Fr√ľhere H√§nseleien erschweren langfristig die Gewichtsabnahme

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Montag, 21. März 2016

Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) werden häufig aufgrund ihrer Figur verspottet und ausgegrenzt. Solche negativen Erfahrungen können bis ins Erwachsenenalter nachwirken. Beispielsweise fällt es Erwachsenen mit Stigmatisierungs-Vorgeschichte schwerer, nach einer Gewichtsabnahme ihr Gewicht zu halten, als Vergleichspersonen.

Dies ergab eine Studie des Leipziger Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen, deren Ergebnisse k√ľrzlich in der Fachzeitschrift „Appetite“ ver√∂ffentlicht wurden. F√ľr die Studie wurden die Daten von insgesamt 381 Erwachsenen mit anhaltendem oder fr√ľherem √úbergewicht aus dem Gewichtskontrollregister der Medizinischen Hochschule Hannover ausgewertet. Alle Probanden hatten zwei Gemeinsamkeiten: Sie hatten mindestens ein Zehntel ihres Ausgangsgewichts abgenommen und ihr neues, reduziertes Gewicht ein Jahr oder l√§nger gehalten.

In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass emotionales Essen und andere Auff√§lligkeiten im Essverhalten langfristig die Gewichtsabnahme beeintr√§chtigen. „Forscher und √Ąrzte wissen bisher aber wenig dar√ľber, wie sich Stigmatisierung auf die Entwicklung des Gewichts auswirken„, erl√§utert die Leiterin des Forschungsbereichs Verhaltensmedizin am IFB Prof. Dr. Anja Hilbert. Daher verglichen die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie die langfristige Gewichtsabnahme von M√§nnern und Frauen, die in ihrer Kindheit oder Jugend aufgrund ihres Aussehens geh√§nselt und abgelehnt (stigmatisiert) wurden, mit einer Kontrollgruppe, die zwar ebenfalls fr√ľher (und teilweise auch aktuell) √ľbergewichtig war, jedoch nicht deshalb stigmatisiert wurde.

Obwohl alle Teilnehmer ihr reduziertes Gewicht ein Jahr lang erfolgreich halten konnten, hatten sie nach zwei Jahren durchschnittlich wieder 2,8 Kilogramm zugenommen. Wurde bei der Auswertung die Stigmatisierungs-Erfahrung in der Kindheit und Jugend der Teilnehmer ber√ľcksichtigt, so zeigte sich, dass die Teilnehmer, die fr√ľher verspottet und ausgegrenzt worden waren, ihr reduziertes Gewicht weniger gut halten konnten als die unbelastete Kontrollgruppe. Dies wurde darauf zur√ľckgef√ľhrt, dass bei vormals stigmatisierte Personen Essen st√§rker mit Emotionen verkn√ľpft war als in der Kontrollgruppe. Beispielsweise neigten sie dazu, als negativ empfunden Gef√ľhle wie √Ąrger, Stress, Traurigkeit oder Langeweile durch Essen zu kompensieren. Hierbei besteht die Gefahr, in einen Teufelskreis aus H√§nseleien, negativen Emotionen, Frustessen, weiterem Gewichtsanstieg, erneuten H√§nseleien, …, hineingezogen zu werden.

Probleme bei der langfristigen Gewichtskontrolle sind nicht die einzigen Folgen einer √ľbergewichtsbedingten Stigmatisierung im Kindes- und Jugendalter. H√§ufig leiden Betroffene unter einem negativen Selbstbild. Auch Essst√∂rungen und Depressionen k√∂nnen resultieren. Zurzeit schafft es maximal eine von drei bis sechs Personen mit √úbergewichts- beziehungsweise Adipositaserfahrung (17 bis 34 Prozent), nach einer Gewichtsreduktion langfristig ihr reduziertes Gewicht zu halten. Um Adipositastherapien nachhaltiger zu gestalten, ist es daher nach Ansicht der Wissenschaftler zum einen notwendig, gewichtsbezogener Stigmatisierung durch mehr Aufkl√§rung entgegenzuwirken und zugleich stigmatisierte Personen durch ein gezieltes Training von Bew√§ltigungsstrategien zu unterst√ľtzen.

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verfasst von am 21. März 2016 um 07:00

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