Eine f√ľr alle? Die ideale Ern√§hrungsweise ist auch eine Frage der Gene

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Dieselbe Ern√§hrungsweise kann sich bei verschiedenen Menschen unterschiedlich auf den Stoffwechsel und die Gesundheit auswirken. Schuld daran sind die Gene, meinen Wissenschaftler und raten zu einer Abkehr von pauschalen Ern√§hrungsempfehlungen. Sollte in Zukunft ein Gentest vor jeder Ern√§hrungsberatung durchgef√ľhrt werden?

Wenn die gesundheitlichen Folgen einer bestimmten Ern√§hrungsweise bei Menschen mit vergleichbarem Lebensstil stark voneinander abweichen, liegt der Verdacht nahe, dass genetische und/oder metabolische Unterschiede zum Greifen kommen. Dr. William Barrington und seine Kollegen gingen diesem Verdacht nach und haben in einer umfassenden Studie die Auswirkungen von vier g√§ngigen Ern√§hrungsweisen auf die Gesundheit von vier verschiedenen M√§usest√§mmen untersucht. M√§use sind ‚Äď ebenso wie der Mensch ‚Äď pr√§disponiert f√ľr Adipositas (Fettleibigkeit) und das Metabolische Syndrom. Daher k√∂nnen durch die Forschung an verschiedenen M√§usezuchtlinien die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Ern√§hrungsweisen f√ľr genetisch verschiedene Menschen modellhaft ermittelt werden. Ein weiterer Vorteil besteht in der vergleichsweise einfachen Kontrolle von Umweltfaktoren.

Die M√§use des selben Zuchtstamms erhielten jeweils f√ľr sechs Monate unterschiedliches Futter, das den Kriterien von vier verbreiteten menschlichen Ern√§hrungsformen entsprach:

  • Mediterrane Kost,
  • traditionell japanische K√ľche,
  • westliche Ern√§hrung (fett- und kohlenhydratreiche Ern√§hrung in westlichen Industriel√§ndern) oder
  • Atkins-Di√§t (fettreiche, kohlenhydratarme Ern√§hrung).

Die f√ľnfte Gruppe erhielt ein Standardfutter f√ľr M√§use. Bei der Umsetzung der verschiedenen Ern√§hrungsformen ber√ľcksichtigten die Wissenschaftler viele charakteristische Details. Beispielsweise war Reis bei der fischreichen, traditionell japanischen Ern√§hrungsweise die Hauptkohlenhydratquelle, w√§hrend bei der mediterranen K√ľche stattdessen Weizen verwendet wurde. Au√üerdem wurde der japanischen Kost ein Gr√ľnteeextrakt zugegeben und bei der mediterranen Ern√§hrung Rotweinextrakt. Alle Tiere hatten freien Zugang zu ihrem Futter.

Bei der Auswertung der vielen ber√ľcksichtigten gesundheitlichen Folgen stellten die Wissenschaftler fest, dass keine der Ern√§hrungsformen einheitliche Auswirkungen auf alle vier genetisch unterschiedliche Zuchtlinien hatte. Insgesamt war die westliche Ern√§hrungsweise in allen St√§mmen mit den meisten negativen gesundheitlichen Auswirkungen wie Adipositas (Fettleibigkeit), Fettleberkrankheit und stark erh√∂hten Cholesterinwerten verbunden. Allerdings variierte das Ausma√ü dieser negativen Effekte stark zwischen den verschiedenen M√§usest√§mmen, und ein Stamm schien tats√§chlich nahezu resistent gegen die meisten negativen Konsequenzen dieser Ern√§hrungsweise zu sein. Bei zwei M√§usest√§mmen f√ľhrten die beiden fettreichen Ern√§hrungsformen westliche Ern√§hrung und Atkins-Di√§t zu entgegengesetzten Auswirkungen: W√§hrend in einem Stamm die M√§use unter einer westlichen Ern√§hrungsweise h√§ufiger an Adiposias erkrankten und pr√§disponiert f√ľr eine Fettleber und weitere negative gesundheitliche Effekte waren, traten keine negativen Effekte unter der fettreichen, kohlenhydratarmen Atkins-Di√§t auf. Dagegen reagierten die M√§use des anderen Stammes auf die Atkins-Di√§t mit Adipositas und Symptomen des Metabolischen Syndroms, schienen allerdings die westliche fett- und kohlenhydratreiche Ern√§hrungsweise besser zu vertragen.

Außerdem schienen sich die Adipositasursachen zu unterscheiden, wie Dr. Barrington berichtet. Während manche Mäuse schlichtweg zu viel Energie zu sich nahmen, aßen andere Mäuse weniger und wurden trotzdem fettleibig.

Bei allen vier St√§mmen f√ľhrte die Atkins-Di√§t zu einem erh√∂hten Energieumsatz ohne Zunahme der k√∂rperlichen Aktivit√§t der Tiere. Allerdings verpuffte dieser eigentlich positive Effekt bei einigen Tieren, die daf√ľr umso mehr von ihrem Futter fra√üen, daher trotz des erh√∂hten Energieumsatzes adip√∂s wurden und mit weiteren negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu k√§mpfen hatten.

Es sei h√∂chst wahrscheinlich, dass das Ausma√ü der unterschiedlichen Reaktionen auf die einzelnen Ern√§hrungsformen auch bei Menschen zu beobachten w√§re, meint Dr. Barrington. Vor diesem Hintergrund kritisiert Dr. Barrington die bisherige Vorgehensweise, die Vorteile und Risiken bestimmter Ern√§hrungsweisen unabh√§ngig von der genetischen Disposition zu verallgemeinern. „Im Anbetracht der hohen genetischen und metabolischen √Ąhnlichkeit von Menschen und M√§usen ist es sehr wahrscheinlich, dass die hohe Vielfalt der Reaktionen auf die verschiedenen Ern√§hrungsweisen, die wir in unserer Studie beobachtet haben, auch auf den Menschen zutreffen“, argumentiert Dr. Barrington. „Da es f√ľr verschiedene Individuen verschiedene optimale Di√§ten gibt, unterstreicht dies die Notwendigkeit, f√ľr jede Person individuell die optimale Ern√§hrungsweise zu identifizieren.“

Auf welche genetischen Merkmale die Ergebnisse der aktuellen Studie konkret zur√ľckzuf√ľhren sind, ist bislang nicht bekannt. Dr. Barrington und seine Kollegen arbeiten daher nun daran, die zugrunde liegenden Gene und biologischen Mechanismen zu identifizieren. Zuk√ľnftig k√∂nnte dann eventuell anhand eines Gentests ermittelt werden, welche Person in welchem Umfang von einer bestimmten Ern√§hrungsweise profitiert ‚Äď oder eben nicht. „Wir haben die Ern√§hrung w√§hrend der letzten 100 Jahre weitgehend auf die gleiche Weise angesehen und sind davon ausgegangen, dass es eine optimale Ern√§hrungsweise f√ľr alle gibt“, res√ľmiert Dr. Barrington. „Nachdem wir nun festgestellt haben, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall ist, denke ich, dass wir zuk√ľnftig in der Lage sein werden, die genetische Faktoren zu identifizieren, die an den unterschiedlichen Reaktionen auf die Ern√§hrung beteiligt sind und diese daf√ľr zu verwenden, menschliche Reaktionen auf eine Ern√§hrungsweise zu prognostizieren“, schlie√üt Dr. Barrington.

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verfasst von am 29. Dezember 2016 um 07:25

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2 Kommentare zu “Eine f√ľr alle? Die ideale Ern√§hrungsweise ist auch eine Frage der Gene”

  1. Theresa sagt:

    vielleicht k√∂nnen die Gene etwas beeinflussen was man isst aber generell w√ľrd ich nicht sagen, dass sich deshalb sooo viel √§ndert! au√üerdem sind die Alternativen an zB kalorienarmen Gem√ľse rar und au√üer Brokkoli und Spinat f√§llt mir nicht allzu viel ein! .. LG und danke an einen interessanten Artikel. Prosit 2017

  2. Bettina sagt:

    Ein ganz wichtiges Thema, dem ich nur zustimmen kann. Dennoch gibt es an der Basis Regeln, die f√ľr alle gelten, und die eigentlich die wichtigsten sind: n√§mlich frische, nat√ľrliche Nahrung zu sich nehmen, die ein Maximum an Mikron√§hrstoffen hat, anstatt denaturiertes, Fastfood, Fertigprodukte usw.

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