Computerspiel fördert gesunde Ernährung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 8. Juni 2017

In sieben Minuten zu einer ges√ľnderen Ern√§hrung: Psychologen der Universit√§t von Exeter haben ein Computerspiel entwickelt, mit dem bereits bei jungen Kindern die Lebensmittelauswahl g√ľnstig beeinflusst werden soll. Erste Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung.

„Iss das Gem√ľse, das ist gesund.“ Solche gut gemeinten S√§tze verpuffen bei Kindern meist wirkungslos oder bewirken sogar das Gegenteil. Doch wie lassen sich Gem√ľsemuffel zu einer ges√ľnderen Ern√§hrungsweise motivieren, ohne dabei den Familienfrieden zu gef√§hrden?

Wissenschaftler der Universit√§ten von Exeter und Gent arbeiten an einer L√∂sung. Gemeinsam entwickelten sie ein Computerspiel, welches das Belohnungssystem quasi „umprogrammiert“. „Der Anblick von Lebensmitteln wie Schokolade kann Belohnungszentren im Gehirn aktivieren und zugleich die Aktivit√§t in Bereichen der Selbstkontrolle reduzieren“, erl√§utert die federf√ľhrende Wissenschaftlerin Lucy Porter. „Unser Training motiviert Menschen, neue Assoziationen zu entwickeln – wenn sie ungesunde Nahrung sehen, stoppen sie.“

Mit dem Computerspiel wird die Entscheidung f√ľr gesunde Lebensmittel trainiert. Es zeigt in zuf√§lliger Reihenfolge Bilder von gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln, wobei jedes Bild zus√§tzlich mit einem gl√ľcklichen oder traurigen Smiley versehen ist. Die Aufgabe der Kinder besteht darin, immer dann die Leertaste zu dr√ľcken, wenn sie einen lachenden Smiley sehen. Im Vordergrund steht der Spa√ü am Spiel, die Bilder der gesunden Lebensmitteln pr√§gen sich dabei unbewusst und ohne zus√§tzliches Lernen ein. „Viele Gesundheitsf√∂rderungsprogramme verlassen sich auf Bildung und Willenskraft und erfordern viel Zeit, Personal und Geld. Unser Spiel dagegen umgeht diese Probleme, indem ein kostenfreies, einfachen Werkzeug entwickelt wurde, das Familien zuhause verwenden k√∂nnen“, betont Porter.

Zusammen mit ihren Kollegen hat die Wissenschaftlerin eine Versuchsreihe gestartet, in der der Einfluss des Computerspiels auf die Lebensmittelauswahl bei 236 4- bis 11-jährigen Kindern getestet wurde. Die Kinder spielten dabei unterschiedliche Varianten des Spiels, ohne den eigentlichen Zweck des Spiels zu kennen. Direkt im Anschluss daran tätigten sie einen fiktiven Einkauf. Innerhalb von einer Minute sollten sie eine begrenzte Anzahl von auf Karten abgebildeten Lebensmitteln in ihren Einkaufswagen legen. Als Belohnung winkte die Aussicht, eines der ausgesuchten Lebensmittel mit nach Hause nehmen zu können.

„Wir haben keine totale Kehrtwende zugunsten der Wahl gesunder Optionen gesehen, aber ihr Anteil erh√∂hte sich bei Kindern, die das Gehirntraining absolviert hatten, von 30 Prozent auf √ľber 50 Prozent der eingekauften Lebensmittel „, sagt Porter. „Das Alter hat keinen Einfluss darauf, ob das Spiel funktioniert oder nicht, was bedeutet, dass auch Kinder, die erst vier Jahre alt sind, von dem Spiel profitieren k√∂nnen.“ Zu einem √§hnlichen Ergebnis f√ľhrte bereits eine fr√ľhere Studie, bei der eine App entwickelt wurde mit dem Ziel, Erwachsene bei der Vermeidung ungesunder Lebensmittel und der Gewichtsreduktion zu unterst√ľtzen.

Die Kinder einer Kontrollgruppe spielten dasselbe Computerspiel, allerdings bestand bei ihnen kein Zusammenhang zwischen der Art des Smileys und dem Gesundheitswert der abgebildeten Lebensmittel. In einer zweiten Kontrollgruppe wurden andere Bilder (keine Lebensmittel) verwendet. Bei beiden Kontrollgruppen zeigte sich kein Effekt des Computerspiels auf die Lebensmittelauswahl während des fiktiven Einkaufs.

„Es ermutigt zu sehen, dass dieses Computerspiel das Potenzial besitzt, die Lebensmittelauswahl von kleinen Kindern und Erwachsenen gleicherma√üen zu verbessern“, freut sich die Seniorautorin der Studie Dr. Natalia Lawrence. „Wie wir alle wissen, ist es unglaublich wichtig, gesunde Essgewohnheiten von klein auf zu f√∂rdern; Kinder in Gro√übritannien essen durchschnittlich dreimal mehr Zucker als empfohlen und nicht genug Obst und Gem√ľse. Dieses Spiel ist ein Versuch, auf einfache und relativ lustige Art das Gleichgewicht wieder herzustellen.“ Und ihre Kollegin Lucy Porter erg√§nzt: „Dieses einfache Spiel erledigt die ganze harte Arbeit f√ľr sie. Es geht nicht darum, etwas bewusst zu lernen, es geht darum, mit automatischen Antworten zu arbeiten. Dieses Spiel wird nicht die Wirkung von Junk-Food-Werbung oder Produktpromotionen beseitigen, aber es k√∂nnte den Menschen ein bisschen Kontrolle zur√ľckgeben.“

Als Teil der Forschung kann das Computerspiel nun auch von Zuhause aus gespielt werden.¬† Die Wissenschaftler interessieren sich in diesem Zusammenhang daf√ľr, ob sich die Lebensmittelauswahl auch unter diesen Bedingungen g√ľnstig ver√§ndert und was Eltern und Kinder von dem Spiel halten. Unbekannt ist auch noch, wie lange der g√ľnstige Effekt auf die Lebensmittelauswahl anh√§lt.

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verfasst von am 8. Juni 2017 um 06:07

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2 Kommentare zu “Computerspiel f√∂rdert gesunde Ern√§hrung”

  1. Maria sagt:

    Es ist schon sehr interessant, dass es nun dazu auch ein Computerspiel gibt… Aber meiner Meinung nach ist das unn√∂tig.
    Gesunde Ern√§hrung m√ľssen Kinder von Ihren Eltern lernen!

    Eltern stehen in der Pflicht, ihren Kindern sowas beizubringen.

  2. Marian sagt:

    Und trotzdem haben Eltern heutzutage nunmal mehr zu tun als ihren Kindern beizubringen, dass sie die Einzigen sind, die keine tolle Schokolade zum Mittag bekommen d√ľrfen, auch wenn jeder andere im Kindergarten es darf.

    Ich finde die Idee super und ein Anstieg von 30 auf 50% ist schon nicht zu unterschätzen!

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