Du siehst, was du isst? – Ernährung und Haut I: Neurodermitis

Autor/in: , Redaktion: Dr. Julia Kluthe-Lebek
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 12. August 2011

Bei einigen Hauterkrankungen taucht immer wieder die Frage auf, ob Lebensmittel die Beschwerden auslösen oder beeinflussen können. Drei Erkrankungen, die in diese Gruppe fallen, sind Neurodermitis, Akne und Psoriasis (Schuppenflechte). Was kann die Ernährung nach aktuellem Wissen hier tatsächlich bewirken?

Atopisches Ekzem (Neurodermitis)

Ein atopisches Ekzem kann auftreten, wenn die Talg- und Schweißdrüsen in der Haut nur unzureichend arbeiten. Die Haut wird dadurch trocken und glanzlos. In der Folge juckt sie, schuppt sich, nässt und verkrustet vielleicht. In dieser Weise verändert sich bei Betroffenen die Haut häufig an der Innenseite von Gelenken, aber auch andere Stellen wie Kopf und Hals kann es treffen. Die Veranlagung für ein atopisches Ekzem wird vererbt. Einen Ausbruch können z. B. Stress und Allergene oder ein gestörter Fettstoffwechsel der Haut hervorrufen. Meist lassen die Beschwerden mit zunehmendem Alter nach.

Spielen Lebensmittel als mögliche Auslöser für ein atopisches Ekzem eine Rolle? Hier gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. Viele Kinderärzte und Allergologen sehen in Nahrungsmitteln durchaus mögliche Auslöser für ein atopisches Ekzem. Befürworter eines Zusammenhangs nehmen an, dass Allergien gegen Lebensmittel das Ekzem auslösen können (s. Tabelle). Sie machen Nahrungsbestandteile für die Beschwerden verantwortlich. Diese könnten nach der Nahrungsaufnahme durch die Darmwand ins Blutgefäßsystem gelangen und von dort aus weitere Organe, so auch die Haut, erreichen, wo sie Beschwerden verursachen können.

Einfluss der Ernährung auf ein atopisches Ekzem:

Pro Contra
Für einen Zusammenhang sprechen Entzündungsbotenstoffe im Darm bei Menschen, die an einem atopischen Ekzem erkrankt sind. Trotz entzündlicher Botenstoffe im Darm treten in der Regel keine Magen-Darm-Beschwerden auf.
In vielen Fällen gelingt der Nachweis von Antikörpern bzw. es zeigen sich Hautreaktionen, die auf eine Lebensmittelallergie hinweisen (RAST, Pricktest). Die entsprechenden Tests können fehlschlagen. Außerdem muss eine Lebensmittelallergie nicht mit einem atopischen Ekzem zusammenhängen.
Einige Lebensmittel können die Beschwerden verbessern (nach Weglassen) bzw. diese bedingen (nach Verzehr). In manchen Fällen hilft es nicht, nachweislich allergen wirkende Lebensmittel wegzulassen.
Eine veränderte Ernährung kann einer Allergie-Erkrankung Neugeborener vorbeugen. Eine umgestellte Ernährung verzögert bei Neugeborenen mit Risiko für ein atopisches Ekzem einen Ausbruch, kann diesen jedoch nicht verhindern.

Dass eine Lebensmittelallergie ein atopisches Ekzem hervorruft, scheint manchmal, wenn auch eher selten, der Fall zu sein. Bei kleinen Kindern tritt diese Verbindung etwas häufiger auf. So ist bei 20 Prozent der Kinder unter vier Jahren mit atopischem Ekzem eine Lebensmittelallergie nachweisbar. Eine direkte Auswirkung von Lebensmitteln auf die Schwere des Ekzems lässt sich bei Kindern mit gleichzeitig nachgewiesener Lebensmittelallergie in 40 Prozent der Fälle feststellen. Bei diesen kann es helfen, das betreffende Lebensmittel wegzulassen. Die sechs häufigsten Allergieauslöser unter den Lebensmitteln sind Weizen, Milch, Soja, Fisch, Eier und Erdnüsse. Diese lösen Lebensmittelallergien vom Soforttyp aus, daneben sind auch Allergene, die zu Pseudoallergien führen, denkbar. Auf keinen Fall sollten jedoch Lebensmittel aufs Geratewohl gemieden werden. Erst nach einem Allergietest sollte über einen Verzicht auf das nachweislich Allergie auslösende Lebensmittel entschieden werden. Da bei Kindern die allergischen Reaktionen meist nach einiger Zeit nachlassen, ist es sinnvoll, die Tests nach zwei Jahren zu wiederholen.

Auf Milch und Ei als mögliche Auslöser einer Lebensmittelallergie zu verzichten, scheint das atopische Ekzem im Allgemeinen nicht zu beeinflussen und ist demnach – vorbeugend eingesetzt – unnötig. Stichhaltige Hinweise dafür, dass eine spezielle Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft das Erkrankungsrisiko des Kindes senkt, fehlen. Auch für probiotische Lebensmittel steht eine schützende Wirkung nicht eindeutig fest.

Eine besondere Ernährung, die nach einer (nachgewiesenen) Lebensmittelallergie ausgerichtet ist, kann in einigen Fällen zu einer Besserung des atopischen Ekzems beitragen.

In Teil II und Teil III erfahren Sie Näheres zu dem Einfluss, den die Ernährung auf die Hauterkrankungen Akne und Psoriasis haben kann.

Quellen einblenden

  • Bader K et al.: Psychrembl Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin, New York 2002, 259. Auflage
  • BDI aktuell: Gastroenterologie. Probiotika – aktueller Stand. 2010;4: 10-12
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: DGE Beratungs-Standards, Bonn, 2009
  • Kaimal S, Thappa DM: Diet in dermatology: Revisited. Indian J Dermatol Venereol Leprol, 2010;76:103-115

Zum Weiterlesen:

Stillen schützt nicht vor Ekzemen

verfasst von am 12. August 2011 um 07:40

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