Der Spion auf der Lebensmittelverpackung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 8. Juli 2014

Intelligente Etiketten informieren Verbraucher

In Zukunft könnten intelligente Etiketten, sogenannte „Smart Labels“, die Sicherheit von Lebensmitteln erhöhen, Gesundheitsrisiken verringern und zugleich Lebensmittelverschwendung eindämmen. Alles nur Zukunftsmusik? Nicht ganz: Im Rahmen des Projekts „IQ-Freshlabel“ wurden am Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ) Bremerhaven zwei Smart Labels entwickelt.

Beispiel für ein Smart Label

© ttz_pr

 

Was können Smart Labels?

Temperaturkontrolle: Diese technologische Neuheit registriert die Temperatur und hilft die Einhaltung der Kühlkette von Lebensmitteln zu beurteilen. Anhand von Farbveränderungen des Indikators auf dem Etikett kann der Verbraucher auf einen Blick feststellen, ob die Kühlkette bei einem Lebensmittel eingehalten wurde. Werden tiefgekühlte Lebensmittel durchgehend bei -18°C transportiert und gelagert (geschlossene Kühlkette), kann eine lange Haltbarkeit (ca. 18-24 Monate) erzielt werden.

Kontrolle der Gasatmosphäre: Leicht verderbliche Lebensmittel (zum Beispiel Geflügelprodukte) werden heutzutage häufig unter einer Schutzatmosphäre verpackt. Der frühzeitige Verderb kann jedoch nur verhindert werden, wenn die Verpackung dicht ist und kein Gas aus der Umgebung eintreten kann. Zur Überprüfung der Schutzatmosphäre wurden Smart Labels entwickelt, die das Eindringen von Sauerstoff durch farbliche Veränderungen anzeigen.

Alles hat seinen Preis

Beide Etiketten dienen damit in erster Linie zur Beurteilung der Frische von Lebensmitteln. Die deutlich auf der Verpackungsoberfläche sichtbaren Qualitätsindikatoren sollen außerdem zu Verbesserungen bei der Verpackung und dem Transport von Lebensmitteln beitragen und Lebensmittelmüll reduzieren. Schon heute finden sich Smart Labels auf Fleischverpackungen in der Schweiz und der Ukraine sowie auf verpacktem Fisch in den USA.

Über eine Einführung im größeren Stil entscheidet vor allem der Lebensmittelkunde, der die Mehrkosten für Smart Labels wohl direkt über den Lebensmittelpreis finanzieren wird. Abhängig vom Produktionsumfang und der Technologie des Etiketts kostet ein einzelnes Etikett ca. vier bis zehn Cent. Bei einer Umfrage waren die rund 2500 Verbraucher aus Deutschland, Finnland, Südfrankreich und Griechenland bereit, 20 Cent mehr für ein entsprechend etikettiertes Produkt zu bezahlen. Bleibt abzuwarten, ob diese Kaufabsicht tatsächlich beim Lebensmitteleinkauf realisiert wird und auch erhalten bleibt, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist.

Quellen einblenden

verfasst von am 8. Juli 2014 um 07:26

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Für die Schriftenreihe der Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewählt. Das dabei entstandene Ernährungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verfügung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2017 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

3 Kommentare zu “Der Spion auf der Lebensmittelverpackung”

  1. Lars sagt:

    Ziemlich coole Idee. Die Supermärkte werden wohl nicht so begeistert von diesem Projekt sein, da sich Mängel nun leichter von ernährungsbewussten Kunden erkennen lassen. Solche Verbesserungen des Verbraucherschutzes müssen meiner Meinung nach vom Staat 1. subventioniert und 2. gesetzlich verpflichten gemacht werden.

  2. Julie sagt:

    Das ist doch mal eine sinnvolle Idee. Ich habe zwar vor langer Zeit mal davon gehört, aber das es zwischenzeitlich sowas schon gibt ist wirklich erstaunlich. Es wird auf jeden Fall helfen die Qualität der Lebensmittel deutlich zu verbessern.

    Würde mich interessieren ob das auch gut funktioniert. Was passiert wenn jemand im Sommer einkauft, der Laden etwas warm ist, man sich etwas TK-Ware aus dem Sortiment holt und nach 15 Min. sich umentscheidet und die Ware wieder zurück legt. Die Kühlkette wurde unterbrochen, dadurch hat der Handel nun ein Problem weil sich diese Ware nun nicht wirklich mehr verkaufen lässt.

    • sunrose sagt:

      Ja, gut weiter gedacht. Ich bin mir sicher, das wird auch einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Letztendlich finde ich, dass oft am falschen Ende angesetzt wird. Da werden Verbesserungen versucht, die eigentlich zweitrangig sind, und gleichzeitig wichtige Themen nicht konsequent angegangen werden. Wie z.B. erwiesenermaßen giftige und schädliche Zutaten in Lebensmitteln, die einfach ignoriert anstatt verboten werden!

Kommentar abgeben