Die Geheimwaffe der Ambrosia-Pollen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 15. Juli 2015

Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) ist eine unscheinbare Pflanze, hat es aber im wahrsten Sinne des Wortes „in sich“: Bereits Spuren von Ambrosia-Pollen können starke allergische Reaktionen bis hin zu Asthma auslösen. Auf der Suche nach der Ursache dieser extremen Allergenität sind Wissenschaftler auf einen interessanten Verstärkungsmechanismus gestoßen.

Die Ambrosia stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde von dort aus unbeabsichtigt (möglicherweise durch verunreinigtes Vogelfutter) nach Europa gebracht. Inzwischen ist die Pflanze, die zu den einjährigen Unkräutern zählt, auch in Deutschland heimisch geworden. Größere Bestände sind zum Beispiel im Oberrheingraben, in der Lausitz, in Berlin sowie in weiteren Städten zu finden.

Bekannt wurde das Beifußblättrige Traubenkraut wohl in erster Linie durch seine negativen gesundheitlichen Wirkungen. Direkter Hautkontakt mit dem Blütenstand, aber auch schon geringste Mengen Ambrosia-Pollen können bei Menschen heftige allergische Reaktionen wie Asthma auslösen.
Bisher wurde davon ausgegangen, dass das in den Pollen vorhandene Protein „Amb a 1“ für die starke allergene Wirkung der Ambrosia-Pollen verantwortlich ist, da die meisten Menschen nach dem Kontakt mit Ambrosia Antikörper gegen dieses Protein entwickeln. Werden die Pollen eingeatmet, reagiert der Körper mit starken Entzündungen im Lungengewebe, was zu Atemproblemen führen kann.

Diese starke allergene Wirkung der Ambrosia, verbunden mit dem Wunsch, ein wirksames Antiallergikum zu entwickeln, war Anlass für Wissenschaftler der Technischen Universität und des Helmholtz Zentrums in München, die Pflanze eingehender zu untersuchen. In einem selbst etablierten experimentellen Krankheitsmodell testeten sie, wie die einzelnen Pollen-Bestandteile der Ambrosia-Pflanze auf das Lungengewebe wirkten.

Im Laufe von 11 Tagen wurden verschiedene Bestandteile der Pollen intranasal verabreicht. Im Anschluss daran untersuchten die Forscher das Lungengewebe auf Entzündungsmarker wie zum Beispiel spezielle Immunzellen. Auf diese Weise wurde sowohl die Wirkung des gesamten Pollenextrakts als auch die des isolierten Proteins Amb a 1 und eine proteinfreie Fraktion des Pollentrakts untersucht.

Wir konnten zeigen, dass das Hauptallergen Amb a 1 alleine kaum Entzündungen auslöste – im Gegensatz zum gesamten Pollenextrakt, der sehr allergen war„, fasst Dr. Maria Wimmer die Ergebnisse der Tests zusammen. Daher vermuteten die Wissenschaftler, dass zusätzlich zu dem bekannten Allergen Amb a 1 eine weitere Substanz an der allergenen Wirkung des Pollens beteiligt ist.  Der Verdacht fiel auf Adenosin, das hoch konzentriert in Birkenpollen vorkommt. Tatsächlich wurden auch in Ambrosia-Pollen große Mengen der Substanz gefunden, was die Wissenschaftler zu weiteren Experimenten veranlasste. Sie entfernten Adenosin aus dem gesamten Pollentrakt und siehe da: Nach intranasaler Verabreichung wurden nur sehr geringe Entzündungsanzeichen beobachtet. Wurde nur das isolierte Adenosin gegeben, waren ebenfalls kaum allergische Reaktionen in der Lunge zu sehen. Dies bestätigt den Verdacht. dass erst das Zusammentreffen der Pollenproteine mit Adenosin starke allergische Reaktionen hervorruft. „Wie genau Adenosin bei Allergien verstärkend wirkt, können wir leider noch nicht sagen. Aber offensichtlich bindet das Pollenadenosin an die körpereigenen Rezeptoren und kann in Kombination mit anderen Stoffen Allergien auslösen.“ erläutert Wimmer.

Aus anderen experimentellen Studien ist bereits bekannt, dass Adenosin-Rezeptor-Antagonisten gegen Asthma helfen können. Sie blockieren die Bindungsstelle des Rezeptors und verhindern damit die schädliche Wirkung von Adenosin. Diesen Effekt wollen sich nun auch die Wissenschaftler aus München zunutze machen. „Da Adenosin laut unserer Studie ein entscheidender Faktor bei der Ambrosia-Allergie ist, wollen wir im nächsten Schritt testen, ob diese Substanzen (die Adenosin-Rezeptor-Antagonisten) auch hier die asthmatischen Symptome lindern oder einer allergischen Reaktion vorbeugen können„, beschreibt Wimmer ihr weiteres Vorgehen.

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verfasst von am 15. Juli 2015 um 08:09

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Ein Kommentar zu “Die Geheimwaffe der Ambrosia-Pollen”

  1. Das Bild zeigt keine Ambrosia, sondern eine Resede. Ein Beispiel dafür, dass die Ambrosie leicht verwechselt werden kann. Bei der Resede eigentlich nicht so leicht, da Ambrosia nie im Mai blüht.

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