Britische Ärzte fordern Zuckersteuer auf ungesunde Getränke

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 1. September 2015

Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Britische Ärztegesellschaft (BMA) Kinder und Jugendliche, die besonders stark durch Übergewicht gefährdet sind, schützen.

Jedes Jahr sterben in Großbritannien rund 70.000 Menschen vorzeitig an den Folgen einer ungesunden Ernährung. Außerdem werden gesundheitliche Kosten in Höhe von 6 Milliarden Pfund (umgerechnet ca. 8,5 Mrd. Euro) einer ungesunden Ernährungsweise zugeschrieben – ein Betrag, der die Ausgaben für die Folgen von Alkoholmissbrauch, Rauchen oder körperlicher Inaktivität übersteigt. Zugleich steigt die Anzahl der Menschen mit Adipositas (Fettleibigkeit) weiter an. In 15 Jahren soll bereits ein Drittel der Bevölkerung fettleibig sein. Betroffen sind insbesondere Kinder und Jugendliche.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die Britische Ärztegesellschaft (British Medical Association, BMA) in ihrem aktuellen Bericht Food for Thought: Promoting Healthy Diets among Children and Young People“ (Denkanstoß: Förderung einer gesunder Ernährung bei Kindern und Jugendlichen) ausführlich mit der Frage, wie eine gesunde Ernährung bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden kann.

Besonders große Aufmerksamkeit hat die Forderung der Mediziner erregt, zuckerhaltige Getränke in Zukunft mit einer 20-prozentigen Steuer zu belegen. „Die Erfahrungen anderer Länder mit Steuern auf ungesunde Lebensmittel und Getränke belegen positive gesundheitliche Effekte“, betont Professor Sheila Baroness Hollins im Vorwort des Berichts. „Wir schätzen, dass eine solche Steuer in Großbritannien 180.000 Menschen vor Übergewicht bewahren würde.“

Ginge es nach den Vorstellungen der BMA-Mitglieder, würden gleichzeitig Obst und Gemüse durch staatliche Eingriffe vergünstigt und Lebensmittelwerbung, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche richtet, verboten. Verbesserungsbedarf bestehe außerdem hinsichtlich der Lebensmittelkennzeichnung. Hier schlagen die Mediziner eine Kennzeichnung per Ampel-System oder die Verwendung eindeutiger Begriffe („niedrig“ – „mittel“ – „hoch„) vor.

Der Vorstoß der britischen Ärzte wird hierzulande begrüßt. „Wir sehen darin eine weitere gewichtige Stimme derer, die sich für eine längst überfällige Verhältnisprävention stark machen“, unterstreicht der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes-Gesellschaft Dr. Dietrich Garlichs. „In der internationalen Diskussion ist es unstrittig, dass eine Reduzierung des zu hohen Konsums von Zucker, aber auch von Fett und Salz dringend erforderlich ist, um den Tsunami chronischer Erkrankungen zu stoppen“, so Garlichs weiter, bevor er auf die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention in Kindergarten und Schule hinweist. „Wichtig wären jeden Tag eine Stunde Sport, verbindliche Qualitätsstandards beim Schulessen und kostenlose Wasserspender, um den Konsum zuckerhaltiger Softdrinks zu verringern.“ Für einheitliche, verbindliche Qualitätsstandards beim Schulessen und eine kostenlose Gabe von Obst und Gemüse an alle Grundschulkinder setzt sich auch die BMA ein.

Der Verstoß der Ärzte stieß in der Öffentlichkeit auf ein geteiltes Echo. Vonseiten der Regierung war zu vernehmen, dass die Einführung einer Zuckersteuer derzeit nicht geplant sei. „Die Bekämpfung von Fettleibigkeit ist ein großes Anliegen dieser Regierung, und wir haben uns bereits dazu verpflichtet, eine Strategie gegen kindliche Fettleibigkeit zu entwickeln„, gab der Sprecher des Gesundheitsministeriums bekannt. „Es gibt kein Patentrezept, aber wir möchten erreichen, dass die Industrie weiter daran arbeitet, den Zuckergehalt von Getränken zu reduzieren, damit Menschen gesündere Entscheidungen treffen können.“

Vom Nahrungsmittel- und Getränkeverband wiederum war zu hören, dass er die Sorgen der Ärztegesellschaft um die Gesundheit junger Menschen, die „eine bessere, ausgewogenere Ernährung und Lebensstil“ benötigten, teile. Sein Generaldirektor, Ian Wright, gab jedoch zu bedenken, dass viele Lebensmittel und Getränke bereits mit 20 Prozent besteuert würden. „Wo zusätzliche Steuern eingeführt wurden, haben diese zu keiner dauerhaften Veränderung der Ernährung geführt.“ Daher begrüße der Verband das Bestreben der Regierung, sich „anstelle für eine Zuckersteuer für einen partnerschaftlichen Ansatz zum Wohle der öffentlichen Gesundheit zu engagieren„.

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verfasst von am 1. September 2015 um 06:32

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2 Kommentare zu “Britische Ärzte fordern Zuckersteuer auf ungesunde Getränke”

  1. Gabriele sagt:

    An sich ist der Gedanke mit der Zuckersteuer nicht verkehrt. Jedoch bleibt am Ende immer noch die Frage, ob der Konsum dadurch verringert wird. Und falls wenn nicht, was passiert dann?

    • Bettina sagt:

      Höchstwahrscheinlich wird sich der Verzehr nicht oder kaum verringern… so wie bei den Zigaretten auch. Weil die meisten Menschen sich zu wenig um Themen der gesunden Ernährung kümmern. Also bleibt der Profit für die Steuereintreiber und weiter wird nichts passieren. (-;

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