Essen: Ein soziales Geschehen mit negativen Konsequenzen f√ľr M√§nner

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Im Fokus der √Ėffentlichkeit neigen M√§nner dazu, deutlich mehr zu essen als √ľblicherweise. Schuld daran ist wohl das unbewusste Bed√ľrfnis, die eigene St√§rke und M√§nnlichkeit unter Beweis zu stellen, wie eine aktuelle Studie ergab.

Das Ziel von Assistenzprofessor Kevin Kniffin von der Cornell-Universit√§t in Ithaca (USA) bestand darin, die Natur des Essens in Wettbewerbssituationen zu erforschen und daraus Implikationen f√ľr andere soziale Essenssituationen abzuleiten. Kniffin und sein Kollege Prof. Brian Wansink, Direktor des Lebensmittel- und Markenlabors an der Cornell-Universit√§t, ersannen hierf√ľr ein Experiment mit jungen Erwachsenen als Hauptakteuren. Kern des Experiments war ein gemeinsames Essen von Chicken Wings mit variierendem Kontext.

Zu Beginn der Studie wurden 24 Studentinnen und Studenten angeworben, deren Body Mass Index (Körpermassenindex, kurz BMI) zwischen 22,5 und 27,5 kg/m2 (also im Bereich Normalgewicht bis leichtes Übergewicht) lag und die in den vergangenen drei Monaten mindestens dreimal Chicken Wings verzehrt hatten. Die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die dann tatsächlich an der Studie teilnahmen, wurden nach dem Zufallsprinzip in Vierergruppen eingeteilt, unter der Bedingung, dass jede Gruppe aus zwei Frauen und zwei Männern bestand.

Alle Probanden hatten im Vorfeld normal gefr√ľhst√ľckt und durften nun innerhalb ihrer Gruppe zum Mittagessen so viele Chicken Wings mit Pommes frites und Krautsalat verzehren, wie sie wollten, wobei die Zeit auf 30 Minuten begrenzt wurde. W√§hrend die Kontrollgruppe keine weitere Instruktionen erhielt, wurde den Teilnehmern der beiden Interventionsgruppen erz√§hlt, dass sie an einem Wettbewerb teilnehmen w√ľrden, in dem es darum ging, m√∂glichst viele Chicken Wings zu essen. Bei einer der beiden Gruppen waren zus√§tzlich 12 Zuschauer anwesend, die die Teilnehmer anfeuerten. Als Preis f√ľr die Gewinner winkte eine offensichtlich wertlose Plastikmedaille. Anschlie√üend wurde f√ľr jede Probandin beziehungsweise jeden Probanden separat gez√§hlt, wie viele Chicken Wings sie/er gegessen hatte und auf Gruppenebene der Beilagenverzehr erhoben. Letzterer wurde allerdings nicht weiter untersucht.

Der Vergleich des Chicken Wings-Verzehrs zwischen den drei Studienstr√§ngen zeigte, dass Probanden in der Wettbewerbssituation viermal mehr Chicken Wings a√üen als unter Normalbedingungen. Waren zus√§tzlich Zuschauer anwesend, a√üen die M√§nner 30 Prozent mehr Chicken Wings als M√§nner der zuschauerlosen Wettbewerbsgruppe. Dagegen ging der Konsum der Frauen unter Zuschauereinfluss um ein Drittel zur√ľck. M√§nner beider Interventionsgruppen beschrieben die Wettbewerbssituation als herausfordernd, cool und spannend, w√§hrend die Situation f√ľr¬† Frauen eher negativ war: Sie f√ľhlten sich gehemmt und fanden den Wettbewerb etwas peinlich.

Um mehr √ľber das gesellschaftliche Ansehen von Wettbewerbsessen zu erfahren, wurden zus√§tzlich zu dem oben beschriebenen Experiment 93 Studentinnen und Studenten gebeten, m√§nnliche und weibliche kompetitive Esser in Bezug auf das Zutreffen bestimmter Charakteristika (Attraktivit√§t, Intelligenz, Romantik, Gesundheit, St√§rke) einzustufen. Hier zeigten sich deutliche Geschlechtsunterschiede: Im Unterschied zu den befragten Frauen gingen die befragten M√§nner davon aus, dass Frauen, die sich beim Essen mit anderen ma√üen, weniger romantisch und attraktiv sind. Kompetitives Essen bei M√§nnern wurde von den M√§nnern mit St√§rke assoziiert.

„Auch wenn M√§nner nicht dar√ľber nachdenken, wird es tendenziell als Zeichen von M√§nnlichkeit und St√§rke verstanden, wenn man(n) mehr isst als sein Freund“, fasst Assistenzprofessor Kevin Kniffin die Studienergebnisse zusammen. Ein Durchbrechen der gesellschaftlichen Norm ist schwer. Kniffins Kollege Prof. Brian Wansink schl√§gt vor, sich bei gesellschaftlichen Essen mehr auf die Freunde als auf das Essen zu konzentrieren. „Wenn Sie beweisen m√∂chten, wie sehr Sie ‚Macho‘ sind, fordern Sie Ihren Freund zu einem gesunden Armdr√ľcken heraus anstatt ihn im Essen zu schlagen.“ Ein Ratschlag, der wohl eher auf die j√ľngere Generation und private Anl√§sse abzielt…

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verfasst von am 22. Dezember 2016 um 07:34

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