Fitness-Tracker: Erfolg bleibt hinter Erwartungen zurück

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 25. Oktober 2016

Sind Fitness-Armbänder und Co. tatsächlich die „Essenz des Abnehmplans“? Eine aktuelle Studie widerspricht dem Trend der Technologisierung der Gewichtsabnahme. Demnach hat der Einsatz von Fitnessarmbändern keinen positiven Effekt auf die Gewichtsabnahme in Abnehmprogrammen. Im Gegenteil…

Gerade jüngere Menschen schwören auf neue Technologien. Da erscheint es naheliegend, sie als Hilfsmittel und Motivation im Rahmen von Abnehmprogrammen einzusetzen. Erstaunlicherweise wurde der Zusatznutzen des Einsatzes solcher Web-basierten Tracking-Instrumente bislang kaum fundiert untersucht. Ein Team von Wissenschaftlern um Dr. John M. Jakicic von der Universität Pittsburgh hat sich daher zum Ziel gesetzt, die Effizienz des Einsatzes dieser Geräte in einem Programm zur Gewichtsreduktion bei jungen Erwachsenen zu ermitteln.

Immerhin 470 18- bis 35-jährige Männer und Frauen mit einem Body Mass Index (Körpermasseindex, BMI) zwischen 25 und 40 kg/m2 (also im Bereich Übergewicht bis mittelgradige Adipositas) konnten die Wissenschaftler zur Studienteilnahme gewinnen. Während der ersten sechs Monate der Studie nahmen alle Probanden an einer wöchentlichen Gruppenberatung teil. Außerdem wurden die Probanden angewiesen, ihre Kalorienaufnahme abhängig von ihrem Ausgangsgewicht auf 1200 bis 1800 Kalorien pro Tag zu reduzieren und sich zunächst 100 Minuten/Woche bei mittlerer bis stärkerer Intensität zu bewegen. Im Abstand von vier Wochen wurde das Bewegungspensum schrittweise erhöht, bis 300 Minuten/Woche erreicht wurden. Alle Probanden wurden gebeten, ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten in speziell dafür entwickelten Tagebüchern zu protokollieren. Die Einträge wurden im Zusammenhang mit der darauffolgenden Gruppenberatungsstunde verwendet.

Nach sechs Monaten teilten die Wissenschaftler die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein, eine Standard- und eine Interventionsgruppe. Beide Gruppen erhielten weiterhin Gruppenberatung, allerdings statt im wöchentlichen Turnus nun einmal monatlich. Hinzu kamen kurze Motivations- und Erinnerungsnachrichten per Handy sowie das Angebot, vertiefende Inhalte auf einer Website nachzulesen. Auf dieser Website sollten die Teilnehmer der Standardgruppe auch weiterhin ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten dokumentieren. Die Aufzeichnungen wurden dann bei monatlich stattfindenden, maximal zehnminütigen persönlichen Telefonberatungsterminen besprochen.

Die Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten zusätzlich ein Web-basiertes Armband, das am Oberarm getragen wird und Energieverbrauch sowie Aktivitätslevel misst und rückmeldet. Die dazugehörige Software wertet das Bewegungsverhalten aus und bietet zudem die Möglichkeit zur Ernährungsaufzeichnung. Für die Telefonberatungseinheiten konnten direkt die Daten des Armbands beziehungsweise der Software verwendet werden, sodass eine Dokumentation auf der Website wie bei der Standardgruppe entfiel.

Und das Ergebnis der Studie?
Anfangs hatten die Probanden der Standardgruppe ein mittleres Gewicht von 95,2 Kilogramm, das mittlere Gewicht der Interventionsgruppe war mit 96,3 Kilogramm etwas höher. Sechs Monate nach Studienbeginn, also vor Beginn der unterschiedlichen Studienphasen, hatten die Probanden beider Gruppen etwa gleich viel abgenommen (Standardgruppe -8,6 Kilogramm (-9,4 Prozent), Interventionsgruppe: -8,0 Kilogramm (-8,4 Prozent)). Die Messung des Gewichts nach 12, 18 und schließlich 24 Monaten zeigte, dass die Probanden ihre anfangs erreichte Gewichtsabnahme nur teilweise aufrechterhalten konnten. Nach 24 Monaten wog die Standardgruppe noch 5,9 Kilogramm weniger als zu Beginn der Studie, was einer Gewichtsabnahme von 6,4 Prozent entspricht. Überraschenderweise war das Ergebnis der durch die moderne Technologie unterstützten Interventionsgruppe vergleichsweise schlechter: Bei dieser Gruppe blieb nur eine mittlere Gewichtsabnahme von 3,5 Kilogramm (-3,6 Prozent) erhalten. Der Gewichtsunterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch signifikant, obwohl, wie die Autoren extra betonen, die Fettmasse, der Körperfettanteil und die kardiorespiratorische Fitness der Teilnehmer in beiden Gruppen vergleichbar war. Dies gilt auch für die körperliche Aktivität und die Energieaufnahme der Probanden während der Studie.

Die Wissenschaftler folgern, dass der Einsatz moderner Technologien nicht automatisch dazu führt, dass Menschen Ernährung- und Bewegungsempfehlungen besser befolgen. Als besondere Herausforderung erwies sich einmal mehr die Phase der Gewichtsstabilisierung. Offen bleibt weiterhin die Frage, ob Fitness-Tracker ohne flankierende Maßnahmen/Interventionen einen günstigen Einfluss auf den Lebensstil ausüben können und welche Personengruppen davon gegebenenfalls besonders profitieren.

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verfasst von am 25. Oktober 2016 um 06:11

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2 Kommentare zu “Fitness-Tracker: Erfolg bleibt hinter Erwartungen zurück”

  1. P. sagt:

    Zitat: „Der Gewichtsunterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch signifikant, obwohl, wie die Autoren extra betonen, die Fettmasse, der Körperfettanteil und die kardiorespiratorische Fitness der Teilnehmer in beiden Gruppen vergleichbar war.“

    Irgendwie fehlt mir hier massiv die Logik. Wenn Person 1 100 Kilo wiegt, Person 2 90 und beide einen KFA von 20 Prozent haben, muss ihre absolute Fettmasse abweichen. Außerdem relativiert ein übereinstimmender Körperfettanteil doch sehr die Signifikanz des absoluten Gewichts, denn wenn der KFA gleich ist, muss der schwerere von beiden auch mehr Muskelmasse haben.

    • Dr. oec. troph. Christina Bächle sagt:

      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Betrachtet man einzelne Menschen, erscheint die Aussage der Autoren tatsächlich unlogisch. Allerdings bezog sich ihre Aussage auf Mittelwertsunterschiede zwischen beiden Gruppen. Im Artikel ist außerdem zu lesen, dass sich die Magermasse zwischen beiden Gruppen ebenfalls nicht unterschied. Alle genannten Parameter hatten sich in beiden Gruppen über die Zeit verbessert, jedoch war der Unterschied zwischen beiden Gruppen nicht signifikant.

      Mit ihrer Aussage möchten die Autoren wohl darauf hinweisen, dass die Gewichtsabnahme unabhängig von der Fettmasse, dem Fettanteil und der kardiorespiratorischen Fitness der Probanden war, sondern tatsächlich auf die Intervention zurückzuführen war.

      Mit freundlichen Grüßen
      Christina Bächle

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