Du siehst, was du isst? – Ernährung und Haut II: Akne

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 19. August 2011

Akne

Bei einer Akne finden sich in den Talgdrüsen der Haut übermäßig viele hornbildende Zellen, die fertigen Hornzellen trennen sich nur unzureichend voneinander. Dadurch verstopfen die Drüsen leicht, sie bilden vermehrt Talg, und Komedonen (Mitesser) entstehen. Wenn sich die Komedonen entzünden, entwickeln sich die typischen Hautausschläge. Mögliche Ursachen einer Entzündung sind Propionibakterien, aber auch Immunreaktionen auf entzündliche Reize sowie hormonelle Einflüsse kommen in Frage. Letztere führen dazu, dass Akne verstärkt in der Pubertät auftritt. So findet sich bei schätzungsweise über drei Viertel der Jugendlichen Akne auf talgdrüsenreichen Hautgebieten wie Gesicht, Nacken, Brust und Rücken. Oft beeinflusst die Erkrankung das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität nachteilig.

Die Idee einer möglichen Beziehung Akne – Ernährung ist schon etwas älter. Ein wichtiges amerikanisches Dermatologie-Lehrbuch, das in den 50er Jahren gängig war, enthielt entsprechende Empfehlungen. Betroffenen wurde vom Verzehr von Schokolade, Fett, Süßigkeiten und gezuckerten Getränken abgeraten. Auch wenn aktuell von Hautärzten die Krankheitsentstehung überhaupt nicht mehr mit der Ernährung in Verbindung gebracht wird, hält sich bei vielen Betroffenen der Glaube an einen möglichen Zusammenhang.

Einige neuere Studien haben das Thema wieder aufgegriffen. Forscher stellten dabei fest, dass laut Berichten bei Volksgruppen mit nicht-westlichem Ernährungs- und Lebensstil (z. B. Inuit, Okinawa-Insulaner u. a.) Akne völlig fehlt. Diese Beobachtung spricht für den Einfluss von Umwelt-Faktoren, die zu der feststehenden erblichen Veranlagung hinzukommen könnten. Zu den möglichen Umweltfaktoren zählt unter anderen auch die Ernährung. Diese könnte eine Akne-Entwicklung in drei möglichen Punkten beeinflussen:

Teilung der hornbildenden Zellen und Hornzell-Abschilferung

Menschen, die lange Zeit Kohlenhydrate über Lebensmittel mit hoher glykämischer Last (1) zu sich nehmen, schütten vermehrt Insulin aus. Insulin regt wiederum die Freisetzung von Wachstumsfaktoren an und verstärkt deren Wirkung. Dadurch wird das Wachstum der hornbildenden Zellen beschleunigt und die Abschilferung der Hornzellen erhöht, wodurch die Akne-Erkrankung begünstigt werden könnte. Vor diesem Hintergrund könnten Lebensmittel mit niedriger glykämischer Last für Akne-Betroffene vorteilhaft sein.

Hormon-vermittelte Talgproduktion

Sowohl Insulin als auch durch Insulin vermehrt freigesetzte Wachstumsfaktoren veranlassen den Körper, mehr Androgene (Sexualhormone) herzustellen und machen diese besser verfügbar. Zusätzlich steigern Insulin und die Wachstumsfaktoren die Talgproduktion.

Entzündung

Omega-6-Fettsäuren wirken im Körper entzündungsfördernd im Gegensatz zu den entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Deshalb ist es wichtig, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren in einem günstigen Verhältnis zueinander aufzunehmen. Die typische westliche Ernährung liefert hier zu viele Omega-6-Fettsäuren (10:1) im Gegensatz zu nicht-westlichen Diäten (3:1 oder 2:1) (2). Für eine Akne fördernde Wirkung der Omega-6-Fettsäuren sprechen auch die Ergebnisse einer amerikanischen Studie, denn bei Betroffenen, die LTB4-Blocker (3) einnahmen, ging nach drei Monaten die Akne stark zurück.

Die dargestellten Zusammenhänge unterstützen die Vermutung, dass Akne-Beschwerden über die Ernährung beeinflusst werden könnten. Viele Schlussfolgerungen decken sich mit den allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. Ob und inwiefern diese für eine Akne-Therapie bedeutsam sind, bleibt weiter zu untersuchen.

(1) Die glykämische Last beschreibt die Auswirkung eines Lebensmittelverzehrs auf den Blutzucker. Im Gegensatz zum glykämischen Index wird dabei der Gesamtgehalt an Kohlenhydraten eines Lebensmittels berücksichtigt. Je höher der Wert für die glykämische Last ist, desto stärker steigt der Blutzucker nach dem Verzehr des Lebensmittels an.

(2) Die „nicht-westliche“ Ernährung ist frei von verarbeiteten Lebensmitteln, Getreidekörnern, Milchprodukten, raffiniertem Zucker und raffinierten Ölen und besteht vor allem aus frischem Obst und Gemüse, magerem Fleisch, Fisch und Meerestieren. Von einem Verzicht auf Getreide- und Milchprodukte sollte wegen eines möglichen Calcium-Mangels und der starken Einschränkungen, die damit einhergehen, abgesehen werden, zumal ein Zusammenhang in der Praxis noch nicht ausreichend belegt ist.

(3) LTB4-Blocker hemmen den entzündlichen Botenstoff Leukotrien- B4, der aus Omega-6-Fettsäuren gebildet werden kann.

Quellen einblenden

  • Bader K et al.: Psychrembl Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin, New York 2002, 259. Auflage
  • Dunn LK, O’Neill JL, Feldman SR: Acne in adolescents: quality of life, self-esteem, mood, and psychological disorders. Dermatol Online, 2011;17(1):1.
  • Kaimal S, Thappa DM: Diet in dermatology: Revisited. Indian J Dermatol Venereol Leprol, 2010;76:103-115
  • Kurokawa I, Danby FW, Ju Q, Wang X, Xiang LF, Xia L, Chen W, Nagy I, Picardo M, Suh DH, Ganceviciene R, Schagen S, Tsatsou F, ZouboulisCC: New developments in our understanding of acne pathogenesis and treatment. Experimental Dermatology 2009; 18: 821–832.

Zum Weiterlesen:

verfasst von am 19. August 2011 um 06:51

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