Bio hat’s in sich

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 11. September 2014

Ein entscheidendes Motiv zum Einkauf von biologisch erzeugten Lebensmitteln ist der Glaube, dass diese Produkte nährstoffreicher und damit gesünder sind als konventionell erzeugte Lebensmittel. Wissenschaftlich ließ sich diese Annahme bisher jedoch nicht belegen. Nun scheint sich das Blatt zu wenden.

In der nach eigenen Angaben bislang größten Studie ihrer Art fassten Wissenschaftler unter der Federführung der Universität von Newcastle die Ergebnisse von 343 Vergleichsstudien zwischen biologischen und konventionell angebauten Feldfrüchten zusammen. Die anschließenden statistischen Analysen zeigten eine klare Überlegenheit der biologischen Kulturen: Ihr Gehalt an Antioxidantien war um 19 bis 69 Prozent höher als bei konventionell angebauten Vergleichsprodukten. Antioxidantien können vor chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen schützen. Deshalb sollten täglich fünf Portionen Obst und Gemüse verzehrt werden. Bei einem ausschließlichen Verzehr von biologisch angebautem Obst und Gemüse würden bereits drei bis vier Portionen Obst und Gemüse genügen, um so viele Antioxidantien aufzunehmen wie mit 5 Portionen konventionell angebautem Obst und Gemüse.

Bioprodukte konnten jedoch nicht nur aufgrund ihres hohen Antioxidantiengehalts punkten. Die Wissenschaftler fanden auch Anhaltspunkte für einen zum Teil höheren Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Dagegen wurden Pestizidrückstände in den biologischen Kulturpflanzen mit einer vierfach geringeren Wahrscheinlichkeit gefunden. Außerdem war die Konzentration des giftigen Schwermetalls Cadmium bei den ökologisch angebauten Feldfrüchten nur durchschnittlich halb so hoch und der Gesamtstickstoff-, Nitrat- und Nitritgehalt deutlich geringer (10 bis 87 Prozent) als bei konventionell angebauten Kulturen. Nitrit ist ein Risikofaktor für Magenkrebs und Methämoglobinämie. Die höheren Gehalte der Stickstoffverbindungen in konventionell angebauten Lebensmitteln wurden von den Wissenschaftlern auf den Einsatz großer Mengen mineralischen Düngers zurückgeführt.

Mit ihren Ergebnissen widerspricht diese Studie einer früheren Übersichtsarbeit, in der kein signifikanter ernährungsphysiologischer oder substantieller Vorteil von biologischen gegenüber konventionell erzeugten Lebensmitteln festgestellt wurde. „Der größte Unterschied zwischen den beiden Studien ist der zeitliche Aspekt”, erklärt Carlo Leifert, Professor für biologische Landwirtschaft an der Universität Newcastle und Leiter der Studie. „Forschung auf diesem Gebiet braucht Zeit, um in Gang zu kommen und uns stehen jetzt viel mehr Daten zur Verfügung als vor fünf Jahren”.

Die Debatte Bio versus Nicht-Bio läuft bereits seit Jahrzehnten. Die Aussage dieser Studie ist jedoch überwältigend„, so Leifert weiter. „Wir haben zweifelsfrei gezeigt, dass sich biologisch und konventionell angebaute Kulturpflanzen bezüglich ihrer Nährwertzusammensetzung unterscheiden.„Jetzt ist es dringend notwendig, gut überwachte Ernährungsstudien mit Menschen zu machen.“ Denn der Beleg dafür, dass auch Menschen von den erhöhten Nährstoffgehalten in Biokulturpflanzen profitieren, steht noch aus.

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verfasst von am 11. September 2014 um 06:17

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