt, dass das Ausschalten visueller Signale die Einstellung zum Essen und das Essverhalten in mehrerer Hinsicht verändert“, schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift „Food Quality and Preference„. Sie vermuten, dass die Blindheit das Esserlebnis intensiviert und damit zu einer vorzeitigen Sättigung geführt haben könnte. Bei der Interpretation der Ergebnisse müsse aber berücksichtigt werden, dass der Anblick des Eises den Speichelfluss und die Magensäureproduktion angeregt haben könnte, was sich wiederum auf die Appetitregulation auswirken kann, erläutern die Wissenschaftler. Obwohl sie auf ein Cross-over-Studiendesign verzichtet haben, bei dem alle Probanden das Eis mit und ohne geschlossene Augen getestet hätten, gehen sie nach ihrer Studie davon aus, dass visuelle Signale das Essverhalten beeinflussen. Ob sich daraus allerdings zukünftig eine Methode entwickeln lässt, mit der Übergewichtige ihre Nahrungszufuhr verringern könnten, sei bislang ungewiss.

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verfasst von am 26. April 2016 um 06:08

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