Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln kann Laborergebnisse beeinflussen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 30. Januar 2020

Die Bundesinstitute f√ľr Risikobewertung (BfR) und f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnen vor Verf√§lschungen medizinischer Labortests durch hohe Biotinaufnahmen.

Biotin kommt nat√ľrlicherweise in zahlreichen Lebensmitteln wie beispielsweise Rinderleber, Fleisch, Eigelb, Milch(-produkten), K√§se, Getreide(-produkten), Tomaten und M√∂hren vor. Im K√∂rper ist Biotin, das auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bekannt ist, am Eiwei√ü-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt. Viele Menschen unterst√ľtzen die Aufnahme von Biotin durch Nahrungserg√§nzungsmittel, weil sie sich dadurch eine F√∂rderung des Wachstums von Haut, Haaren und N√§geln oder g√ľnstige Effekte f√ľr den Stoffwechsel und das Nervensystem versprechen.

Pr√§parate, die mehr als 150 Mikrogramm Biotin pro Dosiseinheit enthalten und damit deutlich √ľber dem Sch√§tzwert f√ľr eine angemessene Zufuhr der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung liegen (f√ľr Erwachsene 30-60 Mikrogramm/Tag), k√∂nnen allerdings die Diagnose verschiedener Erkrankungen erschweren. Denn durch hohe Biotinkonzentrationen werden die Ergebnisse spezifischer Labortests (klinischer Immunassays), die auf Wechselwirkungen zwischen Biotin und anderen Molek√ľlen beruhen, verf√§lscht. Je nach Testprinzip kann die Einnahme von hochdosiertem Biotin zu falsch-positiven1 oder falsch-negativen2 Ergebnissen f√ľhren.

Solche Labortests werden f√ľr die Messung einer Vielzahl weiterer Molek√ľle, darunter Herz-, Tumor- oder Infektionsmarker, Hormone und HIV, verwendet. Im Falle der Bestimmung des Herz-spezifischen Troponins k√∂nnte die Biotin-Interferenz dazu f√ľhren, dass ein Herzinfarkt zu sp√§t erkannt wird oder eine ungenaue Diagnose gestellt wird, ob ein Herzinfarkt stattgefunden hat oder nicht.

Bislang ist unklar, ab welcher Biotindosis dieser beeinflussende Effekt auftreten kann, da das Ausmaß des Störeffekts von verschiedenen Faktoren abhängt.

Aufgrund dieser Problematik hat das BfArM im Mai 2019 gemeinsam mit mehreren Herstellerfirmen einen „Rote-Hand-Brief“ verfasst, der Besch√§ftigte in Heilberufen, also √Ąrztinnen und √Ąrzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Angestellte in Laboren √ľber die Sachlage informiert. Au√üerdem schreibt das EU-Recht Herstellern biotinhaltiger Arzneimitteln inzwischen vor, ihre Produktinformationen um einen entsprechenden Hinweis zu erg√§nzen. Da Nahrungserg√§nzungsmittel in Deutschland allerdings als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel eingestuft werden, sind die Hersteller biotinhaltiger Nahrungserg√§nzungsmittel nicht verpflichtet, einen Rote-Hand-Brief zu verschicken oder die Packungsbeilage ihrer Produkte anzupassen.

Das BfR empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, die biotinhaltige Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sowie Beratenden und Beschäftigen in Heilberufen, auf den verfälschenden Effekt von Biotin aus Nahrungsergänzungsmitteln auf bestimmte Labortests zu achten, der vergleichbar ist mit dem Effekt von Biotin aus Arzneimitteln.

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1 Eine Person ist eigentlich gesund, wird aber im Test fälschlicherweise als krank eingestuft.
2 Eine Person ist tatsächlich krank, wird aber im Test fälschlicherweise als gesund eingestuft.

verfasst von am 30. Januar 2020 um 07:51

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