Dickmacher spätes Essen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 12. Juli 2016

Kinder und Jugendliche, die sp√§t am Abend essen, sind nicht zwangsl√§ufig h√§ufiger √ľbergewichtig, wie eine britische Studie ergab. Zwischen dem Zeitpunkt des Abendessens und der Energieaufnahme sowie der Nahrungsqualit√§t bestehen demnach allenfalls geringf√ľgige Unterschiede.

F√ľr die Studie, deren Ergebnisse aktuell in der renommierten Fachzeitschrift „British Journal of Nutrition“ publiziert wurden, wurden Daten des britischen Ern√§hrungssurveys (National Diet and Nutrition Survey) aus den Jahren 2008 bis 2012 herangezogen. Sie umfassten Informationen √ľber 768 vier- bis zehnj√§hrige Kinder und 852 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren. Alle Teilnehmer beziehungsweise deren Eltern sollten einmal pro Jahr ein viert√§giges Ern√§hrungsprotokoll f√ľhren, in dem auch der Zeitpunkt der Mahlzeiten dokumentiert wurde. Au√üerdem wurden regelm√§√üig Gr√∂√üe und Gewicht der Kinder und Jugendlichen bestimmt, sodass daraus der Body Mass Index (K√∂rpermassenindex, BMI) bestimmt werden konnte. F√ľr die aktuelle Auswertung wurden die Teilnehmer abh√§ngig vom Zeitpunkt ihres Abendessens in zwei Gruppen eingeteilt: Die „fr√ľhe“ Gruppe a√ü zwischen 14 Uhr und 20 Uhr, die „sp√§te“ Gruppe erst zwischen 20 Uhr und 22 Uhr zu Abend.

Die Ergebnisse kommentierte die Seniorautorin, Dr. Gerda Pot, folgenderma√üen: „Die Ergebnisse unserer Studie sind √ľberraschend. Wir erwarteten, eine Verbindung zwischen sp√§tem Essen und einer Neigung zu √úbergewicht zu finden. Tats√§chlich fanden wir aber keinen derartigen Zusammenhang.“ Dr. Pot gibt allerdings zu bedenken, dass die Anzahl der Kinder, die ihr Abendessen nach 20 Uhr verzehrten, in dieser Studie gering war. Hinzu kommen m√∂gliche Falschangaben, die bei Ern√§hrungsprotokollen nie ausgeschlossen werden k√∂nnen, und das Ergebnis verf√§lscht haben k√∂nnen. Auch wurden Faktoren wie das Auslassen des Fr√ľhst√ľcks, die k√∂rperliche Aktivit√§t sowie die Schlafdauer der Teilnehmer (noch) nicht als St√∂rgr√∂√üen ber√ľcksichtigt.

Die Wissenschaftler suchten zus√§tzlich nach Zusammenh√§ngen zwischen einem sp√§ten Abendessen und der Gesamtenergieaufnahme sowie der N√§hrstoffrelation. Hier bestand ebenfalls kein signifikanter Unterschied in der Energieaufnahme zwischen der Gruppe, die fr√ľh oder sp√§t zu Abend a√ü. Hinsichtlich der N√§hrstoffrelation wurden zwar vereinzelt Unterschiede festgestellt, die aber nicht von gr√∂√üerer Bedeutung f√ľr die gesamte Ern√§hrungsqualit√§t waren. Beispielsweise nahmen vier- bis zehnj√§hrige Jungen, die sp√§t zu Abend a√üen, tags√ľber etwas mehr Eiwei√ü zu sich, w√§hrend die √§lteren M√§dchen weniger Kohlenhydrate aufnahmen.

Noch ist die wissenschaftliche Evidenz in diesem Bereich gering. Sollten die Ergebnisse der aktuellen Studie durch weitere Studien untermauert werden, stellen sie aktuelle Bestrebungen, zus√§tzlich zur Zusammensetzung der Ern√§hrung auch Empfehlungen zum Timing zu geben, infrage. Einstweilen erscheint es sinnvoller, zur Pr√§vention von √úbergewicht den Fokus auf die Quantit√§t (Menge) und Qualit√§t der Ern√§hrung zu richten und f√ľr ausreichend Bewegungsanreize zu sorgen.

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verfasst von am 12. Juli 2016 um 08:11

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Ein Kommentar zu “Dickmacher sp√§tes Essen?”

  1. Michael sagt:

    Sehr guter Artikel!

    Wenn ich Kunden einen Ern√§hrungsplan schreibe, sind sie auch verwundert, dass Sie abends nochmal reinhauen d√ľrfen. Ein paar Punkte sollte man aber bedenken:
    -Gro√üe Mahlzeiten kurz vor dem Schlafen k√∂nnen zu unruhigem Schlaf f√ľhren.
    -Besser 2-4h vor dem Schlafen essen und versuchen, zwischen Abendessen und Fr√ľhst√ľck ca. 12h Zeit zu lassen.
    -Es kommt am Ende des Tages immer auf die Gesamtkalorien an, erst danach geht es um Dinge wie: Mealtiming, Makronährstoffverteilung.

    Mit besten Gr√ľ√üen

    Michael Coenen | Ernährungsberater

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