Darm-Laktobazillen mögen kein Salz

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Erstmals wurde nachgewiesen, dass sich ein hoher Salzkonsum ung√ľnstig auf die Konzentration von Milchs√§urebakterien im Darm auswirkt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf das Immunsystem, sondern kann die Entstehung von Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen beg√ľnstigen, berichten Wissenschaftler.

Die eher salzreiche westliche Ern√§hrungsweise beg√ľnstigt Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Aber wie Salz die Bakterien im Darm beeinflusst, hat bisher niemand untersucht“, erl√§utert Prof. Dominik M√ľller vom Max-Delbr√ľck-Centrum f√ľr Molekulare Medizin (MDC) und der Charit√© ‚Äď Universit√§tsmedizin Berlin. Unter Leitung von Prof. M√ľller hat ein interdisziplin√§res Forscherteam nun erforscht, welche Auswirkungen ein hoher Salzkonsum auf die Darmflora von Menschen und M√§usen hat, und welche physiologischen Folgen sich daraus ergeben. √úber ihre Ergebnisse berichteten die Wissenschaftler aktuell in der renommierten Fachzeitschrift Nature.

Demnach dezimierte ein √ľberm√§√üiger Salzkonsum bei M√§usen die Besiedlung des Darms mit Laktobazillen. Zugleich stieg der Blutdruck an und auch die Anzahl der Th17-Helferzellen nahm zu. Diese Zellen des Immunsystems sind an der Entstehung von Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose beteiligt. Durch die zus√§tzliche Gabe von Laktobazillen zum salzreichen Futter verringerte sich die Anzahl der Th17-Helferzellen wieder und der Blutdruck sank. Zudem wurden die neurologischen Symptome einer Erkrankung, die der menschlichen Multiplen Sklerose gleicht, abgemildert. „Darmbakterien beeinflussen den Wirtsorganismus, au√üerdem ist im Darm das Immunsystem sehr aktiv“, fasst der Erstautor der Studie Dr. Nicola Wilck zusammen. Die aktuellen Beobachtungen lassen darauf schlie√üen, dass das Mikrobiom an der Entstehung von durch Salz beeinflussten Erkrankungen beteiligt ist.

Inwieweit die Ergebnisse aus der Tierstudie auch f√ľr den menschlichen Organismus zutreffen, wurde in einer Pilotstudie an zw√∂lf gesunden M√§nnern √ľberpr√ľft. Im Anschluss an die anf√§ngliche Bestimmung der Bakteriengemeinschaft ihres Verdauungstrakts erhielten die M√§nner f√ľr zwei Wochen zus√§tzlich zu ihrer √ľblichen Ern√§hrung t√§glich sechs Gramm Kochsalz. Hierdurch verdoppelte sich in etwa ihre t√§gliche Salzzufuhr. Die Darm-Laktobazillen reagierten prompt: Bereits nach 14 Tagen waren kaum noch Bakterien dieser Gattung nachweisbar. Zugleich stiegen Blutdruck und die Anzahl der Th17-Helferzellen an.

Obwohl die Bedeutung der Darmflora bei der Entstehung verschiedenster Erkrankungen immer mehr diskutiert wird, ist nach wie vor weitgehend unbekannt, wie der menschliche Organismus mit der Darmflora interagiert. „Unsere Studie geht √ľber die Beschreibung der Ver√§nderungen durch Salz hinaus. Wir wollten zusammenh√§ngende Prozesse betrachten‚Äú, betont Prof. M√ľller. Allerdings h√§tten er und seine Kollegen die exakten Wechselwirkungen noch nicht vollst√§ndig aufgekl√§rt, r√§umt Prof. M√ľller ein. „Wir k√∂nnen nicht ausschlie√üen, dass es andere salzempfindliche Bakterien gibt, die √§hnlich wichtig sind.“

Die derzeitigen Studienergebnisse lassen allerdings nicht auf die therapeutische Wirksamkeit von Laktobazillen, die nat√ľrlicherweise in fermentierten Speisen wie K√§se, Joghurt oder Sauerkraut enthalten sind, schlie√üen. Daher k√ľndigten die Wissenschaftler bereits eine erg√§nzende Studie an. „Wir planen eine Blutdruck-Studie mit menschlichen Probanden: doppelblind, mit gr√∂√üerer Teilnehmerzahl, mit beiden Geschlechtern und Placebo-kontrolliert“, verr√§t Dr. Wilck. Danach k√∂nne √ľber die therapeutische Anwendung von Probiotika nachgedacht werden, so Dr. Wilck.

Anmerkung der Redaktion:
Die Reduktion der Salzmenge in unserer Ernährung, insbesondere in unseren verarbeiteten Lebensmitteln, wäre wohl als erste Maßnahme empfehlenswert.

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verfasst von am 14. Dezember 2017 um 07:14

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