Ein Vitamin-B12-Mangel bleibt häufig unerkannt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 11. Februar 2015

Bei unklaren neurologischen Symptomen sollte an einen Vitamin-B12-Mangel gedacht werden – insbesondere bei Vegetariern und Veganern. Das Tückische daran: Selbst mit Bluttests lässt sich ein Mangel des Vitamins nicht immer nachweisen.

Der menschliche Körper benötigt Vitamin B12 für die Blutbildung, die Zellteilung und die Funktion des Nervensystems. Ein Vitaminmangel äußert sich zunächst unspezifisch – beispielsweise durch Blässe, Müdigkeit, Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder eine Depression. Die als charakteristisch betrachtete megaloblastäre Anämie (pernizöse Anämie) tritt dagegen nicht immer auf, was ein möglicher Grund dafür ist, dass ein Vitamin-B12-Mangel nicht oder oft erst spät erkannt wird.

Obwohl die durchschnittliche Vitamin-B12-Aufnahme in Deutschland mit rund 5 Mikrogramm pro Tag deutlich über den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 3 Mikrogramm liegt, sind zahlreiche Personengruppen hierzulande von einem Mangel betroffen. Dazu zählen vor allem ältere Menschen und Schwangere aufgrund ihres erhöhten Vitamin-B12-Bedarfs, außerdem auch langjährige Vegetarier und Veganer. In Untersuchungen der Uniklinik Saarbrücken wurde festgestellt, dass 70 Prozent der Vegetarier und sogar 90 Prozent der Veganer einen Vitamin-B12-Mangel haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Vitamin B12 hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln zu finden ist. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Die körperlichen Vitamin-B12-Speicher reichen bei absoluter Vitamin-B12-Abstinenz (beispielsweise beim Übergang auf eine vegane Ernährungsweise) etwa drei Jahre. Weitere Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel sind Menschen, bei denen die Aufnahme von Vitamin B12 gestört ist, beispielsweise aufgrund einer chronischen Gastritis, einer Magenresektion oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Auch Medikamente, welche die Magensäuresekretion hemmen sowie Metformin können die Vitamin-B12-Aufnahme beeinträchtigen.

Wenn ein Vitamin-B12-Mangel nicht erkannt wird, liegt dies nicht nur an den unspezifischen Symptomen, sondern auch an Problemen beim Nachweis des Mangels mit Hilfe eines Bluttests. Im Blut wird Vitamin B12 entweder an Transcobalamin oder an Haptocorrin gebunden. Aus Kostengründen wird üblicherweise nur die Gesamtkonzentration des Vitamins im Blut bestimmt. Die Ergebnisse dieses Tests sind jedoch in 22 bis 35 Prozent der Fälle falsch-negativ. Ein tatsächlich vorhandener Vitaminmangel wird dann nicht erkannt. Experten empfehlen daher, anstelle des Gesamtvitamingehalts nur die Konzentration von Holo-Transcobalamin (Vitamin B12, das an Transcobalamin gebunden ist) zu bestimmen. Diese Auffassung teilt auch Prof. Rima Obeid von der Uniklinik Saarbrücken: „Nur der Holo-Transcobalamingehalt lässt erkennen, wie viel verwertbares Vitamin B12 für die Körperzellen verfügbar ist.“ Sie plädiert für die Bestimmung dieses Markers, auch wenn dadurch höhere Kosten anfallen. „Im Vergleich zu den entstehenden Folgekosten fallen die knapp 50 Euro für die Bestimmung des Holo-Transcobalamins nicht ins Gewicht“, ist Obeid überzeugt.

verfasst von am 11. Februar 2015 um 07:06

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Für die Schriftenreihe der Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewählt. Das dabei entstandene Ernährungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verfügung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2017 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

5 Kommentare zu “Ein Vitamin-B12-Mangel bleibt häufig unerkannt”

  1. Basti sagt:

    Sehr erschreckender Artikel. Ich dachte nicht, dass die Zahlen auch bei Vegetariern so hoch beim Vitamin B12 Mangel sind. Bei meiner 1 wöchigen veganen Challenge wusste ich, dass ich bei einer Woche keine Probleme bekomme, da die körpereigenen Speicher lange genug halte. Aber ich bin jetzt über 2 Jahre Vegetarier und werde in Zukunft da mehr drauf achten, danke für die Information.

  2. läufer sagt:

    Wichtig ist bei dem Thema aber auch zu wissen dass B12 Nahrungsergänzungsmittel nicht immer vegan oder vegetarisch sind. Es ist oft Gelatine usw. enthalten, die nicht vegetarisch ist. Man sollte also als Veganer speziell vegane Präparate nutzen.

  3. Gero sagt:

    Als Vegetarier oder Veganer gibt es auch noch pflanzliche Alternativen wie Algen oder Sauerkraut. Allerdings ist die Aufnahme von Vitamin B12 über Nahrungsergänzungsmitteln natürlich einfacher zu dosieren.

  4. Marita sagt:

    Hallo Gero! Es gibt für Veganer zwar pflanzliche Alternativen, aber der Gehalt an Vitamin B12 ist so niedrig, dass sich der Bedarf ohne Ergänzung auch kaum decken lässt. Selbst mit tierischen Produkten lässt sich der Bedarf nicht immer decken.

  5. Vita sagt:

    Da muss ich läufer zustimmen. Da werden oft Fehler begangen, wiel man denk Nahrungsergänzungen sind immer Vegan. Deswegen sollte man auf alle Fälle darauf achten, dass es gekennzeichnet wird.

Kommentar abgeben