Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung warnt: „frei von“-Lebensmittel sind nur bei bestimmten Lebensmittelunvertr√§glichkeiten sinnvoll

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 13. März 2018

Greifen Menschen ohne medizinische Notwendigkeit auf zum Beispiel gluten- oder laktosefreie Lebensmittel zur√ľck, bezahlen sie h√§ufig mehr und riskieren dar√ľber hinaus N√§hrstoffdefizite und gesundheitliche Einschr√§nkungen, warnt die DGE.

Seien es glutenfreie Brote, Pizzen oder Knabberwaren, laktosefreier Joghurt, Kochschinken oder Zwieback: der Absatz sogenannter „frei von“-Lebensmittel ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Beispielsweise gaben Verbraucher im Jahr 2014 rund 285 Millionen Euro f√ľr laktosefreie Lebensmittel und weitere 105 Millionen Euro f√ľr glutenfreie Lebensmittel aus, wobei die Tendenz weiter steigt. Paradoxerweise ergab eine Studie der Gesellschaft f√ľr Konsumforschung, dass vier von f√ľnf K√§ufern laktosefreier Lebensmittel gar keine diagnostizierte Laktoseintoleranz haben. Warum entscheiden sich diese Menschen dennoch f√ľr „frei von“-Lebensmittel?

In ihrer aktuellen Presseinformation f√ľhrt die Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE) diesen Trend auf die Annahme der Verbraucher zur√ľck, durch den Verzehr von „frei von“-Lebensmitteln „generell positive, gesundheitsf√∂rdernde Aspekte, wie eine Gewichtsabnahme oder generell gesundheitliche Vorteile“ zu erzielen. Zugleich stellt die DGE klar, dass gluten- und laktosefreie Lebensmittel nur f√ľr Patienten mit einer Z√∂liakie, Weizenallergie, Weizen- oder Glutensensitivit√§t oder Laktoseintoleranz einen „nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen“ haben. Denn bei diesen Krankheitsbildern besteht die einzig sinnvolle Therapie im Weglassen von Lebensmitteln mit den krankheitsausl√∂senden Inhaltsstoffen, so die DGE. Das zunehmende Angebot an gluten- und laktosefreien Lebensmitteln sowie die Allergenkennzeichnungspflicht erleichtert dieser Patientengruppe die Lebensmittelauswahl und ist aus diesem Grund f√ľr die DGE begr√ľ√üenswert.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass sich viele Menschen ohne entsprechenden (fach-)√§rztlichen Befund ebenfalls f√ľr „frei von“-Lebensmittel entscheiden. Doch entgegen der weitverbreiteten Annahme und diverser Werbeversprechen f√∂rdert der Verzehr glutenfreier Lebensmittel nicht unbedingt eine gesunde Ern√§hrung. Denn das Weglassen des Glutens f√ľhrt zu einer Ver√§nderung des Energiegehalts und der N√§hrstoffzusammensetzung entsprechender Produkte. So haben manche glutenfreien Produkte einen vergleichsweise hohen Fettgehalt, enthalten aber weniger Ballaststoffe, Vitamine der B-Gruppe, Magnesium, Zink und Eisen als herk√∂mmliche Vergleichsprodukte. Da das Angebot an „frei von“-Vollkornprodukten eher gering ist, geht der Verzehr dieser Lebensmittel mit einem geringeren Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebserkrankungen einher. Hinzu kommt der vielfach h√∂here Preis von „frei von“-Lebensmitteln.

Fazit: F√ľr Menschen ohne entsprechende, √§rztlich diagnostizierte Lebensmittelunvertr√§glichkeit verursachen „frei von“ Lebensmittel lediglich Mehrkosten, denen allerdings kein erh√∂hter gesundheitlicher Nutzen gegen√ľbersteht. Im Gegenteil: Das Weglassen einzelner Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen sowie die ver√§nderte N√§hrstoffzusammensetzung von „frei von“-Lebensmitteln erh√∂hen das Risiko f√ľr N√§hrstoffdefizite und k√∂nnen langfristig zu gesundheitlichen Einschr√§nkungen f√ľhren, schreibt die DGE. Wer aus nachgewiesenen gesundheitlichen Gr√ľnden bestimmte Lebensmittel(-inhaltsstoffe) meiden muss, kann mithilfe einer qualifizierten Ern√§hrungsfachkraft seine Ern√§hrung entsprechend modifizieren, wobei drohende N√§hrstoffdefizite ber√ľcksichtigt werden.

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verfasst von am 13. März 2018 um 07:41

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