Besteuerung zuckerhaltiger Getr√§nke – wirkt, wirkt nicht, …?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 13. September 2017

Im Kampf gegen ern√§hrungs(mit)bedingte Erkrankungen fordern Politiker, Gesundheitsorganisationen und Interessensverb√§nde immer wieder, auch in Deutschland eine „Zuckersteuer“ einzuf√ľhren. Bislang wurde der Erfolg einer solchen Steuer allerdings kaum wissenschaftlich evaluiert. Daher sind die Ergebnisse, die Wissenschaftler von einem Pilotversuch im kalifornischen Berkeley berichten, besonders interessant.

Anfang 2015 wurde auf Wunsch der W√§hler Berkeleys eine Steuer auf Getr√§nke mit zugesetztem Zucker eingef√ľhrt. Die Steuer betr√§gt einen Cent pro Unze (29,6 Milliliter) Fl√ľssigkeit, also beispielsweise 68 Cents f√ľr eine Zweiliterflasche Limonade. Die Einf√ľhrung der Steuer war mit der Hoffnung verbunden, dass dadurch der Konsum von Softdrinks und anderen Getr√§nken mit Zuckerzusatz zur√ľck gehen w√ľrde, was sich wiederum g√ľnstig auf das Risiko f√ľr ern√§hrungs(mit)bedingte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas auswirken w√ľrde. Allerdings war auch damit zu rechnen, dass zumindest ein Teil der B√ľrger Berkeleys ihren Bedarf an gezuckerten Getr√§nken zuk√ľnftig in Superm√§rkten au√üerhalb der Stadt, die nicht der Steuerpflicht unterliegen, decken w√ľrden. Unklar war zudem, in welchem Umfang die Besteuerung an die Verbraucher weitergegeben wird, wie sie sich auf den Konsum anderer Getr√§nke auswirkt, und wie sich die Ausgaben der Verbraucher beziehungsweise die Einnahmen der Superm√§rkte nach der Einf√ľhrung der Steuer ver√§ndern.

Erfreulicherweise wurde die Steuereinf√ľhrung wissenschaftlich begleitet, sodass nun erste Antworten auf diese Fragen in der Fachzeitschrift „PLOS Medicine“ publiziert werden konnten. In einer Vorher-Nachher-Studie verglichen Dr. Lynn D. Silver und ihre Kollegen die Preise f√ľr gezuckerte Getr√§nke vor und nach der Einf√ľhrung der Steuer in 26 Gesch√§ften Berkeleys. Au√üerdem werteten sie die Getr√§nkepreise, Verk√§ufe und Ums√§tze von 15,5 Millionen Eink√§ufen zweier Supermarktketten in Berkeley und sechs gro√üer Superm√§rkte au√üerhalb der Stadt aus. In zwei repr√§sentativen telefonischen Befragungen gaben zudem 957 zuf√§llig ausgew√§hlte, erwachsene Bewohner Auskunft √ľber ihren Getr√§nkekonsum vor beziehungsweise ein Jahr nach Einf√ľhrung der Steuer.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Zuckersteuer in den meisten Gesch√§ften direkt an die Verbraucher weitergegeben wurde. Nach Einf√ľhrung der Steuer sank der Verkauf der neu besteuerten Getr√§nke in Berkeley um 9,6 Prozent, w√§hrend in den Gesch√§ften im Umland 6,9 Prozent mehr Getr√§nke mit Zuckerzusatz verkauft wurden. Zugleich stiegen die Verkaufszahlen von nicht-besteuerten Getr√§nken in Berkeley um 3,5 Prozent vs. 0,5 Prozent im Umland. Detailliertere Daten f√ľr Berkeley offenbarten eine Zunahme des Einkaufs von Wasser in H√∂he von 15,6 Prozent. Frucht-, Gem√ľse- und Teegetr√§nke, die nicht der Besteuerung unterliegen, wurden 4,4 Prozent h√§ufiger verkauft und einfache Milch 0,63 Prozent mehr. Dagegen hatte die Steuer kaum Auswirkungen auf den Gesamtpreis eines Einkaufs beziehungsweise den Umsatz der Lebensmittelh√§ndler von Berkeley.

Nach Einf√ľhrung der Steuer tranken die befragten Einwohner Berkeleys durchschnittlich ein F√ľnftel (19,8 Prozent) weniger Getr√§nke mit zugesetztem Zucker, wodurch sich die Energieaufnahme aus diesen Getr√§nken um 13,3 Prozent reduzierte. Diese Ver√§nderungen waren allerdings nicht statistisch signifikant.

Unterm Strich war die Einf√ľhrung der Zuckersteuer also durchaus vielversprechend. Allerdings, so r√§umen die Autoren ein, werde die Aussagef√§higkeit der Studie durch verschiedene Faktoren eingeschr√§nkt. Verglichen mit anderen St√§dten der USA wurden in Berkeley bereits vor Inkrafttreten der Zuckersteuer wenig gezuckerte Getr√§nke getrunken (34 Prozent des nationalen Durchschnittswerts). Hinzu kommt, dass Berkeley als eher wohlhabende Wohnregion gilt. Daher gilt es noch zu kl√§ren, inwieweit die Ergebnisse auf Menschen in anderen Regionen mit h√∂herem Konsum zuckerhaltiger Getr√§nke oder/und geringerem Wohlstand √ľbertragbar sind. Au√üerdem wurden keine gesundheitlichen Zielgr√∂√üen (beispielsweise Ver√§nderung des K√∂rpergewichts, die Verbreitung von √úbergewicht/Adipositas etc.) untersucht. Des Weiteren kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits die intensive Mediendebatte, die durch die Ank√ľndigung der Steuer angefacht wurde, zu einer Ver√§nderung des Getr√§nkekonsums beigetragen hat. Dennoch weisen die Ergebnisse darauf hin, dass eine Besteuerung den Konsum gezuckerter Getr√§nke reduziert. Besonders positiv ist in diesem Zusammenhang zu erw√§hnen, dass die aus der Steuer resultierenden Mehreinnahmen von Berkeley f√ľr Ern√§hrungs- und Gesundheitsprogramme verwendet wurden, was auf einen doppelten Gesundheitseffekt der Steuer hoffen l√§sst.

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verfasst von am 13. September 2017 um 07:15

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