„Baby-led Weaning“: Fingerfood f√ľr die Kleinsten

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 26. März 2015

„Baby-led Weaning“ (w√∂rtlich: vom Baby gef√ľhrtes Zuf√ľttern) ist eine Alternative zur klassischen Beikosteinf√ľhrung in Form vom Brei. Das Kind entscheidet selbst, was und wie viel es essen m√∂chte. „Baby-led Weaning“ f√∂rdert die motorischen F√§higkeiten des Kindes, denn das Kind f√ľttert sich ab dem Beginn der Beikostaufnahme selbst.

Mit¬†„Baby-led Weaning“ kann ab einem Alter von sechs Monaten begonnen werden, vorausgesetzt, das Kind ist in der Lage aufrecht zu sitzen, nach Gegenst√§nden zu greifen und diese zum Mund zu f√ľhren. Eltern, die sich auf¬†„Baby-led Weaning“ einlassen m√∂chten, sollten folgende Grundregeln¬† beachten:

  • Bieten Sie Ihrem Baby die M√∂glichkeit teilzunehmen, wenn ein anderes Familienmitglied isst. Sie k√∂nnen damit beginnen, sobald das Baby ein Interesse zeigt, Ihnen beim Essen zuzusehen, obwohl es unwahrscheinlich ist, dass es bereit ist, Essen in den Mund zu nehmen, bevor es sechs Monate alt ist.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby in einer aufrechten Position gehalten wird, solange es mit Essen experimentiert. W√§hrend der ersten Zeit k√∂nnen Sie es mit dem Gesicht zum Tisch auf den Scho√ü nehmen. Wenn es beginnt, Essen zu greifen, wird es wahrscheinlich auch reif genug sein, mit minimaler Unterst√ľtzung im Hochstuhl zu sitzen.
  • Fangen Sie damit an, dass Sie dem Baby Essen anbieten, das die Form von Pommes (also einen „Griff„) hat. Soweit m√∂glich, und wenn sie geeignet sind, bieten Sie Ihrem Baby die gleichen Nahrungsmittel an, die Sie auch essen, sodass es das Gef√ľhl hat, dazu zu geh√∂ren.
  • Bieten Sie unterschiedliche Nahrungsmittel an. Es ist nicht n√∂tig, die Erfahrungen Ihres Babys mit dem Essen mehr einzuschr√§nken als die, die es mit Spielzeug macht.
  • Treiben Sie Ihr Baby nicht an. Erlauben Sie ihm sein eigenes Tempo. Versuchen sie nicht, ihm zu „helfen“, indem Sie ihm Essen in den Mund stecken.
  • Erwarten Sie nicht, dass Ihr Baby bei den ersten paar Gelegenheiten √ľberhaupt etwas isst. Wenn es entdeckt hat, dass diese neuen Sachen gut schmecken, wird es anfangen, sie zu kauen und sp√§ter auch runter zu schlucken.
  • Ein junges Baby wird nicht jedes St√ľck Essen komplett aufessen ‚Äď bedenken Sie, dass es noch nicht die F√§higkeit entwickelt haben wird, an Essen in seiner Faust heran zu kommen
  • Lassen Sie Ihr Baby nicht mit Essen allein.
  • Bieten Sie keine Nahrungsmittel an, die offensichtlich eine Gefahr bedeuten, wie z.B. Erdn√ľsse
  • Bieten Sie kein Fast Food an, keine Fertiggerichte und keine Mahlzeiten mit Salz oder Zuckerzusatz.
  • Bieten Sie Wasser aus einem Becher an, aber seien Sie unbesorgt, wenn Ihr Baby kein Interesse daran zeigt. Insbesondere gestillte Babys werden meist einige Zeit weiterhin alle Fl√ľssigkeit, die sie ben√∂tigen, aus der Muttermilch beziehen.
  • Seien Sie auf das „Chaos“ vorbereitet!: Eine saubere Plastikfolie auf dem Boden unter dem Hochstuhl sch√ľtzt den Teppich/Fu√üboden und macht das Aufr√§umen einfacher. (Sie werden angenehm √ľberrascht sein, wie schnell Ihr Baby lernt, recht sauber zu essen!)
  • Erm√∂glichen Sie Ihrem Baby auch weiterhin, nach seinem eigenen Bedarf gestillt zu werden. Seien Sie darauf vorbereitet, dass sein Schema sich √§ndert, wenn es anf√§ngt, mehr feste Nahrung zu essen.
  • Wenn Sie in der Familie Nahrungsmittelunvertr√§glichkeiten, Allergien oder Verdauungsprobleme haben, besprechen Sie diese Methode der Beikosteinf√ľhrung mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Hebamme, bevor Sie damit beginnen.
  • Schlussendlich: Haben Sie Freude daran zu sehen, wie Ihr Baby das Essen kennenlernt ‚Äď und dabei seine hand- und mundmotorischen F√§higkeiten entwickelt!

Welche Vorteile hat¬†„Baby-led Weaning“ im Vergleich zur herk√∂mmlichen Breif√ľtterung? Neben der F√∂rderung der motorischen F√§higkeiten des Kindes argumentieren die Bef√ľrworter, dass „Baby-led Weaning“ die Akzeptanz verschiedener Lebensmittel f√∂rdert,¬† Geruchs- und Geschmackswahrnehmung erheblich ausweitet und differenziert und Selbstst√§ndigkeit und Selbstbewusstsein des Kindes st√§rkt. Durch die Fortf√ľhrung des Essens nach Bedarf werden Auseinandersetzungen um Nahrungsaufnahme reduziert und der Entstehung von √úbergewicht vorgebeugt.

 

Inwieweit diese postulierten Vorteile evidenzbasiert sind, haben Wissenschaftlerinnen des Forschungsinstituts f√ľr Kinderern√§hrung (FKE) mit einer wissenschaftlichen Literaturrecherche √ľberpr√ľft. Zun√§chst fiel ihnen auf, dass die Studienlage zum Thema¬†„Baby-led Weaning“ eher d√ľrftig ist. Die Wissenschaftlerinnen fanden haupts√§chlich kleinere Beobachtungsstudien zum Wachstum und Ern√§hrungsverhalten des Kindes sowie den m√ľtterlichen Einstellungen. Studienergebnisse zur Energieaufnahme und zur Versorgung mit „kritischen‚Äú N√§hrstoffen (beispielsweise Eisen) in dieser Lebensphase fehlen bislang. Dies mag darauf zur√ľckzuf√ľhren sein, dass nicht genau bestimmt werden kann, wie viel ein Kind jeweils von jedem angebotenen Lebensmittel gegessen hat. Die Studienlage zum Zusammenhang zwischen dem F√ľtterungsstil (also Breif√ľtterung vs. „Baby-led Weaning“ ) und dem K√∂rpergewicht war zudem widerspr√ľchlich, auch ein sp√§teres ges√ľnderes Ern√§hrungsverhalten nach¬†„Baby-led Weaning“ konnte nicht nachgewiesen werden. In den Augen der M√ľtter, die ihre Kinder nach den Prinzipien von¬†„Baby-led Weaning“ ern√§hrten, war diese Form der Beikostern√§hrung ges√ľnder, einfacher und weniger stressig als die herk√∂mmliche Breif√ľtterung.

Basierend auf dem bisherigen Stand der Wissenschaft empfehlen die Expertinnen f√ľr Kinderern√§hrung am FKE, Beikost nicht ausschlie√ülich mit¬†„Baby-led Weaning“ zu reichen. Denn ein N√§hrstoff- und Energiemangel l√§sst sich derzeit nicht sicher ausschlie√üen. Das „Baby-led Weaning“ k√∂nnte jedoch Denkanst√∂√üe f√ľr eine √Ėffnung der bestehenden Beikostempfehlungen geben, indem sich die Vorteile der Gabe von Beikost in Form von Brei und als Fingerfood erg√§nzen.

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verfasst von am 26. März 2015 um 07:21

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