Fasten und Psyche

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 14. März 2012

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© Nick Harris 1

"S√ľ√üigkeiten" ist die zweith√§ufigste Antwort auf die Frage: Worauf w√ľrden Sie am ehesten verzichten? (Forsa-Studie)

Mit dem Aschermittwoch hat die 40-t√§gige Fastenzeit bis Ostern begonnen. Urspr√ľnglich eine religi√∂se Tradition, liegen die Beweggr√ľnde f√ľr das Fasten heute in verschiedenen Bereichen. Es geht darum, alte Gewohnheiten zu √ľberdenken, bewusst einen Schlussstrich zu ziehen und Raum f√ľr neue Erfahrungen zu gewinnen. Manche wollen auch einfach nur abnehmen.

Jeder zweite Deutsche findet einen bewussten Verzicht auf bestimmte Genussmittel oder Konsumg√ľter √ľber mehrere Wochen gesundheitlich sinnvoll. Dies ging aus einer vom 06. bis 08. Februar durchgef√ľhrten Forsa-Bev√∂lkerungsbefragung im Auftrag von DAK-Gesundheit hervor. Ebenfalls jeder Zweite gab an, schon einmal f√ľr mehrere Wochen bewusst auf Genussmittel oder/und Konsumg√ľter verzichtet zu haben. Auf die Frage, worauf sie am ehesten verzichten k√∂nnten, entschieden sich die Befragten folgenderma√üen:

Verzicht auf: Anteil [%]
Alkohol 67
S√ľ√üigkeiten 60
Fleisch 41
Rauchen 35
Fernsehen 34
Handy 31
Computer/Internet 22
Auto 13

Fastenzeit: Worauf w√ľrden Sie am ehesten verzichten? (Ergebnisse einer Bev√∂lkerungsbefragung durch Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit, 6. bis 8. Februar 2012, 1.013 Befragte)

Der Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten und Laster ist nicht einfach, kann aber auch bereichern. „Durch den Verzicht entstehen Freir√§ume, die gef√ľllt werden m√ľssen“, erl√§utert Familientherapeutin Stefanie Arndt. „Man sollte schon vor der Phase Ideen haben, welche Alternativen die Freir√§ume f√ľllen k√∂nnen. Und man sollte von vornherein alle Gef√ľhle zulassen, die mit dem Verzicht hochkommen.“ Durch den Verzicht werden Erkenntnisprozesse in Gang gesetzt, denen man sich stellen sollte. Fasten bietet die gro√üe Chance, sich w√§hrend einer Phase des Entsagens zu beobachten, gewohnte Wege zu verlassen und andere Probleml√∂sungen zu entwickeln, so die Therapeutin. „Das kann auch etwas so Banales sein, wie statt der verbotenen S√ľ√üigkeiten eine zuckerfreie Belohnung f√ľr die angeknackste Stimmung zu entdecken.“

Hat man sein Ziel erreicht und eine Zeitlang bewusst auf bestimmte Versuchungen verzichtet, kann man stolz auf sich und das Erreichte sein. Deshalb findet Prof. Nanette Str√∂bele von der Universit√§t Hohenheim auch eingeschr√§nktes Fasten, beispielsweise den Verzicht auf bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel, psychologisch auf jeden Fall wertvoll. Was hilft beim Durchhalten? „Wichtig ist, dass ich mir am Anfang klar mache, warum ich faste: Ist es eine innere √úberzeugung? So kann zum Beispiel Religion eine sehr starke Best√§rkung sein. Oder folge ich nur einem √§u√üeren Druck, zum Beispiel durch meine soziale Umgebung? Im zweiten Fall habe ich schlechtere Karten“, ist sich Str√∂bele sicher.

Wer es schafft, komplett auf Nahrung zu verzichten, erlebt nach anf√§nglichen Schwierigkeiten vielfach ein regelrechtes Fastenhoch: Man f√ľhlt sich emotional klarer, hat mehr Energie und ist positiver eingestellt. Str√∂bele erkl√§rt dies damit, dass Fastende mit der Zeit die Erfahrung machen, „wie unwichtig Essen pl√∂tzlich werden kann und was sie alles nicht brauchen“. Voraussetzung f√ľr dieses bewusste Erleben des Fastens ist eine gute Vorbereitung. Fasten sollte auf keinen Fall ohne medizinische Voruntersuchung und wenn m√∂glich mit medizinischer Begleitung erfolgen.

Fasten ist eine kurzfristig angesetzte Ma√ünahme und daher zum Abnehmen wenig geeignet. „Wer dauerhaft abnehmen will, muss seine Ern√§hrung langfristig umstellen und kommt um ein umfangreiches Bewegungsprogramm nicht herum,“ meint Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung in Bonn. Als einleitenden √úbergang f√ľr eine nachfolgende Verhaltensver√§nderung zieht Restemeyer Fasten jedoch durchaus in Betracht.

F√ľr viele ist Fasten weniger eine Entsagung, sondern vielmehr eine Bereicherung, denn der Verzicht auf alte Rituale schafft Raum f√ľr Neues. Hinzu kommt die psychisch-emotionale Belohnung, das Gef√ľhl, etwas f√ľr sich geschafft zu haben und die Freude dar√ľber, sich selbst etwas Gutes zu tun.

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verfasst von am 14. März 2012 um 14:26

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