Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fasten eignet sich nicht zum Abnehmen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 24. April 2018

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist darauf hin, dass Fasten sich nicht zur langfristigen Gewichtsreduktion eignet. Für das Fasten sprechen andere, gesundheitliche und verhaltensbezogene, günstige Effekte, erläutert die DGE.

Fasten ist nicht gleich Fasten. Alle Fastenkuren haben eines gemeinsam: Sie gehen mit einem Verzicht auf Nahrungsmittel und bestimmte Getränke einher. Der Umfang des Verzichts (ob also völlig auf die Nahrungsaufnahme verzichtet wird, nur an bestimmten Tagen nichts gegessen wird oder nur bestimmte Lebensmittelgruppen nicht verzehrt werden) variiert hingegen.

Besonders bekannt sind folgende Fastenformen:

  • Heilfasten: Das Heilfasten ist ein Klassiker unter den Fastenkuren mit Jahrtausende alter Tradition. An einen Vorbereitungstag mit verringerter Energieaufnahme (ca. 1000 Kalorien) und Verzicht auf Koffein, Alkohol und Nikotin schließt sich die eigentliche sieben- bis zehntägige Fastenphase an. Im Gegensatz zum totalen Fasten nehmen Heilfastende in der Fastenphase maximal 500 Kalorien pro Tag flüssige Nahrung (Kräutertees, Gemüsebrühen, Säfte) zu sich. Auf die Fastentage sollten drei Tage folgen, die der schrittweisen Normalisierung des Essverhaltens dienen. Heilfasten sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und kann sich vorteilhaft auf bestimmte Erkrankungen wie das Metabolische Syndrom, chronische Entzündungen, atopische und psychosomatische Erkrankungen auswirken. Gesunde Menschen können das Heilfasten als Einstieg in eine Gewichtsabnahme nutzen, als dauerhafte Methode zur Gewichtsreduktion ist es allerdings nicht geeignet.
  • Basenfasten (hierzu zählt auch die Detox-Kur): Bei dieser Form des Fastens sollen Fastende nur basenbildende Lebensmittel verzehren, beispielsweise reifes Gemüse und Obst, einige Nüsse sowie „hochwertiges“ Lein-, Oliven- oder Rapsöl. Als Getränke eignen sich Quellwasser und verdünnte Kräutertees. Nahrungsergänzend wird zusätzlich die Aufnahme von „Basenpulvern“ empfohlen. Menschen mit Normalgewicht wird eine Fastendauer von maximal zehn Tagen empfohlen, bei Übergewicht kann die Kur auf zwei bis drei Wochen ausgedehnt werden. Durch das Basenfasten soll der Körper entsäuert werden, indem eingelagerte „saure Stoffwechselschlacken“ gelöst und ausgeschieden werden. Allerdings wurde bislang weder die Existenz solcher Schlacken im Körper wissenschaftlich nachgewiesen noch fundiert belegt, dass säurebildende Lebensmittel (wie Fleisch, Wurst, Milchprodukte, Weißmehl, Vollkornprodukte, Teigwaren, Reis, Eier, Kaffee, Süßigkeiten, Alkohol) den Säure-Basen-Haushalt des Körpers stören. Aufgrund der fehlenden Beweise für die Wirkung des Basenfastens und der Gefahr einer zu geringen Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe beim Basenfasten rät die DGE von längerfristigem Basenfasten ab.

  • Intervallfasten: Das Intervallfasten erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Je nach Konzept wird beim Intervallfasten tage- oder stundenweise auf Nahrung verzichtet. Tageweise Intervallfastenkuren unterscheiden sich wiederum in der Wahl ihrer Fastentage. Es gibt Konzepte, bei denen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gefastet wird, bei anderen sind es zwei festgelegte Fastentage pro Woche, oder das Fasten geschieht alternierend im Wechsel mit Nicht-Fastentagen. Im Gegensatz zu anderen Fastenformen ist Intervallfasten als Dauerkost gedacht und soll Fastenden dabei helfen, ihr Gewicht langfristig zu reduzieren. Die bisher bekannten Studien weisen auf einen positiven Effekt des Intervallfastens auf die Gesundheit und die Gewichtsabnahme hin, allerdings fehlen noch Studien zu den langfristigen Folgen dieser Fastenform. Für die DGE ist Intervallfasten nicht sinnvoll zur langfristigen Gewichtsregulation, da konkrete Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl an Nicht-Fastentagen fehlen und eine Umstellung der Ernährung im Sinne einer Auswahl von ernährungsphysiologisch günstigeren Lebensmitteln üblicherweise nicht stattfindet.

Fazit: Wenn das Fasten dazu dient, sich mit der eigenen Ernährung, Gesundheit und dem Körper auseinanderzusetzen, kann es den Einstieg in eine gesundheitsfördernde Ernährung und einen insgesamt gesundheitsbewussteren Lebensstil ermöglichen. Fasten eignet sich allerdings nicht als Gewichtsreduktionsdiät und führt (aufgrund der empfohlenen zeitlichen Begrenzung) nicht zu einer langfristigen Gewichtsabnahme. Unter Umständen kann das Fasten sogar eine ausgewogene Nährstoffzufuhr gefährden. Ältere Menschen, schwangere und stillende Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Essstörungen, Leber- oder Nierenerkrankungen sollten aufgrund der gesundheitlichen Risiken nicht fasten.

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verfasst von am 24. April 2018 um 07:12

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Ein Kommentar zu “Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Fasten eignet sich nicht zum Abnehmen”

  1. Emmi sagt:

    Ein Freund musste neulich wegen seiner CED seinen Ernährungsplan umstellen. Gibt es denn keine Möglichkeit, wie man die Erkrankung mit pflanzlichen Mitteln beilegen kann, ohne dass man die Ernährung umstellt? Fasten an sich beinhaltet ja auch den Verzicht auf Nahrungsmittel. Für mich gehörte da immer der Verzicht auf bestimmte Ingredienzien dazu.

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