Elterliche Bildung beeinflusst die eigene Gesundheit bis ins hohe Alter

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 23. März 2021

Die Bildung der Eltern wirkt sich nicht nur auf Bildung, Beruf und Einkommen ihrer Kinder aus, sondern auch auf deren Gesundheit. Dies belegt eindr√ľcklich eine Studie von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universit√§t Halle-Wittenberg, deren Ergebnisse unl√§ngst in der Fachzeitschrift „European Sociological Review“ ver√∂ffentlicht wurden.

F√ľr den Werdegang eines Menschen ist dessen Gesundheit von zentraler Bedeutung. „Sie ist nicht nur ein guter Indikator daf√ľr, wie lange ein Mensch lebt. Ges√ľndere Menschen haben in der Regel auch bessere Berufschancen und einen h√∂heren sozialen Status. Der Grundstein f√ľr ein gesundes Leben wird im Kindesalter gelegt, erl√§utert der Soziologe Prof. Dr. Oliver Arr√°nz Becker von der Martin-Luther-Universit√§t. In fr√ľheren Studien wurde nachgewiesen, dass die Gesundheit der n√§chsten Generation von sozio√∂konomischen Faktoren wie dem Einkommen und der Bildung ihrer Eltern abh√§ngt. Dies l√§sst sich beispielsweise dadurch erkl√§ren, dass eine h√∂here Bildung ein gr√∂√üeres Wissen √ľber einen gesunden Lebensstil und Krankheiten bedingt.

In der aktuellen Studie gingen die Wissenschaftler einen Schritt weiter. Sie untersuchten, ob die elterliche Bildung die Gesundheit der Kinder nahezu lebenslang (bis zu einem Alter von 80 Jahren) beeinflusst. Hierf√ľr griffen sie auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), der gr√∂√üten und am l√§ngsten laufenden Panelstudie Deutschlands, zur√ľck. F√ľr das SOEP werden seit mittlerweile √ľber 30 Jahren Manschen aus rund 12.000 Privathaushalten regelm√§√üig zu ihren Lebensumst√§nden befragt. Die Probanden machen Angaben zu ihrer Bildung, Erwerbst√§tigkeit, ihrem Einkommen und ihrer Lebenszufriedenheit und beantworten auch Fragen zu ihrer k√∂rperlichen und psychischen Gesundheit. Da dieselben Personen in j√§hrlichen Abst√§nden erneut befragt werden, lassen sich langfristige Trends untersuchen. F√ľr die aktuelle Studie wurden Probanden der Geburtsjahrg√§nge 1925 bis 1998 ber√ľcksichtigt.

Die Wissenschaftler fanden einen klaren Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und der Gesundheit ihrer Kinder ‚Äď sogar bis ins hohe Alter. „Kinder h√∂her gebildeter Eltern, die also mindestens √ľber einen Abiturabschluss verf√ľgen, bewerteten ihre k√∂rperliche Gesundheit in beinahe allen Altersgruppen deutlich besser als Kinder geringer gebildeter Eltern„, erl√§utert Soziologin Katharina Loter, Co-Autorin der Studie. Bis ins Rentenalter waren die Unterschiede ausgepr√§gter, danach nahmen sie etwas ab. Die Bildung der Eltern hatte auch Einfluss auf die psychische Gesundheit ihrer Spr√∂sslinge, diese waren allerdings weniger deutlich. Interessanterweise scheint der Effekt bei S√∂hnen etwas st√§rker ausgepr√§gt zu sein als bei T√∂chtern. „Wir vermuten, dass geringer gebildete M√§nner vermehrt in Berufen arbeiten, die nicht nur k√∂rperlich oder psychisch anstrengend sind, sondern auch geringe Arbeitssicherheit und niedrigere L√∂hne mit sich bringen, und sie so zus√§tzlich dauerhaft mental belasten„, deutet Loter.

In weiteren Analysen untersuchten Loter und Arr√°nz Becker den Einfluss der Bildung der mittlerweile erwachsenen Kinder auf den Zusammenhang zwischen der Bildung ihrer Eltern und ihrer eigenen Gesundheit. Erreichten die Kinder schlechter gebildeter Eltern dasselbe Bildungsniveau wie die Kinder besser gebildeter Eltern, schwand der Effekt der elterlichen Bildung auf deren Gesundheit. „Dabei hat sich gezeigt, dass die Weitergabe der Bildung der Eltern an die Kinder innerhalb von Familien ein entscheidendes Moment darstellt‚Äú, folgert Loter. ‚ÄěG√§be es in Deutschland mehr bildungsbezogene Aufstiegschancen f√ľr Kinder geringer gebildeter Eltern, w√§ren auch die gesundheitlichen Unterschiede wahrscheinlich geringer„, vermutet sie. Hierbei handele es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, welches sich daraus ergebe, dass das Bildungssystem in Deutschland nicht besonders durchl√§ssig sei: F√ľr ein Kind aus einer Nichtakademikerfamilie ist es nach wie vor deutlich schwieriger, ein Studium zu absolvieren, als f√ľr ein Kind, dessen Eltern ebenfalls Akademiker sind. „Die geringe soziale Mobilit√§t in Deutschland zementiert sich nicht nur in stabilen Ungleichheiten in Bildung, Beruf und Einkommen, sondern eben auch in der Gesundheit – und diese Ungleichheiten werden offenbar bis ins hohe Alter fortgeschrieben„, fasst Arr√°nz Becker zusammen.

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verfasst von am 23. März 2021 um 12:37

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