Essstörungen: Akzeptanz von Fehlern fördern

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 5. März 2013

Unvollkommen, unzufrieden Рessgestört?

Menschen, die besonders perfekt sein wollen, scheinen auch mit ihrem K√∂rper unzufriedener zu sein. Zu diesem Ergebnis kamen australische Forscher, die Daten von √ľber 1000 Frauen mittleren Alters und unterschiedlichen Gewichts auswerteten. Perfektionismus kann Essst√∂rungen aufrecht erhalten, doch verst√§rkt er auch Risikofaktoren f√ľr diese?

Menschen, die mit dem eigenen K√∂rper sehr unzufrieden sind, entwickeln eher eine Essst√∂rung. Das gilt als nahezu sicher. In die K√∂rperzufriedenheit wiederum scheint das Streben nach Perfektion hineinzuspielen. Wenn nun bekannt ist, welche Aspekte des Perfektionismus mit der K√∂rperunzufriedenheit zusammenh√§ngen, k√∂nnte sich ein Ansatz auftun, einem bedeutsamen Risikofaktor f√ľr Essst√∂rungen entgegenzuwirken.

„Ich habe extrem hohe Ziele.“ „Wenn ich teilweise scheitere, ist das genauso schlimm, als w√§re es ein komplettes Versagen.“ „Meine Eltern stellen sehr hohe Anspr√ľche an mich.“ Das sind drei der 35 Aussagen, zu denen die Studienteilnehmerinnen Stellung bezogen haben. Der Fragenkatalog entspricht der mehrdimensionalen Perfektionismus-Skala nach Frost. Die Befragung sollte zeigen, ob und in welcher Hinsicht die Frauen „perfekt“ sein m√∂chten.

Psychologen betrachten Perfektionismus als ein mehrdimensionales Konstrukt. Die einfachste Variante fu√üt auf nur zwei Dimensionen: perfektionistisches Streben, bei dem die Person zum Beispiel hohe eigene Anspr√ľche hat und gro√üen Wert auf Organisiertheit legt und perfektionistische Besorgnis, die durch die Sorge um Fehler sowie Anspr√ľche und Kritik durch Eltern bestimmt wird.

Um neben dem Hang zum Perfektionismus auch die K√∂rperzufriedenheit zu ermitteln, setzten die Forscherinnen Bilder mit K√∂rpersilhouetten ein. Unter diesen sollten die Teilnehmerinnen die Silhouette ausw√§hlen, die ihnen am meisten √§hnelt, und diejenige, die sie am liebsten h√§tten. In einem Telefoninterview wurden die Teilnehmerinnen au√üerdem zu ihrem Gewicht, ihrer Gr√∂√üe, ihrem Wunschgewicht und ihrem h√∂chsten Gewicht im Erwachsenenalter befragt. Je gr√∂√üer die Diskrepanz zwischen der gew√ľnschten Silhouette oder dem Gewicht und den tats√§chlichen Gr√∂√üen war, desto eher war die Befragte mit ihrem K√∂rper unzufrieden.

In Verbindung mit den Ergebnissen zum Perfektionismus zeigte sich, dass Frauen, die sich den niedrigsten BMI und die kleinste K√∂rpergr√∂√üe w√ľnschten, besorgter waren, Fehler zu machen und sich st√§rker √ľber organisatorische Dinge beunruhigten. Auch hatten sie gr√∂√üere Selbstzweifel. Demnach tun sowohl Aspekte des perfektionistischen Strebens als auch der perfektionistischen Besorgnis ihren Anteil an der K√∂rperunzufriedenheit hinzu.

Die Psychologin Tracy Wade, eine der beiden Wissenschaftlerinnen, die die Studie unternommen haben, meint: „Ein bisschen Perfektionismus ist normal und notwendig, aber ab einem gewissen Punkt wird er nutzlos und zum Teufelskreis.“ In dem Wissen, dass sowohl perfektionistisches Streben als auch perfektionistische Besorgnis zu Essst√∂rungen beitragen k√∂nnen, seien „Alles-oder-Nichts“- Haltungen ebenso anzugehen wie ein Selbstwertgef√ľhl, das sich haupts√§chlich auf die F√§higkeit st√ľtze, hohe Anspr√ľche zu erf√ľllen.

Perfektionismus abzuschw√§chen, k√∂nnte demnach auf einer fr√ľhen Stufe helfen, Essst√∂rungen vorzubeugen, zum Beispiel, indem Bedenken zu Fehlern verringert werden. Dieser Zusammenhang m√ľsse aber noch weiter untersucht werden, meinen die Forscherinnen, vor allem f√ľr die Gruppe der Heranwachsenden, bei denen eine Pr√§vention greifen m√ľsste.

Quelle:
Wade TD, Tiggemann M: The role of perfectionism in body dissatisfaction. Journal of Eating Disorders 2013, 1:2

verfasst von am 5. März 2013 um 08:21

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