Cholesterinsenker mit Folgen: BfR warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln auf Basis von Rotschimmelreis

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 25. Februar 2020

Aufgrund von drohenden Nebenwirkungen sollten Nahrungserg√§nzungsmittel mit Rotschimmelreis nur nach √§rztlicher R√ľcksprache beziehungsweise unter √§rztlicher Kontrolle erfolgen.

Der aus China stammende Rotschimmelreis (auch Rotreis oder ‚ÄěRed Yeast Rice‚Äú) wird zubereitet, indem gekochter wei√üer Reis mit Schimmelpilzst√§mmen der Gattung Monascus vergoren (fermentiert) wird. Bei diesem Prozess bilden sich Stoffe, die den Reis intensiv rot f√§rben. Weitere Fermentationsprodukte haben pharmakologische Wirkungen, vergleichbar mit einem Medikament, und k√∂nnen ‚Äď bei nicht sachgem√§√üer Einnahme ‚Äď die Gesundheit sch√§digen.

In seiner Heimat Asien wird Rotschimmelreis seit langem wegen seiner cholesterinsenkenden Wirkung verzehrt, um Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu kurieren. In Europa sind Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Rotschimmelreis in verschiedenen Dosierungen erhältlich.

Die cholesterinsenkende Wirkung von Rotschimmelreis beruht auf der darin enthaltenen Verbindung Monakolin K, die in ihrem Aufbau und ihrer Wirkung identisch ist mit dem Cholesterin senkenden Wirkstoff Lovastatin. Die Nebenwirkungen von Lovastatin sind bekannt und reichen von Kopfschmerzen, √úbelkeit, Durchfall, Schw√§che, Hautausschl√§gen und Muskelkr√§mpfen bis hin zu St√∂rungen der Nieren- und Leberfunktion und Sch√§digungen der Skelettmuskulatur und der Sehnen. Medikamente mit dem Wirkstoff Lovastatin sind rezeptpflichtig, und es obliegt der √§rztlichen Risiko-Nutzen-Abw√§gung, ob eine Therapie mit Lovastatin f√ľr einen bestimmten Patienten sinnvoll ist.

Au√üer Monakolin K enth√§lt Rotschimmelreis unter Umst√§nden (abh√§ngig von den Bedingungen bei der Fermentation) das toxische Citrinin. Citrinin kann genetische Ver√§nderungen verursachen und nierensch√§digend wirken, dar√ľber hinaus besteht die Gefahr, dass es den Embryo im Mutterleib sch√§digt. Der zul√§ssige H√∂chstgehalt von Citrinin in Nahrungserg√§nzungsmitteln wurde aktuell von der EU-Kommission von 2.000 auf 100 Mikrogramm pro Kilogramm K√∂rpergewicht reduziert (g√ľltig ab 01.04.2020). F√ľr Monakolin A existiert kein entsprechender Wert, da es keine Aufnahmemenge gibt, die gesundheitlich unbedenklich ist.

Als Nahrungsergänzungsmittel fallen Rotschimmelreisprodukte unter das Lebensmittelrecht. Daher ist in Deutschland Рanders als bei Arzneimitteln Рkeine behördliche Zulassung vor dem Inverkehrbringen erforderlich. Üblicherweise erfolgt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aus eigenem Antrieb und wird meist nicht ärztlich begleitet.

Aufgrund erheblicher gesundheitlicher Sicherheitsbedenken empfiehlt das Bundesinstitut f√ľr Risikobewertung (BfR) Nahrungserg√§nzungsmittel mit Rotschimmelreis nicht zu verzehren. Sollten derartige Produkte trotzdem eingenommen werden, so das BfR weiter, sollte dies nur nach √§rztlicher R√ľcksprache bzw. unter √§rztlicher Kontrolle erfolgen. Dabei sei insbesondere zu ber√ľcksichtigen, dass die Produkte unterschiedlich hohe Dosierungen von Monakolin K enthalten.

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verfasst von am 25. Februar 2020 um 08:45

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