Die Nationale Stillkommission empfiehlt: BeikosteinfĂŒhrung individuell entscheiden

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Dienstag, 9. Juni 2015

In einer aktuellen Stellungnahme betont die Nationale Stillkommission, dass ihre Empfehlungen zur Stilldauer und zur EinfĂŒhrung von Beikost nach wie vor gelten. Demnach sollten SĂ€uglinge mindestens vier Monate lang ausschließlich gestillt und Beikost frĂŒhestens zu Beginn des fĂŒnften Monats eingefĂŒhrt werden.

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Anlass fĂŒr die Stellungnahme war die Aktualisierung der S3-Leitlinie zur AllergieprĂ€vention im Juli 2014, die von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) unter Mitwirkung weiterer medizinischer Fachgesellschaften ausgearbeitet und herausgegeben wurde. Im Unterschied zur vorherigen Version der Leitlinie von 2009 sahen die Vertreter der Fachgesellschaften keine wissenschaftliche Evidenz fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Stilldauer zur PrĂ€vention atopischer Erkrankungen: „Stillen hat viele Vorteile fĂŒr Mutter und Kind. Die aktuelle Datenlage unterstĂŒtzt die Empfehlung, dass fĂŒr den Zeitraum der ersten vier Monate voll gestillt werden soll. (Evidenzgrad A, starke Empfehlung).“

Hinsichtlich des Zeitpunkts fĂŒr die BeikosteinfĂŒhrung wird in der aktuellen S3-Leitlinie zur AllergieprĂ€vention verstĂ€rkt darauf hingewiesen, dass gesicherte Belege fĂŒr einen Vorteil bei einer BeikosteinfĂŒhrung deutlich nach dem vierten Monat fehlen. Die aktuelle Empfehlung zur BeikosteinfĂŒhrung wird ausschließlich mit dem steigenden NĂ€hrstoffbedarf von SĂ€uglingen ab einem Alter von fĂŒnf Monaten begrĂŒndet: „Die zu der Zeit in Deutschland existierende Empfehlung, Beikost nach dem vollendeten vierten Lebensmonat einzufĂŒhren, ist aus GrĂŒnden eines steigenden NĂ€hrstoffbedarfs sinnvoll. Eine Verzögerung der BeikosteinfĂŒhrung soll aus GrĂŒnden der AllergieprĂ€vention nicht erfolgen. (Evidenzgrad A, starke Empfehlung)“.

Obwohl die Fachgesellschaften in ihrer Leitlinie darauf hinweisen, die aktuell gĂŒltigen Empfehlungen in Deutschland zu unterstĂŒtzen, stimmt dies nicht ganz. Denn: Die Herausgeber der nationalen Empfehlungen zur Stilldauer und BeikosteinfĂŒhrung – die Nationale Stillkommission, das Forschungsinstitut fĂŒr KinderernĂ€hrung (FKE), das Netzwerk Junge Familie und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) – empfehlen einen lĂ€ngeren Zeitraum fĂŒr ausschließliches Stillen, und zwar vier bis sechs Monate. Nach PrĂŒfung der wissenschaftlichen Datenlage unter BerĂŒcksichtigung der in der Leitlinie zitierten Studien bleibt die Empfehlung dieser Institutionen, „Beikost individuell in AbhĂ€ngigkeit vom Gedeihen und der EssfĂ€higkeit des Kindes keinesfalls vor dem Beginn des fĂŒnften Monats und nicht spĂ€ter als zu Beginn des siebten Lebensmonats einzufĂŒhren und auch nach der EinfĂŒhrung von Beikost weiter zu stillen, so lange Mutter und Kind mögen.“ Grund dafĂŒr sind sowohl ernĂ€hrungsphysiologischen Aspekten als auch Daten ĂŒber den Zusammenhang zwischen ausschließlichem Stillen, der EinfĂŒhrung von Beikost und dem Wachstum, der Entwicklung und spĂ€teren Krankheitsrisiken des Kindes. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass wissenschaftliche Belege fĂŒr die Aussage, Beikost sei aufgrund des steigenden NĂ€hrstoffbedarfs bereits zwingend ab dem vollendeten vierten Monat erforderlich, fehlen.

  • Da uneinheitliche Handlungsempfehlungen Multiplikatoren (hierzu zĂ€hlen beispielsweise Hebammen, ErnĂ€hrungsberater und KinderĂ€rzte) und Eltern verunsichern, plĂ€diert die Nationale Stillkommission dafĂŒr, basierend auf ihren vorherigen AusfĂŒhrungen, die folgenden im Konsens verabschiedeten Handlungsempfehlungen zum Stillen und zur BeikostfĂŒtterung zu kommunizieren:
    SĂ€uglinge (mit und ohne Allergierisiko) sollten mindestens bis zum Beginn des fĂŒnften Monats ausschließlich gestillt werden.
  • Auch nach Einführung von Beikost – frühestens mit Beginn des fĂŒnften Monats, spĂ€testens mit Beginn des siebten Monats – sollten SĂ€uglinge weiter gestillt werden.
  • Ab wann ein SĂ€ugling innerhalb des genannten Zeitfensters zusĂ€tzlich Beikost benötigt, ergibt sich individuell in AbhĂ€ngigkeit vom Gedeihen und der EssfĂ€higkeit des Kindes.
  • Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind.

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verfasst von am 9. Juni 2015 um 06:20

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