Fleischinhaltsstoff L-Carnitin schädigt Blutgefäße

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 10. Mai 2013

Vermeintlicher Fatburner L-Carnitin erweist sich als ungesund

Bei Ausdauersportlern ist Carnitin als Fatburner bekannt. Es transportiert langkettige Fettsäuren in die Zelle, wo diese zu Energie umgesetzt werden. Während die leistungssteigernde Wirkung von Carnitin umstritten ist, zeigt eine aktuelle Studie, dass Carnitin, das natürlicherweise in rotem Fleisch enthalten ist, die Blutgefäße schädigen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen kann.

Fleisch
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Vegetarier und Veganer leiden seltener an Gefäßerkrankungen als Menschen, die Fleisch essen. Dieses Phänomen ist seit längerem bekannt, die Ursache hierfür konnte aber bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Viele Vegetarier und Veganer haben einen gesünderen Lebensstil, bewegen sich mehr und rauchen seltener. Aber genügt dies als Erklärung für das unterschiedliche Erkrankungsrisiko? Welche Rolle spielt der Verzicht auf Fleisch?

In früheren Studien standen vor allem gesättigte Fettsäuren und Cholesterin im Verdacht, gefäßschädigend zu wirken. Die Ergebnisse aus verschiedenen Studien waren allerdings widersprüchlich. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit von Carnitin und TMAO (Trimetyhlamin-N-Oxid), welches Arteriosklerose fördern kann, kamen US-amerikanische Forscher auf die Idee, eine Versuchsreihe zur Wirkung von Carnitin durchzuführen.

Mit dem Ergebnis jeder einzelnen dabei entstandenen Studie verstanden die Forscher mehr über die Wirkungsweise von Carnitin und den Mechanismus, der Gefäßschäden hervorrufen kann.

  • In der ersten Studie wurde nachgewiesen, dass L-Carnitin im Körper zu TMAO umgesetzt wird. Fünf Probanden schluckten markiertes L-Carnitin und hatten im Anschluss erhöhte Konzentrationen von TMAO in ihrem Blut und Urin.
  • Wie wird L-Carnitin zu TMAO umgesetzt? Um den Beitrag der Darmflora zu untersuchen, erhielten fünf Probanden eine Woche lang ein Antibiotikum, das ihre Darmflora weitestgehend abtötete. Bei einem weiteren L-Carnitin-Test wurde so gut wie kein TMAO mehr nachgewiesen. Demnach bauen bestimmte Bakterien der Darmflora L-Carnitin zu TMAO um.
  • Gibt es Unterschiede zwischen Menschen, die Fleisch verzehren und Vegetariern bzw. Veganern, die auf Fleisch verzichten? Bei einem weiteren L-Carnitin-Test zeigte sich, dass bei Fleischessern der TMAO-Wert nach der Aufnahme von L-Carnitin deutlich anstieg, Vegetarier und Veganer dagegen hatten auch nach mehreren Stunden kaum TMAO im Blut. Ein Vergleich der Darmflora zeigte, dass Menschen mit regelmäßigem Fleischkonsum höhere Konzentrationen der Darmbakterien haben, die L-Carnitin zu dem gefäßschädigenden TMAO umsetzen.

„Unsere Ergebnisse enthüllen einen neuen Weg, über den rotes Fleisch Arteriosklerose und anderen Gefäßerkrankungen fördern könnte“, schließen die beteiligten Wissenschaftler. Bislang habe man dafür gesättigte Fette oder Cholesterin im Verdacht gehabt, es aber nicht unstrittig belegen können. Jetzt zeige sich, dass L-Carnitin und dessen Abbau durch die Darmflora den Zusammenhang zwischen Fleisch und Krankheit schlüssig erklären könne.
Außerdem warnen die Forscher vor der Verwendung von isoliertem L-Carnitin zur Fettverbrennung oder Leistungssteigerung: „Die Sicherheit einer oralen Dauereinnahme sollte dringend untersucht werden, denn sie könnte die Vermehrung von Darmmikroben fördern, die besonders viel TMAO erzeugen und damit das Arteriosklerose-Risiko stark erhöhen.“

Weitere Studien sollen den Zusammenhang zwischen Carnitin, TMAO und Arteriosklerose untersuchen. Beispielsweise ist bekannt, dass Seefisch relativ hohe Konzentrationen TMAO enthält. Bisher wurde der regelmäßige Verzehr von Fisch jedoch als gefäßschützend angesehen.

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verfasst von am 10. Mai 2013 um 07:01

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Ein Kommentar zu “Fleischinhaltsstoff L-Carnitin schädigt Blutgefäße”

  1. Hallo,
    warum leben Vegetarierer gesünder? Cholesterin z.B. wird im Körper selbst produziert und dann noch zusätzlich durch tierische Nahrungsmittel aufgenommen. Ich denke das spielt schon eine Rolle.

    Viele Grüße,
    Christine Spindler

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