Europäische Studie: Spezielle Nährstoffkombination kann Alzheimer-Symptomen im Frühstadium entgegenwirken

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 8. Februar 2018

Menschen mit einer Alzheimer-Demenz im Frühstadium, die regelmäßig ein spezielles Nährstoffpräparat zu sich nahmen, waren laut einer aktuell publizierten Studie im kognitiven und funktionellen Bereich vergleichsweise weniger eingeschränkt und zeigten eine geringere Veränderung des Gehirns. Neuropsychologisch bestand allerdings kein Unterschied zwischen beiden Gruppen.

„Die diagnostische Möglichkeiten bei Alzheimer-Patienten haben sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, leider befinden sich aber die zur Verfügung stehenden pharmakologischen Therapieoptionen für die prodromale Alzheimer-Krankheit [vordementielles Stadium der Alzheimer-Erkrankung] noch im Entwicklungsstadium. Vor diesem Hintergrund ist das mit dieser Studie verbesserte Verständnis um die Bedeutung ernährungsbezogener Interventionen sehr wichtig“, erläutert Prof. Hilkka Soininen, Neurologin und Leiterin des klinischen Teils der Alzheimer-Studie.

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Finnland, Schweden, den Niederlanden und Deutschland hat Soininen im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten, doppelblinden und multizentrischen Studie die Wirkung eines speziellen Nährstoffpräparats auf verschiedene Alzheimer-Symptome und -Veränderungen bei Patienten im Frühstadium untersucht. Die 153 Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten über zwei Jahre einen Trinkjoghurt, der mit essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und anderen Nährstoffen angereichert war. Auch die 158 Mitglieder der Kontrollgruppen tranken regelmäßig einen augenscheinlich identischen Trinkjoghurt, jedoch ohne die speziellen Wirkstoffkomponenten. Etwaige Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf.

Im Anschluss an die zweijährige Interventionsphase führten die Wissenschaftler in beiden Gruppen neuropsychologische Tests durch und testeten außerdem die kognitive und funktionelle Leistungsfähigkeit der Probanden bei der Bewältigung von Aufgaben des täglichen Lebens. Außerdem wurden Veränderungen im Gehirn der Probanden bestimmt. In den neuropsychologischen Tests, die die Bereiche Lernen, Erinnern und Erkennen von Wörtern und das Vertauschen von Buchstaben und Zahlen umfassten, zeigten sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den Gruppen mit und ohne Nährstoffsupplementation. Allerdings schnitten die Probanden der Interventionsgruppe besser bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben ab. Hierzu zählen beispielsweise die Fähigkeit, mit Notfällen im Haushalt umzugehen, finanzielle und geschäftliche Vorgänge zu erledigen oder wichtige Sachverhalte nicht zu vergessen. Hier hatte die Interventionsgruppe eine um 44 Prozent geringere Verschlechterung des Schweregrads der Demenz als die Kontrollgruppe. Dies könnte möglicherweise auch damit zusammenhängen, dass die Schrumpfung des Gehirns bei den Probanden der Interventionsgruppe weniger stark vorangeschritten ist als in der Kontrollgruppe. Auffallend ist beispielsweise der Unterschied im Hippocampusschwund von 26 Prozent. Dieses Gehirnareal ist vor allem an der Gedächtnisbildung beteiligt.

„Die LipiDiDiet Studie zeigt, dass die Nährstoffbehandlung helfen kann, sowohl die Gehirnsubstanz und das Gedächtnis zu bewahren als auch den Anforderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden – wohl der bedrückendste Aspekt der Alzheimer-Krankheit“, fasst Prof. Soininen zusammen. Ihr Kollege, Prof. Tobias Hartmann, Professor für Experimentelle Neurologie an der Universität des Saarlands und Leiter der Gesamtstudie, ergänzt: „Eine Heilung wird durch diese Behandlung noch nicht erreicht, aber es zeigt sich, dass je früher diese Intervention eingesetzt wird, desto größer ist der Nutzen für den Patienten. Ein weiterer bemerkenswerter Meilenstein ist, dass zusammen mit dem kognitiv-funktionellen Gewinn eine verringerte Hirnschrumpfung festgestellt wurde, also ein Ergebnis, das über eine symptomatische Wirkung hinausgeht. Dies wurde bei den bisher zur Verfügung stehenden Therapien nie erzielt.“

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verfasst von am 8. Februar 2018 um 07:44

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