Entwarnung für Stressesser

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 2. Januar 2014

Welchen Einfluss haben Stresssituationen im Alltag auf Ihr Essverhalten? Fachleute unterscheiden Stressesser von Stresshungerern. Wurde bislang davon ausgegangen, dass Stressesser gesundheitlich die schlechteren Karten haben, so rückt eine experimentelle Studie Stressessen in ein neues Licht.

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© Wolfram Jakob Berlin

Zwischen Stress und dem Essverhalten von Menschen besteht ein Zusammenhang, das ist nicht nur für die Wissenschaftler Dr. Gudrun Sproesser, Prof. Dr. Harald Schupp und Prof. Dr. Britta Renner vom Fachbereich Psychologie an der Universität Konstanz klar. Bisher herrschte die Meinung vor, dass Stressesser, also Menschen, die in Stresssituationen gewohnheitsmäßig mehr Kalorien aufnehmen als üblich, ungesünder leben und zu Übergewicht neigen.

Doch lässt sich diese Annahme stichhaltig belegen? Die Konstanzer Arbeitsgruppe hatte eine andere Vermutung. „Wir haben uns gefragt, ob die Stressesser ihr Essverhalten unter Stress kompensieren, indem sie in positiven Situationen weniger essen. Das würde auch ein ganz neues Licht auf die Stresshungerer werfen, die möglicherweise in positiven Situationen kompensieren, indem sie mehr essen“, erläutert Dr. Gudrun Sproesser. Für ihr Experiment luden die Wissenschaftler 141 Teilnehmer unter dem Vorwand, an einer sensorischen Verkostung von Eiscreme teilzunehmen, ein. Die Probanden, von denen bereits bekannt war, dass sie in Stresssituationen mehr oder weniger als gewöhnlich aßen, wurden in drei Gruppen eingeteilt und erlebten eine stressbehaftete, eine neutrale oder eine positive Situation, bevor sie Eiscreme zum Verkosten erhielten. Dabei wurde betont, dass die Probanden so viel Eis essen könnten, wie sie möchten.

Wie erwartet aßen Stressesser während der stressbehafteten Situation tatsächlich mehr als Stresshungerer. Viel interessanter für die Wissenschaftler war jedoch die entgegengesetzte Beobachtung, dass Stresshungerer in positiv erlebten Situationen deutlich mehr aßen als Stressesser. „Das Essmuster der Stressesser und Stresshungerer hat sich hier komplett umgedreht, so dass wir von einem Kompensationsmuster sprechen können„, erklärt Dr. Gudrun Sproesser. In neutraler Stimmungslage aßen beide Gruppen übrigens vergleichbar viel.

Aufgrund ihrer Ergebnisse warnen die Wissenschaftler davor, Stressessern in stressigen Situationen mehr Selbstdisziplin abzuverlangen. Dies sei nicht nur überflüssig, sondern könnte sogar kontraproduktiv sein. Denn: Wenn die Aufforderung, weniger zu essen, den Stress verstärkt, könnte dies das Gleichgewicht zwischen positivem und negativem Stress und dem damit verbundenen Essverhalten stören. „Das Essverhalten von Stressessern kann dann langfristig zu Übergewicht führen, wenn der Stress überhandnimmt, ohne dass es Ausgleich durch positive Situationen gibt„, so Dr. Gudrun Sproesser.

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verfasst von am 2. Januar 2014 um 12:02

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