Berufsgruppen mit erhöhtem Typ-2-Diabetesrisiko

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 19. März 2020

In Schweden analysierten Wissenschaftler erstmals das Diabetesrisiko verschiedener Berufsgruppen anhand eines unvorstellbar großen Datensatzes. Demnach sind Berufskraftfahrer, Fabrikarbeiter und Reinigungskräfte besonders häufig von Typ-2-Diabetes betroffen.

F√ľr ihre Studie analysierten Sophia Carlsson und ihre Kollegen Registerdaten von rund 4,5 Millionen Schweden. Einbezogen wurden schwedische Einwohner der Geburtsjahrg√§nge 1937 bis 1979, die zwischen 2001 und 2013 berufst√§tig waren und bei denen zwischen 2006 und 2015 Diabetes diagnostiziert wurde.

Im Jahr 2013, als alle Probanden im Mittel 51 Jahre alt waren, hatten einer von zwanzig M√§nnern (5.2 Prozent) und eine von drei√üig Frauen (3.2 Prozent) Diabetes. Bei den M√§nnern waren Kraftfahrzeugf√ľhrer (8.8 Prozent) am h√§ufigsten betroffen, bei den Frauen insbesondere Fabrikarbeiterinnen (6,4 Prozent). Mit zunehmendem Alter stieg das Diabetesrisiko deutlich. Beispielsweise hatte jeder sechste Berufskraftfahrer und jede zehnte Fabrikarbeiterin √ľber 55 Diabetes.

Die Neuerkrankungsrate (Inzidenz) variierte stark zwischen den Berufsgruppen: Im Beobachtungszeitraum erkrankten Fabrikarbeiter (9,41 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren) und Berufskraftfahrer (9,32 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren) besonders h√§ufig, w√§hrend Hochschullehrer mit 3,4 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren am seltensten betroffen waren. Auch Frauen, die in Fabriken arbeiteten, erkrankten vergleichsweise h√§ufig an Diabetes (7,2 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren), ebenso weibliche Reinigungskr√§fte (6,18 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren). Physiotherapeutinnen hatten dagegen mit 2,20 Neuerkrankungen pro 1.000 Besch√§ftigungsjahren die geringste Neuerkrankungsrate. Die Angeh√∂rigen verschiedener Berufsgruppen unterschieden sich bereits im j√ľngeren Alter hinsichtlich der Verbreitung von √úbergewicht, Rauchgewohnheiten und ihrer k√∂rperlichen Fitness. „Berufskraftfahrer sind durch die mit ihrer Arbeit einhergehende mangelnde Bewegung und dem h√§ufig einseitigen, ungesunden Essen offensichtlich besonders gef√§hrdet, an einem Diabetes zu erkranken“, erl√§utert Dr. med. Kurt Rinnert, leitender Betriebsarzt bei der Stadt K√∂ln. „Zudem ist bekannterma√üen Schichtarbeit, die in Fabriken geh√§uft vorkommt, ebenfalls ein Risikofaktor.“

„Bekannt war bisher, dass es einen sozio√∂konomischen Zusammenhang bei Diabeteserkrankungen gibt: Menschen mit einem geringen Bildungsniveau, schlechter Bezahlung und einem einfachen Beruf haben ein um 30 bis 40 Prozent erh√∂htes Risiko f√ľr einen Typ-2-Diabetes“, f√ľhrt Rinnert aus. In der aktuellen Studie werden erstmals konkrete Berufsbilder betrachtet, Risiken identifiziert und Betriebs√§rzte f√ľr unmittelbare Ma√ünahmen an den jeweiligen Arbeitspl√§tzen sensibilisiert. „Arbeit ist das halbe Leben, wie der Volksmund besagt. Der Arbeitsplatz sollte daher so gestaltet sein, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit dort so gering wie m√∂glich ausf√§llt“, argumentiert Rinnert. Anl√§sslich dieser Studie fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Diabetes-(Pr√§ventions-)Programme am Arbeitsplatz zu forcieren. Als Beispiele f√ľhrt sie die Verbesserung der Ern√§hrungs- und Bewegungsm√∂glichkeiten von Berufskraftfahrern, sowie die Vermeidung von Wechselschichten bei Schichtarbeitern an. „Um Betroffenen mehr Lebensqualit√§t, aber auch ein langes Berufsleben, zu erm√∂glichen, muss die Arbeitsmedizin die Vermeidung von Neben- und Folgeerkrankungen, die zu fr√ľhzeitiger Berentung f√ľhren k√∂nnten, deutlicher in den Fokus nehmen“, schlie√üt DDG-Pr√§sidentin Prof. Dr. med. Monika Kellerer.

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verfasst von am 19. März 2020 um 07:14

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