Eine pflanzenbetonte Kost senkt Entzündungsmarker bei Übergewicht

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Eine überwiegend pflanzliche Ernährung kann entzündlichen Prozessen entgegenwirken und damit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs schützen. Dies bestätigt eine umfassende Metaanalyse unter Federführung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke, die aktuell in der Fachzeitschrift Obesity Reviews veröffentlicht wurde.

Körpereigenes Fett dient nicht nur als Speichermedium für überschüssige Energie. Insbesondere Fett im Bauchraum und an den inneren Organen besitzt eine erhöhte Stoffwechselaktivität: Es setzt Botenstoffe, sogenannte Adipokine, frei. Einige dieser Adipokine sind entzündungsfördernd und begünstigen damit die Entstehung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit Übergewicht. Da Übergewicht inzwischen weltweit zum Problem wird, interessieren sich viele Fachleute für Ernährungsstrategien, die dabei helfen, trotz eines zu hohen Körpergewichts möglichst gesund zu bleiben.

Dr. Krasimira Aleksandrova und der Doktorand Fabian Eichelmann haben in einer Metaanalyse den Stand der Wissenschaft zur Wirkung einer pflanzenbetonten Ernährung auf den Entzündungsmarker-Spiegel von Menschen mit Übergewicht zusammengefasst. „Eine pflanzenbetonte Kost ist so definiert, dass sie hauptsächlich auf Lebensmitteln wie Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten und Obst basiert. Zudem enthält sie gar kein oder nur sehr wenig Fleisch, kann aber moderate Mengen an Eiern, Milchprodukten und Fisch mit einschließen“, erläutert der Erstautor Fabian Eichelmann. Für die Metaanalyse wurden alle Interventionsstudien berücksichtigt, die zwischen Januar 1946 und Januar 2016 veröffentlicht wurden, deren übergewichtige Teilnehmer mindestens 18 Jahre alt waren und in denen die Wirkung einer pflanzenbetonten Kost mit einer Kontrolldiät verglichen wurde. Außerdem mussten alle Studien ausreichend groß sein, um Unterschiede in den Entzündungsmarker-Spiegeln zuverlässig nachweisen zu können.

Von den ursprünglich im Rahmen der Literaturrecherche identifizierten 2.583 Publikationen erfüllten 29 Studien mit insgesamt 2.689 Probanden alle Einschlusskriterien. Die gemeinsame statistische Auswertung dieser Studien ergab einen Rückgang der Entzündungsparameter C-reaktives Protein (CRP) um 0,55 Milligramm/Liter und Interleukin-6 (IL-6) um 0,25 Nanogramm/Liter bei einer pflanzenbetonten Kost im Vergleich zur Kontrolldiät.

„Unsere Ergebnisse weisen somit darauf hin, dass übergewichtige Menschen durch eine pflanzenbetonte Ernährung ihr Entzündungsmarker-Profil deutlich verbessern und hierdurch möglicherweise selbst viel dazu beitragen können, sogenannten Volksleiden wie Herzinfarkt und Diabetes vorzubeugen“, fasst Studienleiterin Dr. Aleksandrova zusammen. Worauf genau dieser entzündungsreduzierende Effekt zurückzuführen ist, ist bislang nicht bekannt. Fachleute gehen davon aus, dass eher das komplexe Ernährungsmuster der überwiegend pflanzlichen Kost daran beteiligt ist als einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe. Möglicherweise wirkt sich auch eine durch die pflanzenbetonte Ernährung hervorgerufene Gewichtsabnahme günstig auf die Entzündungsparameter aus.

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verfasst von am 27. Oktober 2016 um 09:49

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Ein Kommentar zu “Eine pflanzenbetonte Kost senkt Entzündungsmarker bei Übergewicht”

  1. Sandra sagt:

    Langfristig – d.h. vor allem im Alter sind Entzündungen und Entzündungsneigung immer ein Thema, da die vielen Verschleißerscheinungen oft von Entzündungen begleitet sind. Hier würde ich in Ergänzung zum obigen Beitrag gerne den Fokus zunächst auf das Gluten richten, das über die Jahrzehnte auch bei beschwerdefreien Menschen den Darm malträtiert und so dafür sorgt, dass unerwünschte Stoffe ins den Blutkreislauf vordringen und Reaktionen des Immunsystems auslösen. Neben der späteren Entzündungsneigung im Darm (d.h. Vorstufen von Zöliakie) steigert sich so der Entzündungsindex im ganzen Körper. Somit wäre die im Artikel benannte, überwiegend pflanzliche Kost weiter zu konkretisieren. Neben dem Gluten, v.a. in der im Weizen vorkommenden Variante, sind auch die anderen Getreide „nicht ohne“.
    Hier sind Alternativen gefragt, die aber nicht nur glutenfrei sind (wie etwa Mais, Reis, Hirse) – sondern weniger kohlenhydratbehaftet. Dass Zucker ein Problem ist, wissen die meisten. Dass aber auch andere Kohlenhydrate zu „unerwünschten“ Nebenwirkungen führen, die v.a. durch die jeweils ausgelöste Insulinausschüttung die oben genannte, verstärkte Fettansammlung/-speicherung erst auslösen, ist den meisten nicht bekannt. In einem anderen Artikel von Ernährung-de wird ja bereits auf die „entzündungshemmende Wirkung“ von Nüssen verwiesen, aber letztlich und allgemeiner sind viele pflanzliche Produkte die Lösung, die ein mehr an Eiweiß und ein weniger an Kohlenhydraten mitbringen. Hierbei fällt sofort der Buchweizen als die gesunde Getreidealternative ins Auge, der nicht zu den 7 Getreidegattungen zählt.
    Wir als ehemalige Jäger und Sammler haben uns früher vor allem von Beeren, Nüssen, Obst, Blätter, Wurzeln und auch Fleisch ernährt, eher weniger von Süßgräsern. Und wir haben uns von den genetischen Anlagen im Laufe der letzten 10.000 Jahre nicht signifikant verändert, deshalb geht der in der Metastudie ermittelte Vorteil des hier beschriebene n Ansatzes einer pflanzenbetonten Ernährung vollkommen in die richtige Richtung, und das nicht nur für übergewichtige Menschen – nur: Auf die Details kommt es an, damit auch die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden 😉 …

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